, , ,

Fotostory: Die Milchstraße über dem Sternenpark Westhavelland

Der Sternenpark Westhavelland – nach einem wunderbaren Sommerurlaub 2016 und mittlerweile vier Astrofoto-Workshops ist dieses dunkle Fleckchen Erde in Brandenburg schon fast wie ein zweites Zuhause für mich. Bei meinem letzten Besuch Anfang April spielte dann auch endlich mal wieder das Wetter mit, so dass alle Workshop-Teilnehmer in den Genuss des fantastischen Sternenhimmels kamen. Wie wunderschön sich dabei die Milchstraße über dem kleinen Örtchen Lochow präsentierte, zeige ich Dir in diesem Blogbeitrag.

Am Workshop-Wochenende (7./8. April) ging der Mond leider noch zu früh auf, um die Milchstraße vor der Morgendämmerung in ihrer vollen Pracht sehen zu können. Das Wetter bot trotzdem ideale „Übungsbedingungen“ für alle Teilnehmer! Das gleißend helle Licht rechts im Bild stammt übrigens von einem Versuchsfeld zur Erforschung der Auswirkungen der Lichtverschmutzung.

Es ist Sonntag, der 8. April gegen 18 Uhr. Ein weiterer Workshop mit vielen extrem motivierten Teilnehmern ist gerade zu Ende gegangen, und fast alle treten mit leichtem Schlafdefizit aber voller wunderbarer Impressionen den Heimweg an. Ich bleibe noch – möchte noch eine weitere Nacht den Sternenhimmel genießen und mich am Milchstraßenbogen über dem Westhavelland versuchen. Die Wetterbedingungen sind ideal – die Vorhersage prophezeit eine weitere sternenklare Nacht, und auch die Nacht-Temperaturen liegen in angenehmen Bereichen von ca. 8°C. Wenn nur die Müdigkeit des vorangegangenen Wochenendes nicht wäre… Die Ruhestunden zwischen dem Workshop-Beginn am Freitagabend und dem Ende am Sonntagabend kann ich fast schon an einer Hand abzählen. Aber bei einem solch idealen (und leider seltenen) Astrowetter kann man einfach nicht vernünftig sein, das kennst Du sicher auch.

Der Plan für die Nacht auf Montag war also schnell gefasst: Dabei sein würden meine Mama, die ebenfalls das Wochenende in Lochow verbracht hatte, und Alex, ein Teilnehmer meines ersten Workshops, der mich seitdem tatkräftig unterstützt und ebenfalls spontan noch eine Nacht angehängt hatte. Ein frühes Zu-Bett-Gehen sollte für ausreichend Schlaf sorgen, so dass wir uns gegen 2:30 Uhr auf den Weg zu einem Fotospot machen konnten, den wir am Abend ausgekundschaftet hatten. Mangels Berge oder anderer spannender Vordergrundmotive sollten einzelne Bäume für die nötige Abwechslung im Bild sorgen. Die genaue Position der Milchstraße in der Nacht konnten wir dabei direkt vor Ort mit der Augmented Reality Funktion von Photopills ermitteln.

Dieses Bild entstand während meiner „Wartezeit“ und zeigt Alex bei der Panoramaaufnahme im Nebel.

Schon auf dem Weg dahin merkten wir allerdings, wie es um uns herum immer nebliger wurde – leider ein häufiges Phänomen auf den Wiesen hinter Lochow. Zum Glück waren wir beim Fotografieren nicht komplett vom Nebel umhüllt, sondern konnten die Milchstraße noch halbwegs gut am Himmel erkennen. Leider kam dabei noch ein weiterer Nachteil des Standorts zum Tragen, dessen wir uns aber vorher schon bewusst waren: Berlin! Da das Zentrum der Hauptstadt nicht einmal 70 km Luftlinie vom Westhavelland entfernt ist, verschluckte die Lichtglocke in Richtung Südosten einen Großteil der Milchstraßen-Strukturen über dem Horizont. Dies solltest Du wissen, wenn Du vorhast, zur Milchstraßenfotografie in den Sternenpark zu fahren. Im Sommer sieht das Ganze aber dann schon wieder anders aus, da das Zentrum der Milchstraße dann in Richtung Süden / Südwesten steht, und somit nur noch das nahegelegene Rathenow ein wenig stört. An dieser Stelle kann ich Dir nur den Hinweis geben, deine Aufnahmen vorher in einer Planungsapp wie z.B. TPE zu planen – und insbesondere auf große Städte in Richtung des Milchstraßenzentrums zu achten.

Als zweizeiliges Panorama aus insgesamt 20 Bildern entstand dieses Bild der Milchstraße. Die Einzelbilder wurden (wie alle Nachtaufnahmen in diesem Beitrag) mit einer astromodifizierten Canon 6D, einem 24 mm Walimex bei f/2, ISO 3200 und 10 s aufgenommen.

Trotz Lichtverschmutzung über Berlin haben wir aber natürlich fleißig fotografiert, um unsere wunderbare Heimatgalaxie mit dem gerade aufgehenden galaktischen Zentrum möglichst beeindruckend abzulichten. Da die Milchstraße im Frühjahr einen schönen, vergleichsweise flachen Bogen über dem Horizont bildet, bedarf es zur Abbildung des gesamten sichtbaren Teils natürlich eines Panoramas. Hierbei stellten wir fest, dass Panoramafotografie mit Bildwinkeln von mehr als 180 Grad keine wirklich geeignete „Gruppenarbeit“ darstellt, da man sich dabei irgendwann immer gegenseitig im Weg steht. Da wir aber nur zu zweit fotografiert haben, konnten wir dies trotz der knappen Zeit (bald würde schon der Mond aufgehen) noch gut nacheinander erledigen. Die Panoramaköpfe (Nodalpunktadapter) taten dabei ihr Übriges, um die Aufnahmen zügig im Kasten zu haben. In der „Wartezeit“ befasste ich mich dann mal etwas näher mit dem Baum als Motiv unter der Milchstraße – auch schön!

Als „Nebenprodukt“ meiner Wartezeit finde ich diesen einsamen Baum unter der Milchstraße gar nicht so schlecht…

Etwa 45 Minuten vor Mondaufgang brachen wir dann noch spontan zu einem zweiten Fotospot – dem nahegelegenen Lochower See – auf. Dieser ist umgeben von Wald, weshalb die Wasseroberfläche meist sehr ruhig ist. 2016 hatte ich hier schonmal über zwei Stunden einen perfekt gespiegelten Startrail aufgenommen – mehr dazu findest du im damaligen Blogbeitrag. Und so war es auch in dieser Nacht die Idee, die Komposition aus Milchstraßenbogen mit Spiegelung der Sterne im Wasser von einem leicht wackeligen Anglersteg am Westufer aus abzulichten. Auch dieser Standort stellte sich als nicht-gruppentauglich heraus, da der Steg bei jeder kleinen Bewegung schwankte und so die Langzeitbelichtung zerstören konnte. Aber wie gesagt – zu zweit kann man sich da noch gut arrangieren. Und so entstand auch hier nochmal ein schönes Bild der Milchstraße, bevor der Mond in Richtung Berlin aufging.

Auch in dieser Nacht gab es eine (fast) perfekte Spiegelung der Sterne im Lochower See. Um sowohl die Wasseroberfläche als auch die Milchstraße aufs Bild zu bekommen, musste ich bei meinen 24 mm Brennweite auch hier zweizeilig arbeiten.

Aber die Bilder waren ja auch im Kasten und warteten auf ihre Bearbeitung. Und neugierig wie ich bin, habe ich mich auch gleich an das Zusammensetzen der Panoramen gesetzt, bevor ich mich nochmal für ein paar Stunden aufs Ohr hauen würde. Zufrieden mit den Ergebnissen wollte ich gerade schlafen gehen, da sah ich einen wunderschönen Sonnenaufgang über den nebeligen Feldern hinter Lochow. Nun bin ich zwar kein Fan von Sonnenaufgangs- oder -untergangsfotos, aber wenn er sich quasi schon aufzwingt und auch die Kamera noch bereitlag, warum nicht. Und ich muss sagen, die Lichtstimmung und Farben an diesem Morgen – kurz nach dem Start der zivilen Dämmerung – gefielen mir wirklich ausgesprochen gut! Ein schöner Abschluss der Nacht!

Der Morgen danach brachte wundervolle Farben „ans Licht“. Da lohnt es sich, noch etwas länger wach zu bleiben nach der Milchstraßenfotografie.

Um auch das Wochenende im Havelland erholsam abzuschließen, sollte es am Montag nach dem Ausschlafen dann noch mit meiner Mama zu einer kleinen Paddeltour auf den Ferchesarer / Hohennauener See gehen. Von Semlin aus genossen wir die Sonne bei 23 Grad in unseren aufblasbaren Kajaks, die wirklich erstaunlich gut im Wasser liegen. Ein schönes Hobby, um sich nach einer langen Fotonacht zu regenerieren. Aber das nur am Rande…

Aufblasbare Kajaks liegen nicht nur erstaunlich gut in Wasser, sondern eignen sich auch mal für ein kleines Mittagsschläfchen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass es zu den beiden Workshops im März und April mal wieder sehr schön war im Westhavelland – und ich gern im September und Oktober für die nächsten zwei Workshops wiederkomme! Vielen Dank an dieser Stelle an alle Teilnehmer für das Durchhaltevermögen und das große Interesse an der Astrofotografie, an Alex für die unbezahlbare Unterstützung und eine geniale Fotonacht, und natürlich an Detlef und Liane Zemlin von der Ferienhausvermietung, die uns an den Workshop-Wochenenden perfekt mit allem versorgt haben!!

 

Warst Du auch schon einmal im Sternenpark Westhavelland? Welche Erfahrungen hast Du gemacht? Ich freue mich wie immer über einen Kommentar von Dir!

9 Kommentare
  1. Alex says:

    Faul auf dem See rumliegen? Das hätte ich nach dem Workshop und der darauf folgenden Foto-Nacht auch gebrauchen können. Es war ein tolles Wochenende und ich habe auch bei der vierten Teilnahme wieder Neues dazugelernt. Danke für die schöne Zeit! Ich freue mich auf die nächste Runde 😉
    LG, Alex

    Antworten
    • Katja Seidel says:

      Hi Alex,
      ja, das tat wirklich gut so in der Sonne auf dem See zu schippern! Freu mich auch schon auf die nächste Runde – denn auch ich lerne ja immer wieder etwas dazu 🙂
      LG, Katja

      Antworten
  2. Albert says:

    Ja, da habt ihr wirklich nochmal irrsinniges Glück gehabt und seid anständig belohnt worden mit wunderschönen Bildern. Die zweireihigen Panos sind alle im Hochformat aufgenommen?
    Freue mich schon die gewonnenen Erkenntnisse im Mai in meinem nächsten Urlaub umzusetzen. 😊

    Antworten
    • Katja Seidel says:

      Hallo Albert,
      ja, da hast du vollkommen Recht – irgendwann muss man ja auch mal Glück haben mit dem Wetter! Und ja, Panorama-Aufnahmen nehme ich i.d.R. immer im Hochformat auf.
      Viel Spaß im Urlaub und natürlich viel Erfolg beim Fotografieren!!
      LG, Katja

      Antworten
  3. Holger Freese says:

    Liebe Katja,

    Sternenparks sind ja -wie ich gerade erst gelernt habe- zertifizierte Locations mit reduzierter Lichtemission. Seit einigen Monaten gibt es jetzt den vierten in Deutschland (und den ersten in den Alpen): Die Winklmoosalm bei Reith im Winkel. Die Zertifizierung wurde initiiert von dem sehr rührigen Astrophysiker Manuel Philipp, der dort oben auch regelmäßig Sternenführungen macht (s. http://www.abenteuer-sterne.de).
    Die entstandenen Fotos der Milchstraße haben deutlich höhere Qualität, als bei unserem „normaldunklen Himmel“ des Alpevorlades.

    Herzliche Grüeß aus Oberbayern, Holger

    Antworten
    • Katja Seidel says:

      Hallo Holger,
      Ja, Sternenparks sind schon immer toll. Aber man muss etwas aufpassen was die Erwartungshaltung angeht. Nicht immer bedeutet ein dunkler Himmel über einem Standort auch gute Bedingungen für die Milchstraßenfotografie. Da ist die Winklmoosalm sicherlich sehr viel besser geeignet als das Westhavelland. Steht bei mir auf jeden Fall auch auf dem Plan im nächsten Jahr!
      LG, Katja

      Antworten
  4. Christian_MS says:

    Hi Katja, eine Frage: Kann man die Struktur des Milchstraßenzentrums dort in den Sternenparks auch mit bloßem Auge erkennen oder sieht es nur auf den Fotos so schön aus?

    Antworten
    • Katja Seidel says:

      Hi Christian,
      nein, so schön wie auf den Fotos kann man das Milchstraßenzentrum leider nirgends sehen – die Kamera „sieht“ Nachts einfach mehr als das menschliche Auge. Im Sternenpark Westhavelland kommt hinzu, dass der Horizont in vielen Richtungen recht stark aufgehellt ist, z.B. durch Berlin. Da sieht man mit bloßem Auge leider nicht mehr wirklich viel. Aber das Band der Milchstraße, z.B. jetzt im Spätsommer im Zenit, sieht man wunderbar dort!
      LG, Katja

      Antworten
      • Christian_MS says:

        Ok, danke für die (ernüchternde) Antwort.
        Etwas besser geht es eventuell im Süden (Milchstraßenzentrum steht höher) und auf den Bergen, zB. im neuen Sternenpark Winklmoosalm.

        Antworten

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.