,

Stacking von Astro-Landschaftsaufnahmen mit „Starry Landscape Stacker“

In vielen Fällen schaut man als Mac-Benutzer in der Astrofotografie die Röhre, da es so manch nützliche Software ausschließlich für Windows gibt. In einem Fall ist es jedoch umgekehrt – hier ist man als Apple-Anhänger im Vorteil: beim Programm „Starry Landscape Stacker“ zum Stacken von Astro-Landschaftsaufnahmen. Diese kleine App hat mich wirklich von Anfang an begeistert!

Einer der wenigen Vorteile für die Astrofotografie in der Mac-Welt: der Starry Landscape Stacker

Da ich seit kurzem wieder ein MacBook besitze, war der „Starry Landscape Stacker“ (SLS) eine der ersten Apps, die den Weg aus dem Mac App Store auf mein kleines Notebook gefunden haben. Beim Preis von knapp 44 € musste ich zwar kurz schlucken (ich meine, es kostete kürzlich noch deutlich weniger), aber ich hatte schon so viel Gutes darüber gehört, dass ich es einfach ausprobieren wollte! Nach ein paar Tutorials bei Youtube war schnell klar, was zu tun ist.

Die Arbeitsweise des „Starry Landscape Stackers“

Die App arbeitet in drei wesentlichen Schritten, um Astro-Landschaftsaufnahmen zu stacken:

  1. Sterne erkennen
  2. Himmel maskieren
  3. Bilder ausrichten, stacken und Ergebnis speichern

Das klang erstmal ziemlich einfach, was mir schonmal sehr gut gefiel! Benötigt werden dafür mehrere Aufnahmen (mind. 5-7), die zeitlich eng beieinander von einem feststehenden Stativ aus aufgenommen wurden. So bleibt der Vordergrund auf jeden Bild gleich und auch der Himmel verändert sich in dieser kurzen Zeit von wenigen Minuten nicht wesentlich, so dass nach dem Stacken noch nahezu der gesamte Bildbereich erhalten bleibt. Anders als bei nachgeführten Deep Sky Aufnahmen, bei denen der Himmelsausschnitt bei guter Einnordung über mehrere Stunden nahezu gleich bleibt, können bei nicht-nachgeführten Astro-Landschaftsaufnahmen zwar nicht mehrere Stunden Belichtungszeit in einem gestackten Bild addiert werden, aber auch wenige Minuten reichen in diesem Fall schon aus, um die Bildqualität wesentlich zu erhöhen und vor allem das Bildrauschen zu reduzieren. Bei mehr als 15 Minuten zwischen dem ersten und letzten Bild warnt der SLS sogar davor, dass das Stacken länger dauern wird und die Ergebnisse nicht mehr optimal sein könnten. Bei einer Belichtungszeit eines Einzelbildes von 13 s und einem Intervall von 15 s ließen sich 4 Bilder pro Minute aufnehmen (z.B. im Rahmen eines Zeitraffers) – womit laut der Empfehlung mehr als 60 Bilder für den Stack nicht mehr sinnvoll wären. Soviele braucht es aber nach meiner Erfahrung gar nicht, denn auch bei nur sieben Bildern lassen sich schon tolle Ergebnisse erzielen.

Der erster Versuch: Vollformatkamera

Für meinen ersten Versuch brauchte ich nun also erstmal einige Bilder, die ich hintereinander vom Stativ aus aufgenommen hatte. Ideal geeignet sind hier natürlich Zeitraffer-Aufnahmen, da diese genau dies über einen langen Zeitraum hinweg erfüllen. Ich suchte mir daher aus einer Zeitraffer-Sequenz aus meinem Chile-Urlaub ein paar Milchstraßen-Bilder, die einen hübschen Bildausschnitt zeigen. In Lightroom habe ich die Bilder nur hinsichtlich ihres Weißabgleichs und ein paar Einstellungen bearbeitet. Was ich NICHT gemacht habe ist die Rauschreduzierung und die automatische Objektivkorrektur. Danach habe ich zunächst 7 Bilder als 16-bit TIFF Dateien exportiert und in den SLS geladen. Dies ging fix und viele rote Punkte nach dem Übereinanderlegen der Einzelbilder zeigten mir, dass er auch einige Sterne am Himmel identifizieren konnte. Diese Auswahl beließ ich wie sie war – ich hätte lediglich rote Punkte im Vordergrund entfernen müssen, wenn z.B. Hotpixel fälschlicherweise als Sterne erkannt wurden.

Die automatisch gesetzten roten Punkte sollten sich nur am Sternenhimmel befinden – alle fälschlicherweise im Vordergrund gesetzten Punkte sind manuell zu löschen.

Im nächsten Schritt ließ ich SLS den Himmel erkennen, wobei eine blaue Maske erzeugt und angezeigt wurde:

Dies stellt die automatisch generierte Maske für den Himmel dar. Nur an wenigen Stellen musste ich noch „Hand anlegen“.

An dieser Stelle musste ich nochmal ein bisschen nachhelfen und die fehlenden Stellen, die noch nicht Teil der Maske waren, mit dem schon eingestellten Pinsel ergänzen. Dieser Vorgang ist einfach und kann im Zoom-Modus und verschiedenen Pinselgrößen auch sehr präzise vorgenommen werden.

Das war’s dann eigentlich auch schon mit der manuellen Arbeit – nun musste ich nur noch auf „Align und Save“ klicken und SLS hat alle 7 Bilder gestackt und den Vordergrund korrekt ins fertige Bild eingefügt. Gespeichert werden können dabei einmal natürlich das fertige Bild, aber auch ausschließlich der Himmel. Beide TIFF-Dateien könnte man anschließend in Photoshop als Ebenen öffnen und separat bearbeiten, bevor man sie zu einem Gesamtbild übereinanderlegt. Hier spart man sich definitiv viel „Fisselarbeit“ mit den Ebenenmasken in Photoshop. Der noch einfachere Weg ist es jedoch, einfach das Ergebnisbild aus gestacktem Vorder- und Hintergrund in Lightroom zu importieren und dort noch nach Wunsch nachzubearbeiten.

Wie stark sich das Rauschen durch dieses Verfahren reduzieren lässt, möchte ich gleich noch anhand einer Aufnahme mit einer APS-C Kamera zeigen – in diesem Fall waren meine Ausgangsbilder, die ich mit einer Vollformatkamera aufgenommen habe, bereits sehr rauscharm. Ich bin daher noch einen Schritt weitergegangen und habe es mal mit insgesamt 55 Bildern versucht. Trotz eines Warnhinweises des SLS habe ich alle Bilder gestackt und wie oben beschrieben korrigiert. Das fertige Bild habe ich anschließend in Photoshop, u.a. mit Hilfe der Astronomy Tools (Set aus Aktionen für Photoshop) nachbearbeitet. Aus dem Vordergrund war leider nicht mehr viel rauszuholen, der war einfach zu stark „abgesoffen“ (dunkel). Aber aus der Milchstraße konnte ich noch einiges an Farben und Strukturen rausholen, ohne das Bild dadurch „unbrauchbar“ zu machen – was häufig bei starken Bearbeitungen eines Einzelbildes der Fall ist.

Das Ergebnisbild aus 55 Einzelaufnahmen habe ich in Photoshop mit den Astronomy Tools nachbearbeitet

Der zweite Versuch: APS-C Kamera

In einem zweiten Versuch nahm ich mir einen weiteren Zeitraffer aus Chile vor, den ich mit einer APS-C Kamera aufgenommen habe. Da ich hier mit ISO 3200 fotografiert habe, rauschten die Einzelbilder entsprechend stark. Zudem war ich mit der Schärfe im linken Bildbereich nicht wirklich zufrieden und die Bedingungen in dieser Nacht waren nicht die besten… Aber für den Test des SLS sollten diese Bilder nun herhalten, insbesondere da sie drei Punkte zeigen sollten:

  • Wie stark kann ich durch Stacking das Rauschen in Bildern von einer Crop-Kamera reduzieren?
  • Würden Flugzeugspuren wie in anderen Stacking-Programmen im finalen Ergebnisbild „verschwinden“?
  • Wie kommt der SLS mit einem etwas komplizierteren Vordergrund – wie in diesem Fall Kakteen – klar?

Ich suchte mir also dieses Mal 10 Bilder aus der Zeitraffersequenz heraus, die zum Großteil Flugzeugspuren enthielten.

Die Einzelaufnahmen wurden bei 15 mm an einer APS-C Kamera mit 20 s bei f/2.5 und ISO 3200 aufgenommen.

Die kritische Stelle um den Busch und den Kaktus herum konnte der SLS erstaunlich gut erkennen und den Himmel dahinter gut maskieren. Ohne an dieser Stelle eingreifen zu müssen, erhielt ich das folgende Ergebnis (linkes Bild) – hinsichtlich der Details des Vordergrundes nicht vom Einzelbild (rechts) zu unterscheiden wie ich finde.

Auffallend ist jedoch im Vergleich mit einem Einzelbild das deutlich reduzierte Rauschen im Himmel und auch im Vordergrund – auch wenn letzterer auf Grund der fehlenden Helligkeit mehr eine schwarze Silhouette darstellt. Im Ergebnisbild konnte ich zwar auf Grund des nicht optimalen Ausgangsmaterials keine Wunder mehr vollbringen, aber die Magellanschen Wolken und der „unattraktivere“ Teil der Milchstraße mit dem Kohlensack und dem Carinanebel kommen trotzdem ganz nett rüber wie ich finde.

Im Ergebnisbild aus 10 Einzelaufnahmen ist die Flugzeugspur nicht mehr sichtbar und das Rauschen konnte deutlich reduziert werden.

Dieses Beispiel konnte jedoch meine drei Ausgangsfragen wunderbar beantworten:

  • Ja, es lässt sich einiges an Rauschen reduzieren, was trotz nicht optimaler (d.h. nicht sehr rauscharmer) Kamera zu einem guten Ergebnis führte.
  • Die Flugzeugspuren wurden wie erhofft durch das Stacken komplett eliminiert.
  • Das Maskieren des Himmels hinter den Kakteen im Vordergrund klappte wunderbar ohne große manuelle Eingriffe! Jeder, der mal eine solche Ebenenmaske in Photoshop „per Hand“ angelegt hat um den Himmel separat zu bearbeiten, weiss wie nervig so etwas sein kann!

Ausschnitt des zweiten durch den SLS erzeugten Ergebnisbildes – ohne Vordergrund, um den Himmel separat bearbeiten zu können

Mein Fazit

In Summe muss ich sagen, dass ich bereits nach den ersten zwei Versuchen total begeistert bin! Es ist einfach aber effektiv – ähnlich wie die Panoramafotografie oder das Stacken von Mondaufnahmen: wenig Mehraufwand für sichtbar bessere Ergebnisse. Ich werde daher zukünftig bei allen Astro-Landschaftsaufnahmen mehrere Bilder eines Motivs aufnehmen, um sie notfalls hinterher stacken zu können. Insbesondere für Besitzer einer Crop-Kamera dürfte diese Bearbeitungstechnik interessant sein, da hier das Bildrauschen doch nochmal um Einiges höher ist als bei einer Vollformatkamera. Und auch sonst kann man mit dieser Technik meiner Meinung nach ruhig bei den Aufnahmen eine ISO-Stufe höher gehen, als man dies normalerweise bei einer Einzelaufnahme tun würde (in meinem Fall ISO 6400 statt 3200 an der Canon 6D) und gewinnt so natürlich sehr viel mehr Bildinformationen.

Ich werde die Technik auch bei Panoramaaufnahmen mal ausprobieren, sobald sich mir die Gelegenheit dazu bietet…

 

Alternative für Windows

Wer nicht im Besitz eines Apple-Computers ist, kann es mal mit dem kostenfreien Tool „Sequator“ versuchen. Ich selbst habe damit noch keine Erfahrungen sammeln können, werde dies aber sicher auch zeitnah mal machen – schon allein um einen Vergleich für mich ziehen zu können. Ich werde dann an dieser Stelle berichten, und bin natürlich auch froh über Deinen Kommentar, wenn Du auch schon Erfahrung mit der einen oder anderen Lösung zum Stacken von Astro-Landschaftsaufnahmen gesammelt hast! Eine Entwicklung des SLS für Windows plant der Entwickler nach eigener Aussage aktuell leider nicht.

1 Antwort
  1. Horst says:

    Hallo Katja,
    sehr gut beschrieben Deine Vorgehensweise. Ist auch für mich interessant obwohl ich mit Windows arbeite.
    Ich habe erste Versuche in New Mexico gemacht und dort die Milchstrasse voll erwischt.
    Schau mal auf meine Site unter „USA-Extratour-Organ Pipe“.
    Viele Grüsse
    Horst

    Antworten

Trackbacks & Pingbacks

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.