„Die Königin der Nacht“ – die Harzer Wandernadel bei Nacht

Der Harz – gegenüber den Alpen zwar beschaulich und eher „harmlos“, aber dafür ganz in der Nähe meines Wohnortes und somit perfekt geeignet für eines meiner fotografischen Projekte: Ich möchte die Schönheit des höchsten Gebirges Norddeutschlands bei Nacht erkunden! Da kam mir die Initiative „Harzer Wandernadel“ gerade recht, um dieses Vorhaben auch gebührend zu dokumentieren und zu belohnen.

 

Das Projekt

Am 02.08.2015 startete ich mit zwei anderen „Verrückten“ zu meiner ersten Nachtwanderung seit Ewigkeiten. In einem Spontanentschluss fuhren wir gegen Mitternacht von zu Hause los um kurz nach 1 Uhr durch die vollmonderhellte Nacht auf den Brocken zu wandern und dort einen herrlichen Sonnenaufgang zu erleben. Diese erste Nachtwanderung zum Brocken war dann auch gleichzeitig der Startschuss zu meinem persönlichen Projekt, die „Harzer Wandernadeln“ im Rahmen von Nachtwanderungen zu sammeln. Das Projekt „Harzer Wandernadel“ gibt es seit 2006. Dabei gilt es, eine bestimmte Anzahl Stempel an vorgegebenen Stempelstellen im gesamten Harz zu sammeln und dafür entsprechende Auszeichnungen zu bekommen – die Wandernadeln. Neben der Wandernadel in Bronze, Silber und Gold kann man u.a. bei 50 gesammelten Stempeln auch Harzer Wanderkönig und bei allen 222 Stempeln sogar Wanderkaiser werden! Nähere Informationen dazu gibt es hier: www.harzer-wandernadel.de. Und da es mittlerweile schon mehr als 3.000 Harzer Wanderkaiser gibt, dachte ich mir, da muss doch etwas Besonderes her! Und so war die Idee des Harzer Wanderkaisers bei Nacht geboren. 222 Stempel sind natürlich eine ordentliche Hausnummer, daher habe ich das Projekt in Etappen eingeteilt und mir erstmal kleine Ziele gesteckt… Der Wanderkönig bis Ende des Jahres klang realistisch – bei 3-4 Stempeln pro Wanderung bedeutete das ca. 15 Nachtwanderungen. Mein Ehrgeiz war auf jeden Fall geweckt! Und dies nicht nur im Hinblick auf die Stempel und Wandernadeln – ein großes Augenmerk lag für mich natürlich auch auf den Fotos, die ich dabei machen wollte.

Die Vorbereitung

Eine intensive Vorbereitung gab es eigentlich gar nicht. Zum Glück hatte ich eine Freundin, die bereits einmal alle 222 Stempel für den Harzer Wanderkaiser (bei Tag) gesammelt hatte, und so hatte ich eine sehr wertvolle Quelle für Tipps und Tourenvorschläge. Sie hat mich später auch auf einem Großteil meiner Wanderungen zum Wanderkönig bei Nacht begleitet. Neben der Tourenplanung und dem Besorgen des Stempelheftes galt es allerdings noch, das richtige Equipment für die Nachtwanderungen auszuwählen. Einige Dinge sind hier aus meiner Sicht essentiell – diese Erfahrungen möchte ich hier gern teilen:
  • Licht: Ausreichend Licht ist – selbst in Vollmondnächten – aus meiner Sicht unerlässlich, um bei Dunkelheit heil zum Ziel zu kommen. Dabei sollte man auf Nummer sicher gehen und am Besten zwei Lichtquellen dabei haben. Meine primäre Lichtquelle für Nachtwanderungen ist eine Stirnlampe – sie bietet ausreichend Licht um den Weg zu erkennen und man hat beide Hände frei. Wichtige Auswahlkriterien für mich waren dabei die lange Akkulaufzeit, die Möglichkeit des Batteriebetriebs, ein bequemer Sitz und eine ausreichende Leuchtkraft. Ich bin auf meinen nächtlichen Wanderungen mit der Black Diamond Revolt* sehr zufrieden! Als zweite Lichtquelle dient mir zusätzlich eine sehr lichtstarke Taschenlampe, die ich zusätzlich auf unwegsamerem Gelände einsetze. Hierbei zählten für mich das geringe Gewicht und die Größe, sowie eine mögliche Einhandbedienung und der Batteriebetrieb. Anhand dieser Kriterien habe ich mich für die LED Lenser P7.2* entschieden und diesen Kauf nicht bereut.
  • Navigation: Schon als Kind lernt man, dass man sich im Dunkeln leicht verlaufen kann. Und das würde ich auch heute noch so unterschreiben – es sei denn man kennt den Harz sowieso wie seine Westentasche. Da dies bei mir leider nicht der Fall ist, setze ich hierbei voll auf GPS-Navigation. Natürlich könnte man auch mit der klassischen Wanderkarte, einem Kompass und den vorhandenen Wegweisern in der Nacht wandern, aber ich war schon mehr als einmal in der Situation dass ich ohne ein GPS nicht mehr den richtigen Weg gefunden hätte. Einige Wege sind halt einfach (insbesondere Nachts) nicht oder kaum als Wege erkennbar. Und auch beim Thema Navigation setze ich zur Sicherheit auf Redundanz. Mein Backup ist dabei das Smartphone, welches ich sowieso immer dabei habe. Heutzutage gibt es schon eine ganze Reihe von Apps, die es ermöglichen eigene GPX-Tracks zu importieren und auf Offline-Karten zusammen mit der eigenen Position dazustellen. Dies funktioniert schon ganz gut, für den alleinigen Einsatz halte ich diese Lösungen aber noch immer nicht für geeignet – zu ungenau ist hier teilweise der Empfang und zu viel Strom verbraucht der Dauerbetrieb beim Aufzeichnen der Tracks. Daher ist mein primäres Navigationsinstrument ein „klassisches“ Garmin GPS – das Garmin eTrex 30*. Dies hat zwar keinen Touchscreen und ist auch nicht sehr schnell, dafür zeigt es den Track und die eigene Position extrem genau an und der Akku hält ewig – mehr braucht man eigentlich auch nicht. Als Kartenmaterial ist heutzutage die OSM (Open Street Map) meist schon vorinstalliert – und die ist tatsächlich häufig aktueller und genauer als die sündhaft teuren Topo-Karten. Die geplanten Touren lade ich mir entweder als fertige Tracks aus dem Internet oder stelle sie mir selbst unter www.gpsies.com zusammen. Das geht wunderbar einfach, schnell und kostenlos. Den fertigen Track exportiere ich dann im GPX-Format und spiele ihn auf mein Garmin GPS sowie das Smartphone. Hier sind auch alle Stempelstellen drauf, die Du Dir hier herunterladen kannst.
  • Schutz: Natürlich ist es etwas anders, Nachts durch den menschenleeren Wald zu wandern, als tagsüber mit vielen anderen Wanderern unterwegs zu sein. Anfangs galt meine größte Sorge den wilden Tieren, die einen in der Nacht angreifen könnten. Dass diese Sorge aber natürlich in unseren Breiten arg übertrieben ist, habe ich schnell gelernt. Die Tiere die man bei uns in der Nacht trifft haben in der Regel selbst große Angst vor Menschen und suchen so schnell sie können das Weite. Über meine „tierischen“ Begegnungen später noch mehr… Für den Ernstfall habe ich dann aber doch noch zwei Dinge dabei: Pfefferspray und einen sog. Schrillalarm – eine druckluftbetriebene kleine Sprühflasche, die einen lauten Ton ausstößt und (hoffentlich) ein Tier was mir zu nahe kommt erfolgreich in die Flucht schlägt. Beides musste ich zum Glück noch nie anwenden, aber es ist schon ein beruhigendes Gefühl, es dabei zu haben.
  • Kleidung: Anfangs war ich der Meinung, Nachts ist es ja sehr viel kälter als am Tag, daher muss ich mich auch entsprechend warm anziehen – zumal ich sowieso eine totale Frostbeule bin. Hier wurde ich aber schnell eines Besseren belehrt. Es stimmt zwar, dass es Nachts kälter wird, aber beim Wandern ist man im Zweifelsfall immer zu warm angezogen – zumindest ging es mir so. Ich kann daher nur wärmstens das Zwiebelprinzip empfehlen. Vernünftige Sportunterwäsche, eine Softshell-Trekkinghose und eine Fleecejacke haben bei mir sogar bei Minusgraden noch ausgereicht, solange es windstill war und ich mich bewegt habe. Für die Essens- oder Fotopausen sollte man sich dann aber schon noch eine warme Schicht dabei haben, da wird’s dann sehr schnell kalt. Auch eine Regen- und Windjacke ist äußerst ratsam, da das Wetter auf einer mehrstündigen Wanderung doch mal umschlagen kann.

Alles Weitere unterscheidet sich nicht wesentlich vom Wandern am Tag – ein bequemer Rucksack, feste Schuhe, Essen und Trinken und entsprechendes Fotoequipment. Bei letzterem ist es natürlich wichtig, auf die Fotografie bei Nacht eingestellt zu sein. Dazu aber auch gleich noch mehr…

Die Wanderungen

Es würde sicherlich zu weit führen, hier über jede der Wanderungen zu berichten. Daher möchte ich an dieser Stelle gern die Highlights aus insgesamt 77 Stunden, 203 Kilometern und 5.830 Höhenmetern in 14 Nachtwanderungen zum Harzer Wanderkönig zusammenfassen und Dir zum teil auch die entsprechenden GPS Tracks zur Verfügung stellen. Genaugenommen waren es nur 13 Wanderungen, da die erste Wanderung auf den Brocken noch ohne Stempelsammeln für mich verlief – die Einstiegsdroge sozusagen. Diese war auch wirklich gleich ein echtes Highlight. Wir hatten uns einen der ca. 50 Tage im Jahr ausgesucht, an denen es auf dem Brocken mal nicht nebelig ist. Leider waren wir auch nicht die Einzigen die diese Idee hatten. Die ersten anderen Nachtwanderer trafen wir um ca. 3:30 Uhr, was schon relativ überraschend für mich war. Der Hammer war dann aber, als uns ca. 1 Stunde später eine ganze „Horde“ überholte. Und so standen wir dann pünktlich zum Sonnenaufgang mit gefühlt 40-50 anderen auf dem Brocken. Schön war es natürlich trotzdem, wenn ich es mir auch etwas ruhiger und idyllischer vorgestellt habe.

Andrang am Brocken Morgens um 5:30 Uhr

Andrang am Brocken Morgens um 5:30 Uhr

8 Stunden und mehr als 18 km waren für die erste Wanderung zwar ganz schön viel, es hielt uns aber nicht davon ab, einen knappen Monat später die nächste Wanderung anzutreten – diesmal auf den Wurmberg und wieder zum Sonnenaufgang.

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Gleichzeitig war dies auch die erste Stempelwanderung – der Grundstein war also gelegt. Es folgten Wanderungen u.a. zur Achtermannshöhe, zur Leistenklippe, durchs Ilsetal, zur Wolfswarte, zur Steinernen Renne, zur Rabenklippe und auf den Burgberg sowie ein weiteres Mal auf den Brocken.

Unerwartete „Camper“ auf der Achtermannshöhe

Jede Wanderung war für sich besonders – nur eines waren sie alle nicht: langweilig! Ich kann mich noch sehr gut an meine erste Wanderung allein erinnern. Ziel war die Achtermannshöhe in der Nähe von Braunlage. Oben angekommen stellte ich plötzlich fest, dass ich nicht allein war – hier hatten sich zwei (vermutlich) Wanderer zum Übernachten niedergelassen um wahrscheinlich am Morgen den Sonnenaufgang bewundern zu können. Mit sowas hätte ich allerdings nicht gerechnet…

Was mich ziemlich schockiert hat ist der teilweise sehr starke Borkenkäferbefall. Da trifft man durchaus mal auf Wälder, bei denen eine große Menge an Bäumen einfach komplett befallen und tot ist – kein schöner Anblick!
Wettertechnisch war in den 5 Monaten auch alles dabei. Von extrem warmen Nächten mit mehr als 20 Grad, über Schnee, Regen, dichtem Nebel bis hin zu orkanartigem Sturm zeigte sich der Harz sehr abwechslungsreich. Wenn man dann so bei heftigem Nebel und Sturm um Mitternacht auf dem Brocken steht, fragt man sich schon manchmal, was man da eigentlich macht.

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Der Brocken um Mitternacht in dichtem Nebel

Der Brocken um Mitternacht in dichtem Nebel

Ein bisschen verrückt muss man schon sein für so etwas, aber wiederum vergisst man diese Erlebnisse so schnell nicht mehr.
Auch die Wege waren äußerst unterschiedlich. Breite Fahrwege, die ich tagsüber mit Sicherheit als äußerst „öde“ empfunden hätte, waren Nachts gar nicht so schlecht um entspannt und schnell voranzukommen. Anders hingegen waren die zum Teil äußerst matschigen, rutschigen, steilen und unwegsamen Wege und Pfade, die vermutlich auch bei Tage nicht wirklich angenehmer zu laufen gewesen wären. Man überlegt schon kurz, wenn man ein solches Schild sieht…
20151230-IMG_2615Allerdings hat das Ganze Nachts nochmal einen ganz anderen Charakter, wenn man da so in einem stockdunklen Wald auf einem kaum als solchen zu erkennenden steilen Pfad entlangläuft… Da kommen sofort Erinnerungen an Märchen aus Kindertagen auf – Hensel und Gretel, Rotkäppchen und wer sich nicht noch alles im dunklen Wald verlaufen hat. Aber es ist tatsächlich wie ich festgestellt habe eine reine Kopfsache, wie man mit der Dunkelheit umgeht. Die erste Reaktion von Menschen denen ich von meinem Projekt erzähle ist meist: „Oh Gott, hast du da nicht Angst allein im Dunkeln durch den Wald zu laufen?! Das ist doch gefährlich!“ Und NEIN, ich habe keine Angst, sonst könnte man sowas sicherlich auch nicht machen. Man darf einfach nicht hinter jedem Baum ein wildes Tier vermuten und sich irgendwelche Gruselgeschichten durch den Kopf gehen lassen. Stattdessen genieße ich die Stille (ja, es ist tatsächlich extrem still Nachts im Wald – so gut wie nie raschelt oder knackt mal etwas!) und die frische Luft. Die Dunkelheit hat für mich eher etwas Geheimnisvolles, Reizvolles als etwas Beängstigendes.

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Sicherlich ist eine solche Nachtwanderung auch gefährlich, gerade wenn man allein unterwegs ist, was ich bisher auf 4 Touren war. Man sollte sich auch bewusst darüber sein, dass auf den meisten Wanderwegen kein mobiler Internet- und Handyempfang existiert, was das Hilferufen im Notfall schwierig macht. Ich kann daher jedem nur raten (und das gilt genauso tagsüber), immer jemandem den geplanten Track zu schicken, auf dem man gehen möchte, um im Ernstfall eine Suche zu vereinfachen. Zum Glück ist bei mir bislang noch nichts außer einem kleinen Ausrutscher im Schlamm passiert – und das bleibt auch hoffentlich zukünftig so.

Tierische Begegnungen

Natürlich habe ich auf meinen zahlreichen Touren auch ab und zu Tiere getroffen. Die erste Begegnung war gleich auf dem Weg zum Brocken ein Hirsch – allerdings habe ich diesen (zum Glück) nur aus dem Auto am Straßenrand sehen können. Es gab dann aber auch eine Begegnung, die mich tatsächlich ziemlich erschrocken hat, und zwar beim Abstieg von der Achtermannshöhe durch den Wald. Hier war ich allein unterwegs und hörte plötzlich gefühlte 2 Meter neben mir ein lautes Knacken. Ich konnte nicht sehen was genau war, aber dem Geräusch nach zu urteilen war es wohl ein größeres Reh oder ein Hirsch, der sich ebenso wie ich erschreckt hat und schnell geflüchtet ist – zum Glück ohne mich dabei umzurennen. Die häufigsten Tiere sind generell sicherlich Rehe, deren Augen einen ab und zu aus dem Wald anleuchten. Wenn diese Augen etwas näher über dem Boden sitzen, ist es vermutlich ein Hase – so wie wir einmal ein sehr neugieriges Exemplar erlebt haben, der uns ca. 15 Minuten lang hoppelnd begleitet hat. Der hatte wohl auch noch nicht so viele Nachtwanderer vorbeikommen sehen.

Die sicherlich aus tierischer Sicht aufregendste Nachtwanderung führte uns am 20.9. in einer Gruppe aus vier Leuten durchs Ilsetal. Hier war es etwas feucht, da es tagsüber geregnet hatte. Zuerst stießen wir auf 2 Feuersalamander, einen ausgewachsenen und einen kleinen. Die beiden ließen sich auch bereitwillig von uns fotografieren – was man ja leider bei den meisten anderen Tieren in der Nacht nicht hinbekommt.

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Die nächsten Tiere haben wir dann nur gehört, dies aber äußerst eindrucksvoll. Wir standen gerade auf einer Lichtung und fotografierten, als plötzlich aus dem dunklen Wald (es war Neumond) ein Grunzen kam. Im Geiste sah ich schon eine Horde Wildschweine auf uns zulaufen, aber dann wurde aus dem scheinbaren Grunzen mehr eine Art Muhen, allerdings eines was so richtig ins Mark ging. Irgendwann war uns dann klar, was wir da gerade hörten: die Hirschbrunft! Wir wissen nicht, wie weit die Tiere noch entfernt waren, aber die Geräusche waren sehr eindrucksvoll! In der gleichen Nacht haben wir dann kurz vor der Morgendämmerung noch eine weitere (seltene) Begegnung gehabt. Beim Laufen entlang der Ilse raschelte es plötzlich so 5-10 Meter neben uns in der Böschung. Ein kurzes Leuchten mit der Taschenlampe verriet uns, was da gerade so vor uns flüchtete: ein Luchs! Das war wirklich faszinierend – nachdem wir diese Tiere gerade einen Tag vorher noch bei der Fütterung im Luchsgehege bei Bad Harzburg gesehen hatten – solch ein Tier nun auch mal live zu sehen! Da Menschen für Luchse keine Beutetiere darstellen, kann man sich über solch eine Begegnung auf jeden Fall freuen!

Hinweisschild zum "Blitzer" im Wald

Hinweisschild zum „Blitzer“ im Wald

Interessant war auch eine Entdeckung auf meiner letzten Wanderung – eine Luchszählstation, die Fotos von durchlaufenden Tieren (oder in meinem Fall Menschen) macht. Zum Glück war dieser „Blitzer“ vorher mit einem entsprechenden Schild angekündigt, sonst hätte ich mich glaube ich zu Tode erschrocken wenn es einfach so geblitzt hätte mitten im Wald! Leider gibt es aus Datenschutzgründen keine Möglichkeit, dieses  „Erinnerungsfoto“ zu bekommen – schade!

Im Oktober war bei mir arbeits- und urlaubsbedingt erst einmal Wanderpause angesagt. Danach gab es dann leider keine wirklichen tierischen Begegnungen mehr – außer Ende Dezember mit einem Fuchs. Dieser lief mir allerdings auch nicht im Wald beim Wandern über den Weg, sondern in einer Ortschaft fast vors Auto. Spannend wo Füchse überall herumlaufen.

Nachtfotografie im Harz

So, zum Schluss möchte ich natürlich noch ein bisschen was zu den besonderen Herausforderungen beim Fotografieren in der Nacht sagen – und selbstverständlich ein paar Bilder auf dem Weg zum Harzer Wanderkönig bei Nacht hier zeigen. Zunächst einmal zu den Besonderheiten der Nachtfotografie: Zu aller erst spielt es eine große Rolle, welche Mondphase gerade herrscht. In Nächten um den Vollmond herum kann man wunderschöne Landschaftsfotos aufnehmen, die auf den ersten Blick aussehen wie bei Tageslicht, auf den zweiten Blick verraten dann jedoch die Sterne dass es sich um eine Nachtaufnahme handelt. Das folgende Bild habe ich beispielsweise bei nahezu Vollmond (als einzige Lichtquelle) Nachts um 3 Uhr auf dem Weg zum Brocken aufgenommen:
Nachtaufnahme bei Vollmond am Eckersprung auf dem Weg zum Brocken

Nachtaufnahme bei Vollmond am Eckersprung auf dem Weg zum Brocken

Bei solchen Mondscheinfotos ist es wichtig, den Mond möglichst im Rücken zu haben, um das Licht für die „Ausleuchtung“ der Landschaft zu nutzen. Die restlichen Einstellungen entsprechen den ganz normalen Einstellung für Nachtaufnahmen, also eine relativ hohe ISO-Zahl zw. 800 und 1600 und eine Belichtungszeit zwischen 8 und 12 Sekunden. Voraussetzung ist natürlich ein halbwegs lichtstarkes Objektiv – möglichst weitwinklig um strichförmige Sterne bei längeren Belichtungszeiten zu vermeiden. Ich verwende meist ein 24 mm Objektiv, welches ich bei Blende f/2 verwende. Das bei allen Aufnahmen zwingend ein Stativ erforderlich ist, versteht sich bei den langen Belichtungszeiten denke ich von selbst. Außerdem nutze ich den 2s-Selbstauslöser an der Kamera, um beim Auslösen nicht zu wackeln. Einen Fernauslöser braucht es in der Regel aus meiner Sicht nicht für normale Einzelaufnahmen.

Natürlich kann man auch echte „Mondfotos“ machen, das heißt den Mond als Motiv mit aufs Bild nehmen. Ähnlich wie bei der Fotografie am Tag ist es allerdings fast nicht möglich, den Mond (in einer Aufnahme) zusammen mit der Landschaft aufs Bild zu bringen, ohne dass dieser völlig überbelichtet ist. Solche Bilder unterscheiden sich dann kaum noch von denen, die tagsüber direkt in die Sonne fotografiert wurden. Spannender ist es dann schon, wenn sich vor oder um den Mond ein paar Wolken schieben und ihn etwas abdunkeln, das gibt häufig nette Halo-Effekte wie auf dem folgenden Bild, welches ich vom Wurmberg aus kurz vor der Morgendämmerung aufgenommen habe:

Mond-Halo vom Wurmberg aus fotografiert

Mond-Halo vom Wurmberg aus fotografiert

 Auf Grund dieses Effektes, bei (Voll-)Mondlicht Aufnahmen machen zu können, die auf den ersten Blick wie normale Tagfotos aussehen, mag ich diese Zeit des Monats sehr gern. So sieht man zumindest auf den Fotos, wie es auf der Wanderung ausgesehen hat – wenn schon nicht mit eigenen Augen. Eine ebenso reizvolle Zeit ist jedoch auch die rund um den Neumond. Auch schon ohne zu fotografieren ist es für mich immer wieder überwältigend, an einem relativ dunklen Ort in einen klaren Sternenhimmel zu blicken und dort tausende von Sternen und die Milchstraße deutlich sehen zu können! Und das kann man natürlich auch wunderbar fotografieren:

Ein letztes Motiv, was man wunderbar mit einer Nachtwanderung verbinden kann sind Sonnenauf- oder -untergänge. Bisher habe ich lediglich Sonnenaufgänge bei meinen Wanderungen erlebt, aber die waren dafür zum Teil wunderschön! Das spannende an Sonnenauf- oder -untergängen ist, dass man diese nie so wirklich voraussagen kann und dass sie auch jedes Mal anders aussehen. So entstehen einmalige Bilder, die einem beim Betrachten gleich wieder in die Gefühlslage versetzen,
als man dort oben auf dem Berg gestanden und gefroren hat – zumindest geht es mir so. Einen der schönsten Sonnenaufgänge  in dieser Zeit mit Nebel im Tal hatten wir auf der Leistenklippe mit Blick auf Wernigerode:
Sonnenaufgang über Wernigerode von der Leistenklippe aus fotografiert

Sonnenaufgang über Wernigerode von der Leistenklippe aus fotografiert

Keine Spezialität bei Nacht, aber natürlich auch hier sehr gut nutzbar, sind Panoramaaufnahmen. Da es meist um Landschaftspanoramen geht, braucht es hierfür in der Regel keine speziellen Nodalpunkt-Adapter, es sei denn, man möchte mehrzeilige Panoramen aufnehmen. Das folgende Bild zeigt solch ein Beispiel, welches als zweireihiges Panorama mit jeweils 8 Bildern in einer Reihe am Wurmberg aufgenommen wurde:

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Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, was es alles in der Nacht zu fotografieren gibt und wie Du vieles davon bereits mit Deinem bestehenden Equipment aufnehmen kannst, schau Dir mal mein Buch zum Thema „Astrofotografie mit einfachen Mitteln“ an!

Die schönsten Bilder der Nachtwanderungen

Zum Schluss möchte ich Dir noch eine Bildauswahl aus knapp 6 Monaten Nachtwanderungen im Harz zeigen – vielleicht inspirieren sie dich ja, es auch einmal selbst zu versuchen! Klicke einfach auf eines der Bilder, um es in voller Größe zu sehen und blätter Dich durch dieses kleine Album.

Mein Fazit

Zwischendurch hätte ich nicht gedacht, dass das mit dem Wanderkönig noch in 2015 etwas wird. Aber ein Endspurt mit 4 Wanderungen und 17 Stempeln in der letzten Woche des Jahres hat dann doch dazu geführt, dass ich am 31.12.2015 um 1:15 Uhr meinen 50. Stempel einsammeln konnte und schließlich am Neujahrstag die Nadel für den Harzer Wanderkönig in Empfang nehmen konnte!
Die bisherigen Erfolge - die Harzer Wandernadel in Bronze, Silber und Gold sowie der Harzer Wanderkönig

Die bisherigen Erfolge – die Harzer Wandernadel in Bronze, Silber und Gold sowie der Harzer Wanderkönig

Neben ein bisschen Stolz hat mich nun auch der Ehrgeiz gepackt weiterzumachen – über den Harzer Steiger (111 Stempel) bis zum Harzer Wanderkaiser (222 Stempel)! Wegen meines Buchprojektes (siehe Blogeintrag dazu) musste ich dieses „Projekt“ zwar in 2016 erst einmal aussetzen, aber ich werde sicher weitermachen, sobald es die Zeit erlaubt. Rom wurde ja schließlich auch nicht an einem Tag erbaut.

Auf jeden Fall an dieser Stelle ein dickes Dankeschön an alle bisherigen „Mitwanderer“ – ich weiß man muss eine gewisse Portion „Beklopptheit“ mitbringen um so etwas zu machen, aber Spaß hat’s ja bisher allen gemacht – daher scheint doch etwas dran zu sein… Ich kann es also nur wärmstens empfehlen, sich mal Nachts in den Harz zu begeben und die Faszination Nachtwanderung selbst zu erleben!

10 Kommentare
  1. Klaus Seifert says:

    Hallo Katja,
    dass ist ein wunderschöner Blog. Ich kann Dich nur ermuntern, so weiter zu machen. Das gefällt mir alles sehr gut. Du kannst stolz auf diese Leistung sein.

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  2. Markus Töhne says:

    Ein sehr schöner und intensiver Bericht, Katja.
    Die außergewöhnlichen Momente zu jeder Jahreszeit, und nicht nur bei Dunkelheit, sind im Harz einfach einmalig. Die Welt um Dich herum gehört in diesem Moment Dir. Es sind Erinnerungen, die Dich mit diesem schönen Ort verbinden und an den Du immer wieder zurückdenkst. Ich war von Anfang an dabei und habe mehrfach zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten diese Orte besucht; es ist einfach wundervoll…
    …und Du bekommst bestimmt die Erlaubnis, die Stempelstellen auf Deinem Besen bei Nacht zu besuchen, sobald Du den 222. Stempel in Dein Heft gesetzt hast. 😉

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  3. Elmar Petschke says:

    Hi bin ja auch zu verrückten Zeiten unterwegs, nur tief in der Nacht hab ich mich noch nicht getraut.
    Bin gespannt was für Aufnahmen noch entstehen. Viel Erfolg weiterhin

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