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Polarlichter und Sonnenfinsternis in Deutschland

Im März 2015 sollte es aus astronomischer Sicht eine ganz besondere Woche geben – gleich drei Ereignisse ließen das Herz eines Astrofotografen höher schlagen. Zwei davon konnte ich sogar fotografisch festhalten, auch wenn dies eher spontan und ungeplant geschah!

Feuerball über Süddeutschland

Vom ersten astronomischen Ereignis in der besagten Woche erfuhr ich erst im Nachhinein, ärgerte mich dann allerdings umso mehr, dass ich es anscheinend nur um wenige Minuten verpasst zu haben schien: Am Abend des 15.03.2015 war über Süddeutschland ein heller Lichtschweif zu sehen, der aller Wahrscheinlichkeit nach ein sehr heller Meteor war – ein sogenannter „Feuerball“ oder „Bolide“. Ich sollte zwar einige Monate später das Glück haben, einen solchen zufällig im Rahmen eines Zeitraffers zu fotografieren (Video bei Youtube), mit eigenen Augen gesehen habe ich aber bis heute noch immer keinen. In dieser Nacht im März war ich zufällig in Augsburg unterwegs und habe ca. 10-15 Minuten vor der Meldung dieses Feuerballs auch in den Himmel geschaut. Leider etwas zu früh… Aber die Woche sollte ja erst angefangen haben.

Polarlichter über Deutschland

Wieder zurück in Norddeutschland gab es dann 2 Tage später gleich die nächste Überraschung: Polarlichter – zumindest eine entsprechende Warnung und die damit verbundene erhöhte Wahrscheinlichkeit für Polarlichter in Deutschland! Mit diesem Thema hatte ich mich bis zu diesem Tag quasi noch gar nicht beschäftigt, aber es klang definitiv spannend. Und so entschied ich mich gegen mein Vorhaben, früh ins Bett zu gehen und stattdessen mein Glück mal zu versuchen. Die erste Herausforderung war es dann, eine Stelle zu finden, die einen freien Blick auf den Nordhorizont bietet (das war noch recht einfach) und möglichst keine große Lichtverschmutzung aufweist (das war schon schwieriger). Mangels Zeit zum langen Herumfahren suchte ich mir schließlich einen Platz nördlich von Wolfsburg und baute schnell alles auf, was ich auf die Schnelle so eingepackt hatte. Das manuelle Fokussieren auf einen hellen Stern ging trotz weniger lichtstarkem Objektiv recht schnell und was ich dann nach der ersten 8-Sekunden-Aufnahme auf dem Kameradisplay sah, verschlug mir erstmal den Atem: Fast der komplette Sternenhimmel leuchtete pink! Rein visuell war zwar alles grau, aber die Kamera fing dieses Farbspiel wunderbar ein. Halb tanzend vor Freude über mein erstes Polarlicht suchte ich mir schnell noch einen geeigneteren Ort etwas abseits der Straße und fotografierte fleißig weiter. Langsam tastete ich mich dabei an die geeigneten Einstellungen heran, wobei ich leider nicht das optimale Objektiv dabei hatte – ein bisschen mehr Lichtstärke hätte nicht geschadet. Leider hatte ich die Hochphase der Polarlichter scheinbar um ca. 30-45 Minuten verpasst. Daher wurde es während meiner insgesamt über einstündigen Session auch immer schwächer. Die besten Aufnahmen entstanden somit zu Beginn, nachdem ich so einigermaßen die richtigen Einstellungen gefunden hatte. Ein etwas spannenderer Vordergrund wäre zwar noch schöner gewesen, aber immerhin hielt sich die Lichtverschmutzung in Richtung der Polarlichter in Grenzen, so dass schließlich (nach entsprechender Nachbearbeitung) das folgende Bild entstanden ist – mein allererstes Polarlicht!

Polarlichter am 17.03.2015, 21:32 Uhr bei Wolfsburg mit Canon 70D, EF-S 10-22mm f/3.5-4.5 USM bei 10mm, ISO 640, 25s

Später erfuhr ich, dass die Aktivität gegen Mitternacht wohl nochmal ordentlich zugenommen hatte, aber bis dahin wäre ich vermutlich am Feld festgefroren 😉 Wenn ich mir aber das Polarlicht-Archiv der letzten Jahre für Deutschland anschaue, so kommt ein solch helles Polarlicht nicht wirklich häufig vor, so dass ich wohl ziemliches Glück hatte an diesem Abend. Diese Nacht hat auf jeden Fall dazu beigetragen, dass mich dieses Thema extrem fasziniert hat und ich danach noch häufiger auf Polarlichtjagd in Deutschland gegangen bin.

Das sogenannte Polarlicht-Oval zeigt, wo auf der Welt eine Wahrscheinlichkeit für Polarlicht-Sichtungen existiert. In dieser Nacht herrschte besonders starkes Polarlicht, welches sogar bis Österreich fotografisch erfassbar war – auch wenn dies hier im Modell nicht ersichtlich ist.

Eine aktuelle Vorhersage der Polarlichtwahrscheinlichkeit in Deutschland gibt es übrigens unter www.polarlicht-vorhersage.de, sowie ein Archiv der Sichtungen unter www.polarlicht-archiv.de. Dort konnte ich für „meine“ Nacht auch sehen, dass es insgesamt 125 gemeldete Sichtungen gab, die bis in die österreichischen Alpen hinunter reichten – Wahnsinn! Und für alle, die sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigen wollen, bietet der „Arbeitskreis Meteore e.V.“ (AKM) eine Email-Warnliste sowie ein Forum, in dem aktuelle Meldungen gepostet und diskutiert werden.

Partielle Sonnenfinsternis in Deutschland

Nach diesen beiden eher ungeplanten Astro-Ereignissen in dieser Woche stand noch ein drittes Highlight an: die partielle Sonnenfinsternis! Trotzdem reizte es mich zunächst nicht, hierbei auch Fotos zu machen, da ich wenig Lust hatte, für solch ein seltenes Ereignis Spezialequipment zu kaufen. Daher hatte ich mich mit diesem Thema auch nicht wirklich beschäftigt – und folglich auch keine Sonnenfilter, Filterfolie oder ähnliches am Start, noch nicht einmal eine „SoFi-Brille“.

Am Abend vorher „juckte“ es mich dann beim Blick auf den Wetterbericht aber schließlich doch – so oft gibt es schließlich keine Sonnenfinsternis UND dazu noch bestes Wetter. Nur leider fehlte mir natürlich noch immer das passende Equipment – und so schnell bekam ich auch nichts mehr besorgt. Ich schaute also im Internet nach Alternativen und fand schließlich eine Lösung bestehend aus einer Kombination entsprechend starker Graufilter, um die Kamera vor der starken Sonneneinstrahlung zu schützen.

Achtung: Der Weg, den ich hier beschreibe und bei der partiellen Sonnenfinsternis 2015 angewendet habe, ist KEINESFALLS optimal und kann u.U. Deinem Kamerasensor oder noch schlimmer Deinen Augen dauerhaften Schaden zufügen. Wenn Du also etwas mehr Zeit als ich für die Vorbereitung hast, kann ich Dir nur unbedingt zu einer professionellen Sonnenfilter-Folie oder einem speziellen Sonnenfilter raten. NIEMALS solltest Du die Kamera für längere Zeit ungeschützt direkt auf die Sonne richten – bei einem Teleobjektiv reichen schon wenige Sekunden, um den Sensor dauerhaft zu beschädigen!

Meine APS-C-Kamera mit 300 mm Objektiv und 1,4x Konverter bestückte ich daher mit zwei Graufiltern (ND 3.0 und ND 1.8) und machte ein paar schnelle Testaufnahmen noch vor der Sonnenfinsternis – mit Erfolg.

Dann wollte ich es allerdings wissen und plante eine zweite Kamera, mit der ich automatisch eine Sequenz aufnehmen wollte, die den kompletten Verlauf dokumentieren sollte. Das entsprechende Vorgehen las ich mir am (frühen) Morgen der Sonnenfinsternis rasch im Internet durch und bestückte eine zweite APS-C-Kamera mit einem 40 mm Objektiv und verschiedenen Steckfiltern, die ich noch hatte (ND 3.0 + 2 Mal ND 0.8). Das sah dann so aus:

Sehr dankbar war ich für die Schwenkdisplays an meinen Kameras, so konnte man zumindest etwas der Sonneneinstrahlung entgegenwirken. Die Scharfstellung habe ich dann manuell über den LiveView mit der Display-Vergrößerung vorgenommen, danach habe ich den LiveView zur Schonung des Sensors wieder deaktiviert.

Bei der Sequenz stellten sich mir (mangels jeglicher Vorbereitung) noch 2 Fragen: 1) Wie groß sollte ich das Auslöseintervall wählen um möglichst viele Phasen der Sonnenfinsternis aufnehmen zu können ohne Überlappungen beim Übereinanderlegen der Bilder zu haben? 2) Ist eine Brennweite von 40 mm an einer Crop-Kamera für einen kompletten Sonnen-Durchlauf von ca. 2,5h zu viel, so dass die Sonne irgendwann aus dem Bild läuft? Die erste Frage habe ich mit 3 Minuten beantwortet, das sollte gerade reichen, so dass sich die Sonnen beim kombinierten Bild nicht überlagern. Bei der zweiten Frage fehlte mir die Erfahrung und die Zeit, es zu berechnen, daher wartete ich einfach mal ab und müsste zur Not halt einmal zwischen zwei Aufnahmen „zurückschwenken“. Eine geringere Brennweite habe ich bewusst nicht gewählt, da die Sonne dann zu klein gewesen wäre.

Meine Planungen klappten soweit und das Wetter spielte auch perfekt mit – ein Glück was nicht allen in (Nord-)Deutschland beschert war wie ich später gelesen habe. Die Sequenz startete ich also pünktlich um 9:33 Uhr und ich schaute immer mal wieder, ob die Aufnahme lief und die Sonne noch im Display zu sehen war. Die Einstellungen der Kamera (Blende, Belichtungszeit, ISO) änderte ich dabei nicht, da ich mir dachte „lieber am Ende alle Bilder ändern als jedes einzeln“ – grundsätzlich sahen die Ergebnisse im Test ja brauchbar aus. Ab ca. 10:36 Uhr begann ich dann auch mit den Teleaufnahmen – bis 10:30 Uhr hatte ich leider noch ein geschäftliches Telefonat. Auch diese Aufnahmen klappten soweit gut und ich konnte etwas mit der Schärfe und Belichtungszeit herumexperimentieren. Bei den Teleaufnahmen konnte ich auf Grund des späteren Starts leider nur Fotos vom Zeitpunkt kurz vor der größten Bedeckung bis zum Ende machen.

Heraus kam am Ende folgendes Endergebnis, womit ich (in Anbetracht der minimalen Vorbereitungen) doch sehr zufrieden bin:

Die Sequenz musste ich übrigens wirklich einmal in der Mitte zurückschwenken – so dass diese jetzt aus zwei Teilen besteht und zusammengesetzt wurde. Die Einzelaufnahmen der Sequenz habe ich als einzelne Ebenen in Photoshop geladen und mit der Methode „Differenz“ überblendet, das war (aus meiner Sicht) die schnellste Methode und führte in wenigen Minuten zum Ergebnis.

Sonnenfinsternis am 20.03.2015 11:45 Uhr, Canon 70D, EF-300mm f/4L IS USM + 1.4x III Extender, 1/640 s, f/8.0 (mit Graufilter ND 3.0 + ND 1.8)

Alles in allem eine spannende Woche mit vielen neuen Erfahrungen und einer ordentlichen Portion Glück. Jetzt freue ich mich schon auf die nächsten Polarlichter und natürlich die nächste (partielle) Sonnenfinsternis 2022 – da bin ich dann hoffentlich besser vorbereitet! Wer weiß welche Technik es bis dahin gibt! Von der letzten „SoFi“ (1999) bis heute hat sich ja auch so Einiges getan…

Bei der totalen Sonnenfinsternis im August 2017 in den USA werde ich nicht dabei sein, aber es ergibt sich hoffentlich mal eine Gelegenheit, eine solche totale Sonnenfinsternis irgendwo auf der Welt mitzuerleben – 1999 habe ich die in Deutschland leider nicht bewußt wahrgenommen. Und für die nächste Totale in Deutschland müsste ich schon 100 Jahre alt werden – diese findet nämlich erst 2081 statt!

Beim Merkurtransit im Mai 2016 habe ich mich übrigens besser vorbereitet und mir einen Sonnenfilter für mein Teleojektiv selbst gebaut. Die Filterfolie lässt sich z.B. hier bei Amazon bestellen (Affiliate Link).

Konjunktion fotografieren

Merkurtransit am 09.05.2016 (aufgenommen mit Sonnenfilter) – der kleine schwarze Punkt vor der Sonne ist kaum zu sehen

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