Angst im Dunkeln?

„Oh Gott, hast Du denn gar keine Angst im Dunkeln? Das ist doch gefährlich so ganz allein als Frau!“ Das ist in 95% der Fälle die Reaktion, wenn ich Leuten von meinen nächtlichen Astrofoto-Touren erzähle. Die Dunkelheit löst in den meisten Menschen eine ureigene Angst aus – eine Angst vor dem Ungewissen, vor dem, was man nicht sehen kann. Auf mich übt die Nacht (und ich sage bewusst nicht „Dunkelheit“) jedoch eine ganz besondere Faszination aus, die eine mögliche Angst bei mir fast völlig verschwinden lässt. Warum, das möchte ich Dir in diesem Beitrag versuchen zu beschreiben.

Diese Nacht bei etwa 0 Grad auf 1.800 m zu verbringen war ein unvergessliches Erlebnis!

Grundsätzlich bin ich kein sehr ängstlicher Mensch – wenn man mal von meiner Spinnephobie absieht. Im Gegenteil, ich bin meist eher neugierig und probiere alles Mögliche aus, als dass ich Angst davor hätte (z.B. Bungee Jumping, Fallschirmspringen, o.ä.). Und so ging es mir auch mit der Nachtfotografie. Ich gebe zwar zu, dass ich bei meinen ersten nächtlichen Touren, auf denen ich allein unterwegs war, schon ein leicht mulmiges Gefühl hatte, aber Angst war dies eigentlich nie. Angst ist ja im Grunde auch etwas, was sich fast ausschließlich im Kopf abspielt. Wenn man sich also in seiner (wilden) Phantasie ausmalt, welche gefährlichen Tiere oder kriminellen Menschen wohl hinter der nächsten Ecke auf einen lauern könnten, dann kann eine einsame Wanderung in der Dunkelheit durchaus zum „Höllentrip“ werden. Und wenn es dann noch plötzlich im Gebüsch raschelt, ist der Horror perfekt!

Krankhafte Angst im Dunkeln

Tatsächlich gibt es nicht wenige Menschen, die unter einer gesteigerten Angst vor der Dunkelheit leiden, der sogenannten „Achluophobie“. Diese hat ihren Ursprung meist schon in der Kindheit, wo sie auch noch völlig normal und Teil der Entwicklung ist. Wird hier jedoch nicht entgegengewirkt oder ist eine gewisse Veranlagung vorhanden, kann sich diese Phobie im Laufe der Zeit ausprägen. Und diese ist definitiv wie jede Angststörung ernst zu nehmen und sollte idealerweise professionell behandelt werden!

Was kann man aber gegen eine „normale“ Angst im Dunkeln tun? An dieser Stelle kann ich natürlich nur aus meinen Erfahrungen berichten, aber vielleicht helfen diese Dir ja auch ein wenig: Seit ich mit der Astrofotografie begonnen habe, war ich fasziniert von der Nacht und dem besonderen Erlebnis dabei, was sich in den meisten Fällen sehr viel tiefer ins Gedächtnis „gräbt“ als Fotoausflüge bei Tag. Und da ich mangels Gleichgesinnter zu Beginn häufig allein unterwegs war, musste ich mich natürlich auch mit den Gefahren eines solchen nächtlichen Ausflugs auseinander setzen.

Gefahren in der Nacht

Wie bei jeder Tour, die man allein unternimmt, gibt es natürlich Gefahren – in der Nacht verschärfen sich diese allerdings zum Teil noch: Die größte Gefahr ist aus meiner Sicht, dass man sich verletzt und selbst keine Hilfe mehr holen kann. Tagsüber wird man hier in der Regel schneller gefunden, in der Nacht hingegen ist dies unwahrscheinlich – und kann bei entsprechenden Minusgraden auch sehr schnell gefährlich werden.

Im Mondlicht fotografieren

In dieser Nacht am vereisten Ufer des Karersees in den Dolomiten hätte es schnell gefährlich werden können, wenn ich mich hier bei -14 Grad verletzt hätte

Auch das Wetter kann natürlich – wie auch tagsüber – zur Gefahr werden. Ein Gewitter ist zwar durchaus ein attraktives Fotomotiv in der Nacht, befindet man sich jedoch plötzlich mittendrin, wird es schnell lebensgefährlich. Eine gewisse Kenntnis darüber, wie (Un-)Wettervorhersagen gelesen und interpretiert werden können, solltest Du daher haben. Dabei kann Dir zum Beispiel das Buch von Bastian Werner „Fotografieren mit Wind und Wetter: Wetter verstehen und spektakulär fotografieren!“ (Affiliate Link) viele guten Tipps geben!

In dieser denkwürdigen Nacht im Harz erlebte ich mit anderen Hobbyastronomen ein Gewitter unter dem Sternenhimmel!

Tiere stellen für viele Menschen eine weitere Gefahr in der Nacht dar. Aus meiner Sicht gibt es allerdings in unseren Breiten nur sehr wenige Tiere, die wirklich gefährlich werden können – zum Beispiel Wildschweine mit Frischlingen, Wölfe oder tollwütige Füchse, die einem aber alle genauso tagsüber begegnen können.

Reine Kopfsache

Aus meiner Sicht ist es in erster Linie eine reine Kopfsache! Wenn ich rational darüber nachdenke weiß ich, dass nur höchst unwahrscheinlich ein Mensch nachts im Wald auf mich lauert um mich zu überfallen – es sei denn, ich kündige meine nächtliche Tour inkl. GPS-Track und der wertvollen Ausrüstung die ich dabei habe öffentlich auf Facebook an. Ansonsten ist es wohl um ein vielfaches wahrscheinlicher, dass ich irgendwo in einer Großstadt (tagsüber oder nachts) überfallen und ausgeraubt werde – oder? Und auch die Angst vor Tieren relativiert sich bei mir, da ich weiß, dass die allermeisten Tiere mehr Angst vor mir haben als ich vor ihnen. Ich bin nachts schon vielen Tieren begegnet – Salamandern, Hasen, Igel, Mardern, Füchsen, Rehen, Hirschen und sogar einem Luchs – aber keines wurde mir je auch nur annähernd gefährlich. Die größte Angst hatte ich definitiv vor den Spinnen, die sich vereinzelt in oder auf meinen Fotorucksack verirrt haben!

Diese Kollegen sieht man nur selten – meist wenn es draußen feucht ist

Mit diesem „Wissen“ im Kopf gehe ich daher recht entspannt durch die Nacht oder auch mal einen dunklen Wald. Und sollte es wirklich mal im Gebüsch rascheln (was durchaus öfters vorkommt), dann packt mich eher die Neugier, was das wohl sein mag, als die Angst davor. Kürzlich hörte ich zum Beispiel ein Rascheln und Knacken so laut wie drei Wildschweine neben mir im Wald – was sich kurz darauf als kleiner Marder herausstellte, der etwas verwundert schaute als er mich dann kommen sah.

Sehr viel weniger Überwindung kostet es auch, wenn man nachts nicht allein unterwegs ist – schon aus psychologischer Sicht. Und auch die lauten Stimmen einer Unterhaltung treiben die meisten Tiere schon in die Flucht, bevor man sie überhaupt zu Gesicht bekommt. Ich habe daher auch bereits viele Nächte mit anderen Fotografen aber auch Nicht-Fotografen verbracht, die danach (fast) alle die Faszination der Nachtfotografie verstehen konnten. Zum langsamen Gewöhnen bietet es sich auch an, erst einmal einen Ausflug bei Vollmond zu machen, bei dem man noch vergleichsweise viel um einen herum sehen kann!

Eine „gespenstische“ Ruhe

Ein anderes Phänomen, was einem durchaus etwas Angst machen könnte, ist die absolute Ruhe, welche die meiste Zeit in der Nacht herrscht. Diese setzt in der Natur meist schlagartig während der Dämmerung ein, wenn die Vögel ganz plötzlich aufhören zu singen.

Blaue Stunde fotografieren

Mit der Dämmerung setzt auch die Ruhe in den Bergen ein – für mich immer wieder ein tolles Gefühl!

Diese Stille, die dann die einsetzende Dunkelheit begleitet, hat für mich immer schon fast etwas Magisches. Sie zeigt mir, dass ich nun ganz allein bin mit den Sternen (oder was es da noch so am Himmel gibt). Und dann kann ich beginnen, diese Schönheit auf meinen Fotos festzuhalten – eine Schönheit, die den meisten Menschen aus Angst vor der Dunkelheit entgeht. Dabei ist die Nacht doch alles andere als dunkel!

Welche „Nacht-Lichter“ es alles zu bewundern und fotografieren gibt, kannst Du übrigens in meinem Portfolio entdecken!

Wie sieht es bei Dir aus? Hast Du Angst im Dunkeln oder was tust Du dagegen? Bist Du bei nächtlichen Fototouren eher allein oder mit anderen unterwegs? Und was hast Du schon alles nachts an Kuriositäten erlebt? Ich freu mich über Deinen Kommentar!

13 Kommentare
  1. Mario says:

    Leider bin ich ein sehr ängstlicher Mensch und Nachst alleine auf Michstrassenjagd ist für mich eine anstrengende Sache. Ich versuche die Angst aus den Kopf zubekommen, indem ich mich auf die fotografische Aufgabe konzentiere und natrürlich mir keine schlimmen Dinge einrede. Zudem habe ich die Taschenlampe imer griff bereit und habe mir im Internet Infos geholt, wie ich mich bei wilden Tieren verhalten soll. Schmunzel musste ich bei dem Thema Ruhe in der Nacht. bei der letzten Tour, hatte ich Sound von der Dorfdisco 5 km entfernt, Ein Mensch der Nachts mit voll aufgedrehten Handy das Kirchenmusik spielte überrascht udn ein Hund der aus dem nichts gekommen ist und sein revier verteiigen wollte, bis dann auch 5 später Frauchen den Hund beruhigen konnte.. 🙂 Schönen Tag

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    • Katja Seidel says:

      Dann drücke ich mal die Daumen, dass Du die Tipps gegen wilde Tiere niemals brauchen wirst! Und ja du hast Recht, ruhig ist es nicht immer. Die Chancen steigen aber je höher man unterwegs ist 🙂

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  2. FranzV says:

    Bei mir ist es weniger die Angst, sondern der innere Schweinehund den ich überwinden muss um mich aus der bequemen Wpohnzimmercouch zu erheben und Nachts rauszufahren. Wenn ich es aber geschafft habe ist es immer ein tolles Erlebnis auch wenn die Bilder nicht immer zu meiner Zufriedenheit ausfallen.
    Viele Grüsse aus Salzburg / A
    FranzV

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    • Katja Seidel says:

      Ja, das kenne ich nur zu gut! Aber meist lohnt es sich wirklich bzw. man ärgert sich, wenn man es nicht macht – so ist es mir zumindest schon ein paar Mal gegangen. Und ja, leider ist es in der Astrofotografie so, dass man häufig mehrere Versuche für ein gutes Bild braucht, mit dem man selbst zufrieden ist. Aber einfach kann ja jeder 😉

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  3. claude says:

    Oh je, die Spinnenangst kann ich ja soooo gut verstehen. Als Frau zieht es mich allerdings auch nicht unbedingt regelmäßig in die Nacht hinaus, wobei ich nächtliche Aktionen in der Großstadt wesentlich gefährlicher finde als in der Natur. GroßenRespekt habe ich momentan vor Jägern. Hier in der Gegend ( Großraum Köln, Oberbergischer Kreis) ist es ein wahrer Boom . Es ist unglaublich wie viele, vor allem sehr, sehr junge Jäger und Jägerinnen es gibt. Wenn man Nachts die Schüsse hört, verschiebt man seine geplanten Milchstraßenfotos gerne auf die ferne Zukunft………wer weiß schon, welche Reizauslöser zu einem Schuss führen.

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  4. WiderY says:

    Kann gut verstehen, dass viele Angst davor haben sich alleine nachts in der Natur aufzuhalten. Ich persönlich bin immer wieder nachts unterwegs, sei es nur um den Sternenhimmel zu bewundern, oder Wild zu beobachten. Angst habe ich keine, mir macht es mehr Angst mich nachts in einer Stadt aufzuhalten, die Wahrscheinlichkeit, dass hier etwas passiert ist sicher um einiges höher. Was ich jeweils mache, ist meiner Ehefrau zu sagen, wo ich mich aufhalten werde und wann ich ungefähr wiederum nach Hause komme. Komme ich zurück schläft sie dann meistens! Ich möchte diese Nachtausflüge um keinen Fall missen.

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  5. Thierry says:

    Hallo Katja,
    bin über den Fotoschnack auf deinen Blog gestoßen, und werde mir wohl auch das Buch kaufen 🙂
    Ich hab zwar auch keine Angst im Dunkeln und mache mir auch keine Sorgen über Tiere oder gefährliche Menschen, allerdings macht meine Frau sich halt Sorgen, wenn ich Nachts im Wald Fotos machen will. Mitkommen will sie aber auch nicht, weil es ihr zu unheimlich im Wald ist 🙂
    Das 2. Problem bei Astrofotografie ist, dass sie nur Nachts stattfinden kann und wenn man Tagsüber arbeiten muss, es ziemlich anstrengend wird … Letzes Jahr kam es bei mir recht selten vor, dass was interessantes am Himmel, kein Mond und keine Wolken auf ein Wochenende fielen, die Ergebnisse fand ich auch nicht berauschend … Vielleicht hab ich diesen Herbst/Winter ja mehr Glück und nachdem ich das Buch gelesen hab auch bessere Ergebnisse …

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    • Katja Seidel says:

      Hallo Thierry,
      Das freut mich! Tja, die Sorgen kann ich nachvollziehen, allerdings kann ich auch jedem nur raten mal mitzugehen! Ich finde eine Nacht draußen zu verbringen wirklich klasse und meist unvergesslicher als Erlebnisse bei Tag. Und ja, auch dein zweites Problem kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich kann zum Glück einige Sachen (Deep Sky) auch schon direkt im Garten machen, da ist es nicht ganz so anstrengend. Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Erfolg und viel Inspiration im Buch!
      LG, Katja

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  6. Frank says:

    Hallo Katja,
    als ich den Titel gelesen habe musste ich unwilkürlich schmunzeln, weil mir eines meiner Erlebnisse eingefallen ist und ich auch der Meinung bin, dass es manchmal etwas Überwindung kostet, sich alleine irgendwo in die Dunkelheit zu stellen und zu fotografieren.
    Als ich zum ersten mal in Afrika war (Namibia) und mir nach dem Abendessen, auf dem Fußweg zu unserem Ferienhäuschen, die mit blo0em Auge deutlich sichtbare Milchstraße aufgefallen war, hab ich natürlich sofort Kamera und Stativ geschnappt und im hohen Gras, mit Blick auf einen typisch afrikanischen Akazienbaum im Vordergrund aufgebaut. Das ständige Rascheln, Tapsen, Scharren etc. um mich herum, war aber nicht zu überhören. Da es stockdunkel war und ich natürlich auch wusste, dass es dort alle möglichen Raubtiere, Giftschlangen, Skorpione und was nicht alles gibt, wurde es eine relativ kurze Aktion, trotz aller Faszination für den unglaublichen Sternenhimmel… 😉
    Am nächsten Morgen haben wir dann auch die Verursacher der Geräusche entdeckt. Es waren Perlhühner, die zur Guestfarm gehörten… 😉

    Im übrigen hast Du hier eine tolle Seite aufgebaut und neben deinem Buch bestimmt sehr viele Tipps und Erfahrungen gepostet (bin noch nicht durch…)

    LG
    Frank

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    • Katja Seidel says:

      Hallo Frank,
      Ok, Namibia ist sicher nochmal ne andere Nummer – da wäre ich glaube ich auch nicht mehr so entspannt wenns raschelt und knackt. Aber gut, dass es bei dir dann doch nur Perlhühner waren! Schöne Geschichte!
      Und danke für dein Feedback zur Seite – ich gebe mir Mühe hier regelmäßig (hoffentlich) interessante Themen zur Astrofotografie zu schreiben. Freut mich auf jeden Fall wenn es dir hilft!
      LG, Katja

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  7. Callista says:

    Hallo Katja,
    ja den Satz kenne ich „NACHTS – ALLEIN!! hast Du keine Angst??“ Nein, Angst in diesen Sinne hab ich nicht. Natürlich bin ich vorsichtig – ich will ja auch wieder heil nach Hause. Aber seit ich meine erste Nacht im April/Mai draussen verbrachte und ich ein Nachtigallen-Konzert für umme dazu bekam, bin ich süchtig! Ich fahre nie wirklich weit weg und mein Mann weiss immer wohin ich fahre – von daher geht das größte Gefahrenpotential tatsächlich von Wildschweinen aus, die es bei uns massig gibt.
    Das Schlafdefizit, das sich unwillkürlich aus solchen Aktionen ergibt kostet mich immer zwei Tage, bis ich wieder auf „normal“ bin 😉
    Aber: ICH LIEBE ES!!

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