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Leuchtende Nachtwolken – die Zweite!

Nach meinem wunderbaren NLC-Erlebnis im letzten Jahr standen die Leuchtenden Nachtwolken in diesem Sommer wieder ganz oben auf meiner Motivliste. Da der Zeitraum ihrer möglichen Sichtbarkeit weitestgehend auf die Monate Juni und Juli begrenzt ist, blieben in Anbetracht des Wetters und des Jobs nicht allzu viele Möglichkeiten. Dass dies nach einer gewissen Anzahl Misserfolgen ganz schön zermürben kann, merkte ich leider schnell. In der Nacht vom 2. auf den 3. Juli wurde ich jedoch endlich erlöst…

Ohne Fleiss keinen Preis

In diesem Jahr war es wirklich wie verhext: Entweder war ich am falschen Ort – oder das schlechte Wetter, wie mans nimmt – oder aber es wollten einfach keine NLC’s auftauchen. So versuchte ich es geschätzte 10 Nächte ohne Erfolg, von denen eine besonders ärgerlich war, da ich die erste nennenswerte NLC-Sichtung in diesem Jahr schlichtweg verschlafen habe. Aber ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben – schließlich war erst die Hälfte der Saison vorüber.

Am Samstag (1. Juli) zeigte das OSWIN Radar schließlich ein Echo, was sich fast über den gesamten Tag ausdehnte. Die ersten abendlichen Sichtungsmeldungen im Netz ließen daher auch nicht lang auf sich warten. Ich hatte jedoch mal wieder mieses Wetter – ’na toll!‘. Am Abend schöpfte ich dann tatsächlich kurz Hoffnung, als der Himmel plötzlich aufklarte. Gespannt fuhr ich also auf meinen „Stammplatz“ auf dem Feld und machte es mir beim Warten im Auto gemütlich. Leider war es wie so oft – es kamen schnell Wolken auf und es wurde wieder nichts mit meinen ersten NLC’s in diesem Jahr. Verdammt!

Ein Hoffnungsschimmer

Ein spätes Echo am Sonntag ließ auf NLC’s hoffen!

Da auch der Wetterbericht für die nächsten Tage nicht wirklich optimistisch aussah, hatte ich das Thema im Kopf erstmal abgehakt. Als am Sonntagnachmittag jedoch überraschend strahlend blauer Himmel herrschte, wagte ich noch einen Blick auf die Vorhersage für die kommende Nacht. Und siehe da, es sollte scheinbar so bleiben! ‚Prima‘ dachte ich, und richtete mich auf eine weitere Nacht auf dem Feld ein. Leider zeigte das OSWIN Radar am Sonntag keinerlei Echos, aber egal, versuchen wollte ich es trotzdem – schließlich gab es in diesem Jahr bereits einige NLC-Displays nach echofreien Tagen.

Nach dem aus deutscher Sicht erfreulichen Finale des Confed-Cups machte ich mich also am Sonntag, den 2. Juli, erneut auf den Weg zum Feld. Ich kam dort gegen 22:30 Uhr an und konnte erstmal noch nichts am Horizont erkennen. Ein erneuter Blick auf das OSWIN-Radar ließ mich innerlich jedoch einen kleinen Freudenschrei ausstoßen: Es hatte ein spätes Echo gegeben, dass bis 22:30 Uhr nachweisbar war! Wow, damit stiegen die Chancen für diese Nacht statistisch gesehen auf 90%. Jetzt musste doch endlich mal was gehen…

Und tatsächlich konnte ich bei Facebook und im Meteoros NLC-Forum bereits die ersten Erfolgsmeldungen lesen. Nur bei mir wollte sich irgendwie nichts tun. Die gelegentlichen Probefotos zeigten auch mit viel Phantasie noch keine NLC’s – dafür aber zunehmend dunkle Wolken. Dies ging soweit, dass um mich herum irgendwann alles bewölkt war und nur am Nordhorizont noch eine kleine Wolkenlücke zu sehen war – dies passte so gar nicht zur Wettervorhersage, war aber irgendwie typisch für mein fehlendes Glück in diesem Jahr. Aber immerhin konnte ich ab etwa 23:20 Uhr erste NLC-Strukturen zwischen den wenigen Wolkenlücken erkennen – ein kleiner Trost.

23:20 Uhr: Dicke Wolken bedeckten vor Mitternacht fast den gesamten Himmel und ließen nur einen kleinen Blick auf die ersten sichtbaren NLC’s zu

Ein glückliches Ende

Aufgeben wollte ich aber trotzdem nicht, da ich weiterhin optimistisch war, dass sich der Wetterbericht doch noch bewahrheiten sollte. Und tatsächlich klarte es nach Mitternacht immer mehr auf und es entstanden zeitweise sehr interessante und fotogene Wolkenstrukturen. Die NLC’s waren nun auch deutlich zu sehen, wenn auch auf Grund des Sonnenstandes von ca. -13 Grad nur sehr tief über dem Horizont.

00:12 Uhr: Die Wolken wurden weniger und bildeten in diesem Fall sogar einen hübschen optischen Rahmen auf die NLC’s am Horizont.

Ihren tiefsten Stand erreichte die Sonne an meinem Standort westlich von Wolfsburg gegen 1:30 Uhr (-14,6 Grad). Trotzdem reichte dies noch, um die Leuchtenden Nachtwolken von unten ausreichend anzustrahlen und so für das Auge sichtbar zu machen. Visuell stellte sich dies ungefähr so dar:

0:31 Uhr: Hier mal ein bewusst dunkles Bild, um einen ungefähren Eindruck zu vermitteln, wie die NLC’s visuell für das Auge sichtbar waren

Die Wolken konnten sich scheinbar noch nicht so richtig entscheiden, ob sie nun verschwinden wollten. Kurz trug ich mich daher mit dem Gedanken, mal für zwei Stunden zu schlafen, um dann fit für ein mögliches Morgen-Display zu sein. Dann aber wurden die NLC immer heller und der Himmel klarte zunehmend auf. An Schlafen war also nicht mehr wirklich zu denken, zumal ich nicht noch einmal riskieren wollte zu verschlafen.

Ich machte also fleißig Fotos mit den verschiedensten Brennweiten, wobei ich von 15 mm über 24 und 100 mm bis hin zu 200 mm einiges dabei hatte, um unterschiedliche Eindrücke der NLC-Strukturen einfangen zu können. Während der gesamten Nacht blieb die Grundform – ein recht gleichmäßiger Bogen, der sich über fast 180 Grad am Horizont erstreckte – weitestgehend gleich. Dies schrie natürlich nahezu nach Panoramaaufnahmen, auch wenn der Vordergrund noch etwas spannender hätte sein können. Aber immerhin hatte ich einen freien Blick auf den gesamten Bogen, was ja auch nicht an vielen Standorten der Fall ist.

03:04 Uhr: Dieses Panorama des NLC-Bogens entstand aus drei Querformataufnahmen mit 24 mm Brennweite

03:18 Uhr: Dieses hochauflösende Panorama entstand aus 13 Hochformataufnahmen mit 100 mm Brennweite

03:33 Uhr: Das letzte Panorama der Nacht entstand schließlich aus 9 Hochformataufnahmen mit 24 mm an einer Crop-Kamera

So richtig fotogen zeigten sich die Leuchtenden Nachtwolken etwa ab 3 Uhr morgens, als immer mehr feine Strukturen sichtbar wurden. Deshalb konnte ich es mir natürlich auch dieses Mal nicht nehmen lassen, diese Strukturen mit einem Teleobjektiv genauer unter die Lupe zu nehmen. Vier dieser Aufnahmen zeigt die folgende Galerie – für eine größere und vollständige Darstellung einfach auf die Bilder klicken:

Einen schönen Abschluss bildete schließlich die Venus, die kurz vor 3 Uhr ebenfalls aufging und sich zum Ende der Nacht inmitten wunderschöner NLC-Strukturen präsentierte.

03:25 Uhr: Die Venus inmitten von NLC-Strukturen am Osthimmel

Gegen 4 Uhr verblassten die Strukturen auf Grund des Sonnenstandes (-7 Grad) dann langsam, wobei der auffällig helle Streifen links im NLC-Bogen noch sehr lang sichtbar war. Damit ging eine fantastische Nacht zu Ende, in der ich tatsächlich ohne es wirklich zu merken mehr als 4 Stunden am Stück fotografiert und dabei insgesamt über 700 Bilder gemacht habe. Zudem war die visuelle Helligkeit der NLC’s in dieser Nacht einfach atemberaubend, weshalb der Schlafausfall (7:30 Uhr ging es gleich schon wieder mit der Arbeit los) definitiv zu verschmerzen war.

Ähnlich wie die Polarlichter zählen Leuchtende Nachtwolken für mich zu den „Naturwundern“, deren Schönheit man mal mit eigenen Augen gesehen haben sollte. Und dies dann auch noch fotografisch festzuhalten, sollte bei jedem Landschaftsfotografen mit einem gewissen Interesse für die Nachtfotografie weit oben auf der Liste stehen!

Konntest Du diese oder eine andere Sommernacht ebenfalls nutzen? Schreibe mir gern über Deine Erlebnisse in die Kommentare!

4 Kommentare
  1. Rolf says:

    Hallo Katja,
    ich wusste bisher überhaupt nicht, dass es so etwas wie NLCs / Leuchtende Nachtwolken gibt. Um so besser, dass Du mich auf dieses Naturschauspiel aufmerksam gemacht hast.
    Jedenfalls tolle Fotos zeigst Du, das muss schon ein besonderes Erlebnis sein.
    Liebe Grüße (und schlaf mal ordentlich aus *g*)
    Rolf

    Antworten
    • Katja Seidel says:

      Hallo Rolf,
      das freut mich, dass ich Dir was Neues zeigen konnte und die Fotos gefallen. Ich glaube aber es geht vielen so… ähnlich wie Polarlichter in Deutschland, da wissen die meisten auch nicht, dass man sie (zumindest fotografisch) auch ab und zu sehen kann.
      Den Schlaf hole ich so langsam wieder auf 🙂
      LG
      Katja

      Antworten

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  1. […] guten Bildern) präzise aus der Nähe von Kiel dokumentiert, Blogberichte aus Hannover, [NACHTRAG: Wolfsburg,] Berlin und Königswinter (mehr), Bilder von Webcams auf Norderney und im Sauerland (später), ein […]

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