Reisemontierungen – Meine Erfahrungen mit dem iOptron SkyTracker

Sobald Du Astrofotos mit ein wenig mehr Brennweite aufnehmen möchtest, reduziert sich die mögliche Belichtungszeit, bei der die Sterne noch nicht strichförmig sind, dramatisch. Und auch wenn Du durch Stacken mehrerer Bilder auch aus weniger lang belichteten Aufnahmen noch etwas herausholen kannst – so richtig Spaß macht es erst, wenn Du die Aufnahmen nachführst. Eine Reisemontierung stellt dabei einen idealen Einstieg dar und ist zudem portabel und vielseitig einsetzbar…

Nordamerikanebel

Diese nachgeführte Einzelaufnahme des Nordamerikanebels habe ich bei 200 mm 80 s belichtet. Zufällig habe ich dabei auch einen Meteor erwischt.

Meine erste Reisemontierung

Als ich 2014 mit der Astrofotografie begonnen habe, gehörte eine Reisemontierung zu meinen ersten Anschaffungen. Lang habe ich damals recherchiert und überlegt, welcher Tracker zur Astrofotografie nun für mich der Beste sein mag… und mich schließlich für den iOptron SkyTracker (Version 2) entschieden. Eine ganze Weile hatte ich auch mit der Vixen Polarie geliebäugelt, aber folgende Vorteile des iOptron SkyTrackers gegenüber der Polarie haben mich schließlich überzeugt (Anmerkung: die Polarie habe ich nicht testen können):

  • Der SkyTracker kann direkt auf dem Stativ montiert werden, so dass lediglich ein Kugelkopf zur Montage der Kamera auf dem SkyTracker benötigt wird, jedoch keiner zur Montage des SkyTrackers auf dem Stativ. Die direkte Montierung ist dadurch möglich, dass der SkyTracker bereits eine Polhöhenverstellung sowie die Azimutverstellung (nur in Version 2) integriert hat. Darüber lässt sich die Ausrichtung auch wesentlich präziser und besser gestalten als über einen Kugelkopf.
  • Der Polsucher ist bereits im Lieferumfang enthalten. Dieser hat gegenüber anderen Geräten aus meiner Sicht gleich mehrere Vorteile: 1) Er kann parallel zur Kamera am SkyTracker montiert bleiben – und bei den meisten Kamerapositionen sogar noch weiter zum Check der Ausrichtung genutzt werden. 2) Er ist beleuchtet – über eine kleine rote LED die aus dem Gehäuse in den Polsucher hineinleuchtet – und somit sehr gut ablesbar.
  • Die Batterien sollen zw. 10 und 24 Stunden durchhalten (noch nicht selbst getestet), je nach Außentemperatur. Außerdem kann er über einen DC-Anschluss an einem Akkupack betrieben werden.
  • Der Preis ist mit ca. 350 Euro noch vertretbar.
Der hier beschriebene iOptron SkyTracker ist in dieser Version mittlerweile nicht mehr erhältlich. Es gibt jedoch ein Nachfolgemodell, den „SkyTracker Pro„. Diesen konnte ich bisher leider noch nicht testen, werde aber hier im Blog darüber berichten, sobald sich die Gelegenheit dazu ergibt. Der Artikel sollte aber auch unabhängig vom konkreten Modell für all diejenigen interessant sein, die mit der einfachen Astrofotografie mit normaler Kamera und Teleobjektiv beginnen möchten!

Beim Auspacken des guten Stücks war ich dann erst einmal etwas erschrocken. Ich hatte vorher schon einmal eine Vixen Polarie in der Hand und war daher zunächst erschrocken über das Gewicht (1,2 kg) und die Größe des SkyTrackers. Der Gewichtsvorteil der Polarie hebt sich allerdings fast wieder auf, da man bei dieser ja einen zusätzlichen Kugelkopf benötigt. Insgesamt lässt sich der SkyTracker aber dennoch sehr gut auf Reisen mitnehmen – auch die beiliegende Tasche bietet für das Gerät und den Polsucher ausreichend Schutz.

Sehr angenehm fand ich den Zusammenbau/Aufbau des SkyTrackers. Es muss lediglich einmalig der Polsucher fokussiert werden, dieser ins Gehäuse eingeschraubt werden und das Ganze auf das Stativ aufgesetzt werden. Obendrauf wird dann noch der Kugelkopf geschraubt – fertig. Ich nutze dafür mein normales Stativ und den dazugehörigen Kugelkopf. Das Ganze sieht dann so in etwa aus:

Exakte Einnordung

Polar Scope AppJetzt hieß es nur noch auf eine klare dunkle Nacht warten… und das hat leider ein paar Wochen gedauert. Als es dann irgendwann soweit war, ging es ans Ausrichten des SkyTrackers mit Hilfe des Polsuchers. Dieser ist (wie andere Konkurrenzprodukte meist auch) erst einmal gewöhnungsbedürftig, da er spiegelverkehrt darstellt. Ich konnte bislang erst die Ausrichtung auf der Nordhalbkugel mit Hilfe des Polarsterns ausprobieren, aber das hat mit ein bisschen Übung wirklich gut funktioniert. Sehr hilfreich ist dabei die rote LED, die beim Einschalten des SkyTrackers von unten in den Polsucher leuchtet. Dadurch erkennt man die „Zielscheibe“ sehr gut und kann anhand der zugehörigen App (für iOS und in ähnlicher Form auch für Android erhältlich) die genaue Position des Polarsterns für den eigenen Standort zur aktuellen Uhrzeit bestimmen. Das kleine grüne Kreuz zeigt dabei genau an, wo sich Polaris im Sucher befinden muss. Die Feineinstellung der Höhe kann dann sehr präzise über eine Drehschraube vorgenommen werden. Mit ein wenig Übung dauert die Einnordung vermutlich unter fünf Minuten.

Den kompletten Prozess des Aufbaus und Einnordens einer Montierung am Beispiel des iOptron SkyTrackers findest Du übrigens auch detailliert in meinem Buch beschrieben.

Ausrichtung der Kamera auf Himmelsobjekte

Anschließend wird die Kamera auf den SkyTracker bzw. den aufgesetzten Kugelkopf gesetzt und auf das Objekt der Wahl am Himmel ausgerichtet. Hierbei ist es nach meiner Erfahrung (zumindest für Neulinge) nicht ganz so einfach, bestimmte Objekte am Himmel zu finden. Objekte wie die Andromedagalaxie, die man in Stadtnähe kaum mit dem bloßen Auge erkennt, lassen sich auch im Sucher nicht so ohne Weiteres finden. Hinzu kommt noch die meist sehr steile Ausrichtung der Kamera. Auch ein mögliches Klappdisplay an der Kamera half in meinem Fall wenig, da über den Live View wesentlich weniger Details zu erkennen waren als durch den optischen Sucher. Daher bleibt häufig nichts Anderes übrig, als auf die Knie zu gehen und sich hinter/unter den Sucher zu klemmen. Je nach Ausrichtung der Kamera kann es dabei erforderlich sein, den Polsucher zu entfernen. Wenn es irgendwie geht versuche ich ihn aber montiert zu lassen, da somit von Zeit zu Zeit ein einfacher Check der Ausrichtung sowie eine eventuelle Nachjustierung möglich ist.

Scharfstellen des Objektivs

Was dann folgt ist die manuelle Fokussierung der Kamera bzw. des Objektivs. Bei all meinen Objektiven (inkl. der manuellen Objektive ohne AF) ist es leider nicht möglich, ein Scharfstellen auf Unendlich einfach durch Drehen des Fokusrings bis zum Anschlag zu erreichen. Allerdings geht es sehr gut über den Live-View der Kamera: einfach (im MF-Modus) einen Stern im Bildschirm anvisieren, auf 10x Vergrößerung stellen und den Fokusring des Objektivs vorsichtig drehen bis die Sterne maximal klein und scharf dargestellt werden. Hierbei habe ich dann wirklich das Klappdisplay meiner Kamera lieben gelernt! Somit muss ich zumindestens zum Scharfstellen nicht in der Wiese liegen…

iOptron SkyTracker

Der SkyTracker mit montierter Kamera, die steil in Zenitnähe ausgerichtet ist.

Da der SkyTracker durch das Anschalten während der Polausrichtung sowieso schon läuft, kann es danach eigentlich schon losgehen. Sofern möglich sollte aber sicherheitshalber noch einmal überprüft werden, ob die Ausrichtung noch stimmt und ggf. noch einmal feinjustiert werden. Danach noch die passenden Einstellungen an der Kamera vornehmen und das Ganze ist bereit für eine erste Probeaufnahme. Ich arbeite dabei prinzipiell mit einem Fernauslöser mit Timerfunktion, um einerseits Erschütterungen beim Auslösen zu vermeiden und andererseits eine kontinuierliche Aufnahme vieler Bilder zu ermöglichen.

Die ersten Testaufnahmen

Von den ersten Testaufnahmen war ich dann auch wirklich beeindruckt. Ich habe es zunächst mit dem Canon EF 70-200mm f/4L Objektiv versucht und sowohl mit 100 mm als auch mit 200 mm schöne kreisförmige Sterne bei 30-45 Sekunden Belichtungszeit hinbekommen. Jetzt hatte ich an vielen Stellen gelesen, dass der SkyTracker laut Empfehlung nur bis max. 2 kg belastet werden sollte und auch nur bis 200 mm Brennweite gute Ergebnisse erzielt werden können. Was soll’s dachte ich mir, versuchen kann man es ja mal. Daher habe ich mal zum vorsichtigen Testen das 300 mm f/4L zusammen mit der 70D draufgepackt und es ebenfalls mit 30-40 Sekunden probiert. Vorher habe ich noch einmal exakt eingenordet und was soll ich sagen – auch hier wunderbar kreisförmige Sterne! Ich war begeistert. Dann war mein Ehrgeiz gepackt und ich wagte mich gleich mal an einen Klassiker am Sternenhimmel: den Orionnebel…

Hier ein kleiner Vergleich eines Einzelbildes zum fertig gestackten Endergebnis. Wirklich verblüffend wie ich finde – auch wenn echte Astrofotografen über die Ergebnisse vermutlich nur schmunzeln können. Aber wenn man bedenkt, dass ich die Aufnahmen im Garten am lichtverschmutzten Vorstadthimmel gemacht habe und wir bereits wieder zunehmenden Mond hatten – es also ziemlich hell am Himmel war… und ich außer dem SkyTracker kein spezielles Astro-Equipment genutzt habe… und es sich noch dazu um meinen allerersten Versuch handelte… Aber urteile am besten selbst…

Orionnebel

Canon 70D mit EF 300mm f/4L USM, Blende 4, 35s, ISO 800 (Einzelaufnahme)

Das gestackte und bearbeitete Ergebnisbild – nachgeführt mit dem iOptron SkyTracker, Stacking aus 94 Einzelbildern (Gesamtbelichtungszeit: ca. 55 Minuten)

Mein Fazit nach mehr als zwei Jahren

Nach diesen ersten Testaufnahmen war mein Ehrgeiz definitiv geweckt und ich habe fleißig weiter mit dem SkyTracker fotografiert. Und obwohl es sicher andere sehr gute (oder sicher auch bessere) Alternativen gibt, arbeite ich auch heute – mehr als zwei Jahre später – noch immer mit dem SkyTracker. Er arbeitet einfach extrem zuverlässig, so dass ich kaum Ausschuss in den Aufnahmeserien habe. Meine Lieblingskombination ist mittlerweile meine astromodifizierte Crop-Kamera (Canon 700Da) mit dem 200 mm f/2.8 Objektiv. Damit kann ich in der Regel zwei Minuten lang belichten, was bereits eine enorme Detailtiefe in den Einzelbildern ermöglicht.

Deep Sky Fotografie

Andromedagalaxie – Stacking aus 29 Einzelbildern, Gesamtbelichtungszeit: 58 Minuten, Einzelbild mit 200 mm, f/3,5, 120 s bei ISO 1600 aufgenommen

So habe ich im letzten Sommer diese Aufnahme der Andromedagalaxie mit dieser Kamera-Objektiv-Kombination auf dem SkyTracker aufgenommen. Meine genaue Vorgehensweise bei der Planung, Aufnahme und Bearbeitung dieses Bildes sowie die Quellbilder zum Download findest Du übrigens in meinem Buch.

Weitere Bildbeispiele findest Du ebenfalls im Buch sowie hier auf der Seite in meinem Deep Sky Portfolio. Ich nutze den SkyTracker jedoch nicht nur für Deep Sky Aufnahmen. Auch zur Aufnahme von Astro-Landschaftsaufnahmen (z.B. mit der Milchstraße), Kometen oder dem Überflug der ISS ist er gut geeignet.

Das Einzige, was mich am SkyTracker stört, ist die Schraube für die Azimuteinstellung. Diese löst sich doch recht leicht beim Ausrichten der Kamera auf dem SkyTracker, wenn man nicht aufpasst. Aber es gibt ja bereits eine Nachfolgerversion des SkyTrackers – den „iOtron SkyTracker Pro“ – bei dem die Polhöhenwiege sehr viel stabiler aussieht. Dieser wird sicher auch bald den Weg in meine Fototasche finden.

7 Kommentare
  1. Herwig Niggemann says:

    Klasse beschrieben. Das macht Mut. Bin gerade dabei, mit dem Skytracker in Brandenburg (Bad Saarow) den Himmel zu erkunden. Derzeit habe ich noch größere Probleme, den Nordstern im Polfinder auszumachen. Offenbar muss es dazu richtig dunkel sein. Aber erste Versuche liefen schon ganz gut. Werde jetzt gleich mal das Buch bestellen.

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    • Katja Seidel says:

      Vielen Dank Herwig!! Ja, ich hatte da am Anfang auch so meine Probleme… Vor allem, da das Bild im Sucherbild spiegelverkehrt ist. Was ganz gut funktioniert ist, wenn man den Polarstern erstmal ohne eingesetzten Polsucher etwa mittig im Loch für den Polsucher platziert. Dann ist er i.d.R. auch eindeutig zu erkennen, wenn der Sucher eingesetzt ist.
      Viel Erfolg und clear skies auf jeden Fall weiterhin!!

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  2. Herwig Niggemann says:

    Danke für den Tipp.
    Das Buch ist bereits da: habe beide bestellt, Hardcover-Paper und ebook. Lese das E-Book. Freue mich aber auch auf das Paper.
    ist Klasse geschrieben. Angenehmer Schreibstil, nicht so lehrmeisterlich. Und viel Wissen, Kompliment.

    Vielleicht kann man ja noch mal das Thema 360° Panoramen angehen.
    https://roundme.com/tour/94158/view/239918/ als Beispiel. (mit Fisheye 8-15mm auf Panoramakopf 4 Aufnahmen bei 12mm Portrait zum Kugelpanoram erstellt) Ich werde auf Grund der Tipps im Buch nun das mal mit Skytracker + Stacking versuchen. Warte nur auf das richtige Wetter.

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    • Katja Seidel says:

      Du Glücklicher, ich bekomme meine Exemplare wie es aussieht heute erst 😉
      Vielen Dank auf jeden Fall für das Kompliment! Ich habe es versucht so zu schreiben, wie ich es mir bei meinen Anfängen in der Nacht- und Astrofotografie gewünscht hätte.

      360° Panoramen in der Nacht stehen bei mir definitiv noch auf dem Plan! Schöne Idee mit den Info-Buttons in deinem Pano!
      Dann wünsche ich dir mal viel Erfolg beim Tracken und Stacken, und natürlich passendes Wetter dazu. Berichte gern mal, ob die Tipps geholfen haben! Zum „Üben“ der Bearbeitung kannst du dir ja schon immer mal die Quellbilder der Andromedagalaxie (aus dem Buchprojekt) auf der Rheinwerk-Seite herunterladen…

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  3. Patrick Engel says:

    Hallo Katja,
    ich habe eine eher technische Frage zu dem SkyTracker. In der Produktbeschreibung steht, dass dieses Gerät bis maximal 3 Kg belastet werden darf. Ich befürchte aber, dass dieses Gewicht mit einer guten DLS(R) und einem vernünftigen Glas doch sehr schnell überschritten wird 🙁
    Wir sind denn deine Erfahrungen was das Arbeiten des Trackers in Bezug auf das Gewicht angeht? Vielen lieben Dank schon mal vorab
    Gruss Patrick

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    • Katja Seidel says:

      Hallo Patrick,
      Ich habe den SkyTracker bisher maximal mit ca. 2,5 kg belastet. Dies war die abgebildete Crop-Kamera, die 300 mm Festbrennweite und ein Kugelkopf. Dies konnte ich noch 30-45 Sekunden nachführen. Optimaler finde ich aber wie gesagt eine etwas geringere Brennweite (200mm), da ich hier 2 min. nachführen kann. Solltest du mehr Gewicht benötigen, dann wäre wahrscheinlich eher der SkyWatcher Star Adventurer das Richtige für dich…
      Viele Grüße,
      Katja

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