SkyTracker Pro – Der bessere SkyTracker?

Seit Ende 2014 nutze ich – primär für meine Deep-Sky-Aufnahmen – den iOptron SkyTracker. Ende 2016 kam nun das Nachfolgermodell „SkyTracker Pro“ auf den Markt, dessen Namenszusatz die professionelle Weiterentwicklung dieser Reisemontierung suggeriert. Aber ist das wirklich so? Eine ganze Zeit habe ich nun die Pro-Version testen können und möchte Dir heute von meinen Erfahrungen im Unterschied zum Vorgängermodell berichten.

Schon aus einem für 90 s nachgeführten Einzelbild lässt sich erstaunlich viel herausholen (links unbearbeitet OOC)

Der erste Eindruck

Würde der SkyTracker Pro diese Kamera-Objektiv-Kombi ohne Strickspuren für 2 min nachführen können?

Lange Zeit habe ich mit mir gerungen, ob ich den SkyTracker Pro überhaupt bestellen soll. War ich doch mit dem Vorgängermodell durchaus zufrieden (siehe auch hier) und brauchte in den wenigsten Fällen zwei Reisemontierungen gleichzeitig. Irgendwann siegte aber doch die Neugier und ich investierte die knapp 380 € in die Pro-Version. Beim Auspacken hatte ich jedoch gemischte Gefühle: Er wirkte durchaus handlicher und leichter als sein Vorgänger, aber dafür auch weniger stabil. Dieses Gerät sollte also meine Spiegelreflexkamera samt lichtstarker 200 mm Festbrennweite für zwei Minuten nachführen – so wie es der alte SkyTracker mühelos konnte? Ich war skeptisch. Laut Spezifikation durfte er ebenfalls mit 3 kg belastet werden…

Positiv war auf jeden Fall, dass er wieder mit einer Transporttasche daherkam und auch der Zusammenbau schnell und unkompliziert ging: einfach die Nachführeinheit per Schwalbenschwanzhalterung auf die Polhöhenwiege montiert und den Polsucher angebracht – eine Arbeit von wenigen Sekunden. Das Ganze lässt sich wenn man will sogar zusammengebaut in der mitgelieferten Tasche verstauen.

Unterschiede zum Vorgängermodell

Aber was ist jetzt wirklich anders und vermeintlich besser am neuen SkyTracker?

  • Er ist gut 200 Gramm leichter geworden (1.234 g statt 1.437 g) , was sicherlich primär auf die verstärkte Verwendung von Plastik statt Metall zurückzuführen ist.
  • Die Einstellung der Polhöhenwiege lässt sich nun wesentlich genauer vornehmen. Hier wurde ein nahezu identisches Prinzip eingesetzt wie beim SkyWatcher Star Adventurer (siehe auch später im Aritkel): zwei seitliche Schrauben ermöglichen das sehr genaue Einstellen des Horizontalwinkels (Azimut). Der vertikale Winkel wird wie bisher über eine Stellschraube eingestellt. Dadurch ist ein präzises Einnorden (oder Einsüden auf der Südhalbkugel) möglich.
  • Die Polhöhenwiege hat nun eine Wasserwaage integriert, um das gerade Ausrichten des SkyTrackers auf dem Stativ zu unterstützen – dies ist praktisch, wenn das Stativ keine solche Möglichkeit bietet.
  • Der Akku ist nun integriert und soll das Gerät bis zu 24 h betreiben. Der Dauerbetrieb über eine externe Stromversorgung (z.B. Powerbank) ist beim Pro-Modell nur noch über einen Micro-USB-Anschluss möglich, allerdings laut Herstellerangaben ohne Schäden zu riskieren nur bei Außentemperaturen über 0 °C – die bei nächtlichen Aufnahmesessions durchaus schnell unterschritten werden können.
  • Die Helligkeit der Polsucherbeleuchtung ist nun verstellbar, was hoffen lässt, dass der im Vergleich zum Polarstern sehr viel lichtschwächere Sigma Octantis auf der Südhalbkugel nun auch trotz aktivierter Polsucherbeleuchtung erkennbar ist.
  • Neben der Stern- und halben Sterngeschwindigkeit bringt der neue SkyTracker nun auch Nachführgeschwindigkeiten für Sonne und Mond mit.

Optisch haben beide Versionen nicht mehr viel miteinander zu tun

Ansonsten ist das Prinzip der Handhabung gleich geblieben: Die Kamera wird mittels eines Kugelkopfes auf dem SkyTracker montiert und in der eingestellten Geschwindigkeit nachgeführt, um so die Rotation der Erde auszugleichen und den Sternenhimmel für die Kamera „festzuhalten“. Übrigens: Durch die kompaktere Bauweise ist der Polsucher etwas näher an die Kugelkopfaufnahme gerückt. Was das in der Praxis bedeutet, werde ich gleich noch berichten.

Der Praxistest

Da ich den neuen SkyTracker erst relativ kurz vor meinem Chile-Urlaub bekommen habe und nur wenig Zeit zum Testen hatte, habe ich in diesem Urlaub auf den bewährten „alten“ SkyTracker vertraut und mich erst danach ausgiebig mit dem neuen Modell beschäftigt. Einer meiner Mitreisenden hatte jedoch die Pro-Version dabei, so dass wir beide Geräte gleich mal beim Einsatz auf der Südhalbkugel vergleichen konnten.

Grundsätzlich ist das Einsüden auf der Südhalbkugel etwas komplizierter als das Einnorden bei uns – unabhängig von der eingesetzten Reisemontierung. Dies soll an dieser Stelle jedoch gar nicht weiter thematisiert werden, liegt aber im Wesentlichen am lichtschwächeren und damit schwieriger aufzufindenden Stern „Sigma Octantis“, der zum Einsüden genutzt wird. Leider konnte man die Polsucherbeleuchtung bei der Pro-Version zwar dimmen, jedoch nicht so weit, dass Sigma Octantis bei aktivierter Beleuchtung hinter der Skala zu sehen war. Ich musste daher bei beiden Versionen den SkyTracker kurz ausschalten, um mich zu orientieren und ihn exakt auf der Skala im Sucher einzustellen. Die Dimm-Funktion bringt daher aus meiner Sicht keinen wirklichen Vorteil.

Die wesentlich feinfühligere Einstellung des Horizontalwinkels am Pro-Modell hat in der Praxis einen Nachteil: Man hat dadurch nur noch einen sehr geringen Spielraum, so dass das Stativ mit dem SkyTracker bereits ziemlich genau nach Norden (oder Süden) ausgerichtet sein muss. Mal eben „hin- und herschwenken“ um den Polarstern im Polsucher zu finden, wie es beim alten Modell möglich war, geht nun nicht mehr. Hat man den Polarstern aber einmal im Sucher, dann ist die Feineinstellung sehr präzise möglich und vor allem auch wirklich fixierbar (Anmerkung: beim alten Modell löst sich die Azimutschraube gern mal, was wirklich nervt!).

Nach dem Montieren der Kamera fällt auf, dass der Abstand zwischen Polsucher und Kugelkopf durchaus relevant ist. So lässt sich der Polsucher beim alten Modell in wesentlich mehr Kamerapositionen nutzen als beim Pro-Modell – hier versperrt die Kamera (je nach Größe des Body’s) auch gern mal den Blick durch den Polsucher. Dieser ist jedoch auch nach dem Aufsetzen der Kamera noch sehr sinnvoll, da sich die Ausrichtung durch das Gewicht der Kamera durchaus nochmal leicht verschieben kann. Ich prüfe die korrekte Einnordung daher immer noch einmal direkt vor der Aufnahme, insbesondere wenn ich im Telebereich arbeite.

Wie lang kann man aber nun belichten, ohne dass die Sterne strichförmig werden – oder mit anderen Worten: Wie gut kann der SkyTracker Pro die Kamera mit verschiedenen Brennweiten nachführen? Meine Erfahrungen stellen sicher nur ungefähre Werte und keinen wissenschaftlichen Test dar, dienen Dir aber vielleicht etwas als Orientierung. Meine erste Feststellung: 2 Minuten mit einem 200 mm Objektiv an einer Cropkamera – was mein alter SkyTracker noch gut nachführen konnte – sind bei mir mit dem SkyTracker Pro nicht mehr ohne leichte Strichbildung möglich. Wir reden hier von ca. 1,7 kg Gewicht für Kamera und Objektiv. Arbeite ich mit dieser Brennweite, beschränke ich mich daher beim Pro-Modell meist auf 60 oder 90 Sekunden, was in vielen Fällen schon ausreicht. Diese Brennweite von 200 mm (umgerechnet auf das Kleinbildformat wären es ja 320 mm) stellt aus meiner Sicht auch schon das sinnvolle Maximum am SkyTracker Pro dar. 300 mm mögen mit entsprechend weniger Belichtungszeit auch noch gehen, je nach Gewicht des Objektivs. Bei geringeren Brennweiten hat der SkyTracker Pro jedoch keinerlei Probleme, so dass sich beispielsweise Nahaufnahmen (z.B. 70-100 mm) oder auch Weitwinkelaufnahmen (15-35 mm) der Milchstraße super damit machen lassen.

Für dieses Foto habe ich eine nachführte Aufnahme mit einer nicht nachgeführten Aufnahme kombiniert (beide je 60 s belichtet)

Hat man Vordergrund im Bild, muss man nur darauf achten, hinterher noch ein nicht-nachgeführtes Bild mit gleichem Ausschnitt und gleichen Einstellungen zu machen, da sonst der Vordergrund zu stark verschwimmt. Um sich hier das aufwändige Zusammensetzen von Vorder- und Hintergrund am Rechner zu sparen, ist die Funktion der halben Sterngeschwindigkeit für nachgeführte Astro-Landschaftsaufnahmen durchaus brauchbar. 30 Sekunden Belichtungszeit eignen sich hier durchaus, um meist wesentlich mehr Licht zu sammeln als ohne Nachführung, aber trotzdem noch Vordergrund und Sternenhimmel korrekt abzubilden.

Vergleich zum SkyWatcher Star Adventurer

Eine der wohl beliebtesten Reisemontierungen ist der Star Adventurer von SkyWatcher. Dieser trägt etwas mehr Gewicht (bis zu 5 kg), hat dafür aber auch ein höheres Eigengewicht – mit 1.833 g ganze 600 g mehr als der SkyTracker Pro. Im mobilen Einsatz ohne Gegengewicht hat er für mich einige Nachteile, weshalb ich doch sehr viel lieber zum SkyTracker greife, wenn ich meinen Fotorucksack für eine Nachtwanderung packe:

  • Der Polsucher des Star Adventurers ist nur nutzbar, wenn keine Kamera montiert ist – sofern man ihn so nutzt wie auf dem Bild zu sehen (ohne L-Schiene). Eine Prüfung der korrekten Einnordung nach dem Ausrichten der Kamera ist daher nicht mehr möglich.
  • Die Polsucherbeleuchtung ist nicht integriert, sondern separat zu montieren. Dies kostet nicht nur extra Geld und Nerven, sondern birgt auch die Gefahr, dass man das kleine Zusatzteil im Dunkeln verliert, da es nicht auf dem Gerät verbleiben kann wenn die Kamera montiert ist.
  • Der Star Adventurer braucht schlichtweg mehr Platz im Rucksack und wiegt um Einiges mehr. Da packe ich lieber noch ein zusätzliches Objektiv ein.

Ansonsten ist der Star Adventurer sicherlich DIE Referenz, wenn man etwas schwereres Equipment (> 2 kg für Kamera und Objektiv aus meiner Sicht) nachzuführen hat und trotzdem noch einigermaßen mobil bleiben möchte. Optisch hat sich iOptron auf jeden Fall mit dem Pro-Modell recht stark am Star Adventurer orientiert.

Wichtiger Hinweis

Zum Schluss möchte ich Dir noch einen Tipp geben, der sowohl für die alte als auch die neue Version des SkyTrackers gilt: Die Anschlussschraube für den Kugelkopf lässt sich ja mittels eines Schraubenziehers (oder zur Not Geldstücks) festziehen. Jedoch kam es bei mir nach einiger Zeit immer wieder vor, dass die Schraube sich nach einiger Zeit gelockert hat und unbemerkt immer mehr „nach innen verschwunden“ ist. Dies bedeutet natürlich auch weniger Halt für den Kugelkopf, so dass sich dieser im schlimmsten Fall samt Kamera und Objektiv vom SkyTracker lösen könnte – ein meist teures Missgeschick! Glücklicherweise ist mir dies nie passiert, allerdings habe ich auch dauerhaft Abhilfe geschafft.

Und zwar habe ich die Halterung am SkyTracker mit den kleinen Schauben an der Seite gelöst und entfernt. Somit konnte ich von beiden Seiten an die Schraube heran – dies ist übrigens auch der Weg, wenn man die Schraube drehen muss um vom 1/4″ auf 3/8″ Durchmesser zu wechseln. Ich entfernte die Schraube und umwickelte sie in Schraubrichtung mit einem dünnen Teflonband (z.B. hier: http://amzn.to/2sgQbEy). Einmal festgezogen löst sich hier nichts mehr und die Kamera ist sicher auf dem SkyTracker!

Mein Fazit

Insgesamt habe ich mich nach anfänglicher Skepsis doch ganz gut mit dem SkyTracker Pro angefreundet, so dass er mich nun meistens auf meinen nächtlichen Ausflügen begleitet. Der Hersteller iOptron lässt einem leider auch gar keine Wahl mehr: offiziell gibt die alte Version des SkyTrackers gar nicht mehr zu kaufen – hier könnte man aber sicher noch auf dem Gebrauchtmarkt fündig werden. Für Brennweiten bis max. 200 mm und einem Gewicht von max. 1,7 kg für Kamera und Objektiv nutze ich den SkyTracker Pro aber sehr gern, da er schnell und unkompliziert zu bedienen ist und auch bei größeren Brennweiten noch Belichtungszeiten von mind. 60 s ermöglicht. Möchte ich ein lichtschwächeres Deep Sky Objekt bei einer Brennweite von 200-300 mm etwas länger belichten, so würde ich jedoch nach wie vor zum alten SkyTracker oder auch dem SkyWatcher Star Adventurer greifen.

Warum das neue Modell den Zusatz „Pro“ bekommen hat, bleibt mir ein kleines Rätsel, da hier höchstens die Polwiegenhöhe professioneller geworden ist, die Stabilität ist jedoch leicht schlechter als bei der alten Version.

 

Welche Erfahrungen hast Du gemacht? Ich freue mich wie immer über Dein Feedback und hoffe, mein kleiner Test hat Dir hilfreiche Informationen liefern können!

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2 Kommentare
  1. Jörg Weiskopf says:

    Die Kugelkopf-Aufnahme des iOptron SkyTrackers besitzt um die Stativanschluss Schraube 4 Bohrungen mit Innengewinde. Dort lassen sich M10 Madenschrauben einsetzen, so dass der Kugelkopf mit diesen 100%ig gesichert werden kann. Für den Star Adventurer gibt es noch einen L-Aufsatz der als Kamerahalter oder Deklinationsachse dienen kann. Damit kann dann mit montierter DSLR eingenordet werden.
    -Ein schöner Erfahrungsbericht, weiter so!

    Antworten
    • Katja Seidel says:

      Vielen Dank für Dein Feedback und die Hinweise Jörg! Du meinst den „alten“ SkyTracker, nicht den Pro, oder? Bei diesem gibt es da keine Bohrungen mehr (siehe Bild oben). Aber mit dem Teflonband hält die Stativschraube für mich ebenfalls bombenfest und ich habe keine Angst mehr vor herunterfallenden Kugelköpfen 🙂
      Ja, den L-Winkel für den StarAdventurer habe ich auch – nur wird das Ganze dann natürlich nochmal schwerer zum Mitnehmen. Und die Beleuchtung passt auch nicht wirklich auf den Schlitz der Schiene… wirkt alles ziemlich so, als wäre ihnen erst hinterher aufgefallen, dass da eine Beleuchtung fehlt. Aber man kann wohl nicht alles haben 🙂

      Antworten

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