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3D-Milchstraßenplanung unter iOS mit „TPE 3D“

„The Photographer’s Ephemeris“ (Download im App-Store) – diese App mit dem zungenbrecherischen Namen ist mittlerweile meine meistgenutzte App für die einfache Astrofoto-Planung. Besser aussprechbar auch mit „TPE“ abgekürzt gibt es seit Mitte Juni eine weitere App in dieser Familie: „TPE 3D„. Bei näherer Betrachtung ist diese App für die Milchstraßenplanung Gold wert! Warum, erfährst Du in diesem Blogbeitrag.

Milchstrasse am Sylvensteinstausee – wie gut kann man dieses Bild mit TPE 3D planen?

Um dieses Bild am Sylvensteinstausee zu planen, bin ich damals tagsüber an den Fotospot gegangen, um mit PhotoPills in der „Augmented Reality“ zu sehen, wann genau das Milchstraßenzentrum in der Senke rechts neben dem Berg steht. Damit konnte ich das reale Bild meiner Smartphone-Kamera überlagert mit der Milchstraße sehen, und wußte so, wann ich ungefähr Nachts am Standort sein muss.

Milchstraßenplanung vom Sofa aus

War dieses Vorgehen an diesem Standort noch vergleichsweise einfach – kostete es doch nur einen Spaziergang von 15 Minuten – so kann dies für einen Fotospot hoch oben in den Bergen schon schwieriger werden. Dafür gibt es jetzt jedoch die geniale App „TPE 3D“, deren Funktion ich mal anhand zweier Beispiele ausprobiert habe. Zunächst habe ich versucht, mein bereits aufgenommenes Milchstraßenfoto vom Sylvensteinstausee in der App nachzustellen, um deren Genauigkeit und Verlässlichkeit zu testen. Und was soll ich sagen: ich war ziemlich baff!

Die Planung, wo das Milchstraßenzentrum von einem Standpunkt aus hinter den Bergen zu sehen sein wird, ist ziemlich genial!

Nachdem ich es geschafft hatte, den Standort-Pin exakt zu setzen, zeigte mir die App tatsächlich ein ziemlich genaues 3D-Profil der umliegenden Berge und ich konnte sehen, dass das Milchstraßenzentrum am Aufnahmetag um 1:45 Uhr genau in der Senke liegen würde. Das passte erstaunlich gut!

Exakte Planung von Mondaufnahmen

Noch überraschter war ich, als ich ein Bild meines diesjährigen Chile-Urlaubs für einen Test der Mond-Darstellung in der App hernahm.

Den Mondaufgang in Chile hätte ich mit TPE 3D auf die Minute genau planen können!

Hier habe ich den aufgehenden Mond fotografiert, als er gerade hinter der Bergkette hervorkam. Was man hier sieht, ist übrigens das „aschgraue Mondlicht“, also der dunkle Teil des Mondes – die helle Mondsichel ist erst ansatzweise rechts zu sehen. Da die Sichel erst nach dem dunklen Teil über dem Bergrücken aufging, konnte ich zum ersten Mal im Leben den dunklen Teil des Mondes deutlich mit bloßem Auge sehen – sehr genial! Planbar war der genaue Zeitpunkt dieses Ereignisses für mich damals noch nicht wirklich, da der Mondaufgang an diesem Tag bereits 4:09 Uhr war, er sich jedoch erst mehr als eine Stunde später über dem Berg zeigte. Daher wollte ich auch hier mal sehen, wie gut TPE 3D mir hier hätte helfen können. Und wie Du selbst oben im Bild sehen kannst (für den Mond rechts musst Du etwas genauer hinschauen), passt es auf die Minute genau! Das ist schon sehr genial!

Bedienung der App

Wenn Du dies siehst und dich selbst schon mal mit der Planung von Milchstraßen- oder Mondfotos beschäftigt hast, wirst Du diese Funktionen vermutlich ähnlich genial und hilfreich finden wie ich. Betrachtet man die Screenshots aus ästhetischen Gesichtspunkten und die App aus ergonomischer Sicht, so haut sie (mich zumindest) nicht sofort vom Hocker. Das war auch der Grund, warum ich sie schon seit ein paar Wochen auf dem iPad hatte, aber erst gestern die Muße hatte, mich mal genauer mit der Bedienung zu beschäftigen.

Im Flugmodus lassen sich Gebirgsstrukturen und sogar Schattenwürfe in TPE 3D betrachten

Hat man dies jedoch erstmal heraus, können die speziellen Funktionen der App für Astrofotografen schon extrem hilfreich sein! Da ich selbst erstmal etwas ratlos war, was in der App zu tun ist, hier noch ein paar Hinweise zur Bedienung – ohne die App dabei vollständig zu erklären. Dazu gibt es in den Appeinstellungen entsprechende Verweise auf ein Hilfedokument und Tutorial-Videos:

  • Beim Starten der App befindest Du Dich erstmal in einer Art Flugmodus, in welchem Du Dich durch doppelten Fingertipp (ähnlich wie bei Google Street View) schrittweise bewegen kannst und durch das Bewegen von zwei Fingern den Blickwinkel ändern kannst. Die Flughöhe kannst Du rechts an einer Skala einstellen. Wenn Du Dich dabei komplett verirrst, kannst Du jederzeit durch das Symbol rechts oben wieder auf die maximale Flughöhe aufsteigen.
  • Unten in der Zeitleiste kannst Du Dich am oben ausgewählten Tag zeitlich vor und zurück bewegen. Dabei ändert sich je nach Tages- oder Nachtzeit die Farbe des Himmels. Die runden Punkte in der Zeitleiste symbolisieren die Auf- und Untergangszeiten von Sonne (gelb), Mond (blau) und Milchstraßenzentrum (weiß). Zu diesen kannst Du per Fingertip auch direkt hinspringen.
  • Um für einen Standort die Milchstraßen- oder Mondplanung vorzunehmen, musst Du erst einmal einen Standort-Pin setzen. Am besten geht dies, wenn man die genauen GPS-Koordinaten dafür in einer anderen App ermittelt und kopiert – oder notfalls per Hand in TPE 3D einfügt. Dies geschieht über die Lupe unten rechts. Das manuelle Setzen eines Standorts direkt in der App ist eher schwierig, da die OpenStreetMap als 3D-Overlay dargestellt ist und man hier nicht sehr detailreich zoomen kann.
  • Der Trick ist dann, einmal doppelt auf den gesetzten (roten) Pin zu tippen. Damit wechselt die App aus der Flugposition an den Kamerastandpunkt und Du siehst alles um diesen Standpunkt herum in 3D dargestellt.
  • Nun musst Du noch mit dem Zauberstabsymbol (rechts oben der letzte Button) in den erweiterten Modus gehen und in der Zeitleiste in die Nacht wechseln, dann siehst Du die „Wanderung“ der Milchstraße relativ zu den Bergen. Genauso geht dies mit der Sonne und dem Mond, wobei man die manchmal genau suchen muss.
  • Durch Zoomen (die bekannte 2-Finger-Geste) kannst Du schließlich noch die Brennweite ändern, um den ungefähren Bildausschnitt sehen zu können.

Mein Fazit

Als Ergänzung zu TPE finde ich diese App wirklich klasse, wenn Du für einen Dir noch unbekannten Standort eine genaue Milchstraßenplanung oder die Planung eines Mond-Shots machen möchtest. Und viele Milchstraßen-Fotografen werden das Problem kennen: Gerade in den Bergen ist dann doch oft ein Berg im Weg oder an der falschen Stelle – was man am Rechner zu Hause so nicht sehen konnte. Dies zu vermeiden hilft die App schon extrem gut, sofern man den exakten Standort eingibt. Dies ist noch ein kleines Manko der App. Ansonsten ist Sie jedoch ihr Geld von 12,99 € (Download im App-Store) durchaus wert und kann dafür sowohl auf dem iPhone als auch auf dem iPad genutzt werden. Für Android ist sie leider noch nicht verfügbar, aber hier ist ja auch die normale TPE-App etwas eingeschränkter als unter iOS.

Zu TPE („The Photographer’s Ephemeris“) werde ich demnächst nochmal einen separaten Artikel schreiben, in dem ich meine meistgenutzten Aktionen vorstelle. Heute sollte es aber erstmal ausschließlich um diese spezielle App gehen.

2 Kommentare
  1. Elfrun says:

    Liebe Katja,
    danke für die ausführliche Beschreibung. Schade, dass die App (noch?) nicht für Android verfügbar ist. Ich würde sie sehr gerne nutzen. Gerade die Berge machen mir bei der TPE ohne 3D häufig eine Menge „Probleme“.

    Btw: 1. Danke für Dein tolles Buch. Es ist genau das, wonach ich lange gesucht hatte. Volltreffer 🙂
    2. Machst Du Dir schon Gedanken über die Mondfinsternis im Juli nächstes Jahr?

    Antworten
    • Katja Seidel says:

      Ja, das stimmt. Aber für Android ist ja leider auch die normale TPE-App funktional noch etwas hinter der iOS-Version, von daher wäre ich skeptisch, ob die 3D-Version in absehbarer Zeit für Android kommen wird. Hängt vermutlich vom Erfolg der iOS-Version ab, ob sich der Aufwand lohnt. Und es freut mich natürlich, dass dir das Buch gefällt – dann habe ich mein Ziel erfüllt und scheinbar eine Marktlücke füllen können 🙂 Mit der Mondfinsternis habe ich mich noch nicht beschäftigt, ist ja noch ein bisschen hin.
      LG, Katja

      Antworten

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