Cokin P820, P830 und Tiffen Double Fog 3 – Drei Filter für die Sternenfotografie im Vergleich

Es gibt ganze 88 offiziell festgelegte Sternbilder, die durch ihre hellen Sterne visuell sehr gut am Nachthimmel zu erkennen sind. Auf einem Foto hingegen lassen sie sich jedoch schon wesentlich schlechter identifizieren, da die Kamera wesentlich mehr Sterne sieht und die Sternbilder häufig in der Menge „untergehen“. Willst Du helle Sterne auf Nachtaufnahmen besonders hervorheben, so kannst Du dies schon während der Aufnahme tun – mit Weichzeichnern oder Nebelfiltern, die eigentlich für die Tagfotografie entwickelt wurden. Ich habe drei davon getestet und die Ergebnisse verglichen…

Filter in der Nacht?

Es gibt so einige Diskussionen, ob es sinnvoll ist, Filter in der Nacht einzusetzen. Da gibt es zum einen die sogenannten „Lichtverschmutzungsfilter“, welche das Licht der Natriumdampflampen schon bei der Aufnahme herausfiltert und somit auch die Lichtverschmutzung im Bild reduziert. Hierzu habe ich vor einiger Zeit bereits einen Blogartikel geschrieben.

Eine weitere Filterart, die sinnvoll eingesetzt werden kann, sind Weichzeichner oder Nebelfilter. Den Effekt dieser Filter versteht man besser, wenn man mal in einer nebeligen Nacht oder bei leichten Schleierwolken fotografiert hat. Durch den Nebel wirken insbesondere helle Sterne größer und markanter auf dem Bild, was durchaus einen optisch hübschen Effekt gibt.

Diese Aufnahme des Milchstraßenzentrums entstand an einem nebeligen Morgen in Chile. Der Nebel verleiht den hellen Sternen einen gewissen leuchtenden Hof.

Nun bekommt man solchen Nebel natürlich nicht „auf Bestellung“ und möchte diesen i.d.R. auch vermeiden, da er auch die Sicht verschlechtert. Um nun solch einen Effekt künstlich zu erzeugen, gibt es verschiedene Weichzeichner oder auch direkte Nebelfilter auf dem Markt. Ursprünglich sind diese meines Wissens nach nicht für die Sternenfotografie, sondern eher für Effekte bei Tag entwickelt worden – aber ähnlich wie der „Red Enhancer“, den man als Lichtverschmutzungsfilter nutzen kann, eignen sich auch diese Filter für die Nachtfotografie.

Schraub- oder Steckfilter?

Grundsätzlich gibt es diese Filter in Form runder Schraubfilter sowie rechteckiger Steckfilter. Welchen Du verwenden solltest, ist im Grunde genommen Deiner persönlichen Präferenz überlassen.

Das Cokin-System besteht aus einem Adapterring, einem Filterhalter und einem Rechteck-Filter, in diesem Fall dem Weichzeichner P830

Anders als bei z.B. Grauverlaufsfiltern, bei denen das Steckfilter-System definitiv sinnvoll ist um den Grauverlauf variabel an den Horizont anzupassen, ist ein Weichzeichner oder Nebelfilter einheitlich über die gesamten Filterfläche. Der Vorteil eines Schraubfilters ist sicherlich, dass dieser keine weitere Halterung benötigt und mittels Step-up-Ring auch auf kleinere Objektivdurchmesser geschraubt werden kann. Ich besitze beispielsweise alle meine Schraubfilter in 77 mm Durchmesser, womit diese direkt auf viele Objektive passen. Für alle anderen wichtigen Objektive mit kleinerem Durchmesser verwende ich dann einen Adapter.

Für ein Steckfilter-System, wie es beispielsweise Cokin anbietet, benötigt man einen Spezialfilterhalter sowie den passenden Adapterring, der direkt aufs Objektiv geschraubt wird. Dies hat den Vorteil, dass man auch mehrere Filter hintereinander stecken kann – was jedoch in der Nachtfotografie eher keine Rolle spielt. Welche Größe des Rechteckfilters man benötigt, hängt wieder vom Objektivdurchmesser ab, und wirkt sich natürlich auch auf den Preis aus. Für meine Objektive genügt mir beim Cokin-System die P-Serie (Größe M), welche für Filterdurchmesser bis 82 mm geeignet ist. Wenn man wie ich solch ein System bereits für die Tagfotografie verwendet, lässt sich dieses natürlich auch super für die Nacht verwenden – denn zwei der hier getesteten Filter stammen aus dem Hause Cokin und sind genau für dieses Steckfilter-System geeignet.

Die Sache mit der Verfügbarkeit

Schon recht bald, nachdem ich mit der Astrofotografie begonnen habe, hörte ich von den Weichzeichner-Filtern „P820“ und „P830“ von Cokin. Die Beispiele, die ich im Netz dazu finden konnte, gefielen mir sehr gut. Nur leider war der etwas schwächere P820 nirgends mehr zu bekommen – und taucht auch in der Liste der Creativ-Filter bei Cokin nicht mehr auf. Und so besorgte ich mir im Sommer 2015 erst einmal den verfügbaren P830*, der mit etwa 25 € einen noch vertretbaren Preis hatte. Meine ersten Tests in den Bergen enttäuschten mich dann allerdings etwas, da mir der Vergrößerungseffekt am Sternenhimmel dann doch deutlich zu stark ausfiel.

Bei dieser 30 Sekunden belichteten Aufnahme mit dem Cokin P830 treten die hellen Sterne für meinen Geschmack schon zu stark hervor.

Bei einer für 60 Sekunden nachgeführten Aufnahme trat der Effekt noch stärker hervor. Hier ist die Aufnahme ohne Filter (links) doch wesentlich augenfreundlicher.

Seitdem hat der Filter daher weitestgehend sein Dasein im Schrank gefristet, bis ich dann Anfang 2016 einen alternativen Filter auf dieser englischen Astrofoto-Seite entdeckte: den „Tiffen Double Fog 3“ Schraubfilter. Auch dieser war dann irgendwann verfügbar, so dass ich mir auch diesen im April 2016 kaufte. Von den Effekten im Sternenhimmel war ich durchaus angetan, allerdings legte dieser Filter auch einen ordentlichen Nebelschleier über den Vordergrund, was weniger schön war bzw. Nacharbeit bedeutete, da man eigentlich immer eine Aufnahme mit und eine ohne Filter machen musste, um diese später in der Bearbeitung zu kombinieren.

Das Sternbild Orion kommt durch den Filter wesentlich besser zur Geltung – allerdings liegt auch über dem Vordergrund ein deutlicher Nebelschleier.

So kam auch dieser mit fast 130 € sehr viel teurerer Filter nicht wirklich häufig zum Einsatz – leider!

Bis ich dann vor Kurzem darauf aufmerksam wurde, dass es scheinbar noch eine letzte Charge des Cokin P820 gibt, und zwar beim Fernrohrland, die nach eigener Aussage auf der Webseite „exklusiv die letzte Charge dieser Filter in Auftrag gegeben“ haben. Wieviele Exemplare dieses Filters noch verfügbar sind, weiß ich leider nicht – ich habe mir zwar dort einen bestellt, habe aber ansonsten keinen Kontakt zu diesem Anbieter. Der Versand per UPS ging allerdings problemlos innerhalb weniger Tage. Insgesamt fielen für diesen Filter Gesamtkosten (inkl. Versand) von knapp 46 € an, was durchaus vertretbar ist.

Der direkte Vergleich

Voller Spannung nutzte ich die heutige kurze Wolkenlücke, um alle meine drei Filter nun einmal im direkten Vergleich gegeneinander antreten zu lassen. Dabei nutzte ich ein 24 mm Weitwinkelobjektiv und lichtete zum einen den reinen Sternenhimmel und zum anderen einen (zugegebenermaßen nicht sehr hübschen) Vordergrund mit etwas Sternenhimmel ab. Die Bilder gewinnen sicherlich keinen Schönheitspreis, allerdings war die Wolkenlücke auch so kurz, dass es nur für ein paar Aufnahmen im Garten reichte. Sie zeigen aber denke ich schon recht deutlich die unterschiedliche Wirkung und Stärke der verschiedenen Filter:

Das Sommerdreieck aus Wega, Altair und Deneb ist dank der Filter deutlich zu erkennen. Die unterschiedlichen Wirkungen der verschiedenen Filter zeigen sich im direkten Vergleich ebenfalls recht deutlich.

Am Deutlichsten zeigt sich die Veränderung des Vordergrunds beim „Tiffen Double Fog 3“ Nebelfilter. Die Cokin Weichzeichner hingegen wirken weit weniger stark auf den Vordergrund und den restlichen Himmel.

Mein Fazit

Im Unterschied zu meinem ersten Versuch mit dem P830 (siehe oben) herrschte in der heutigen Nacht scheinbar eine deutlich bessere Sicht, da sich die Ergebnisse trotz gleicher Brennweite doch signifikant unterscheiden. Trotzdem gefällt mir persönlich der etwas dezentere Effekt des P820 besser als der des stärkeren P830. Der Tiffen Double Fog 3 hingegen erzeugt mir im direkten Vergleich doch einen deutlich zu starken Nebelschleier – und dies nicht nur im Vordergrund, sondern auch am gesamten Sternenhimmel. Der Vordergrund mit dem P820 ist dagegen noch wunderbar kontrastreich und nahezu identisch zum Bild ohne Filter.

Selbst eine Heizmanschette um den Cokin-Filterhalter erzeugt keine nennenswerte Randabschattung bei meinem Tokina Firin 20 mm

In Summe ist es eigentlich das, was ich in meinen Nachtaufnahmen erreichen möchte: eine dezente Betonung der helleren Sterne und somit der verschiedenen Sternbilder oder Asterismen (auffällige Sternenkonstellationen, jedoch keine eigenen Sternbilder). Dies verleiht dem Sternenhimmel das gewisse Etwas, ohne zu übertrieben oder auffällig zu wirken. Daher werde ich den neuen Filter wohl demnächst häufiger verwenden – definitiv häufiger als die bisherigen Exemplare! Und selbst dem Tauproblem kann man vermutlich mit der üblichen Heizmanschette zu Leibe rücken – zumindest erzeugt eine Heizmanschette um den Filterhalter weder an meinem 24 mm Walimex (77 mm Durchmesser) noch am 20 mm Tokina Firin (62 mm Durchmesser) eine nennenswerte Randabschattung.

Für alle, die ebenfalls einen solchen Filter kaufen möchten, hier nochmal die Links dazu:

Hast Du auch schon Erfahrungen mit diesen oder ähnlichen Filtern gesammelt? Dann freue ich mich über einen Kommentar unter diesem Beitrag!

 

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2 Kommentare
  1. Bernd Pröschold says:

    Sehr schöner Vergleich, Katja. Ich teile Dein Fazit, dass der P 820 das ästhetischste Bild liefert. Mein Hoya Softon A Schraubfilder (der anscheinend nicht mehr hergestellt wird) ist übrigens auch nicht dezenter als der Colin P 830.

    Die Cokin-Filter haben übrigens den Vorteil, dass man sie einfach nur ein paar Sekunden vor die Linse halten kann und den Rest der Belichtung ohne Filter macht. Der P 830 kann mit dieser Methode ja vielleicht ähnliche Ergebnisse liefern wie der P 820?

    Antworten
    • Katja Seidel says:

      Hi Bernd,
      vielen Dank, schön hier von Dir zu lesen! Irgendwie komisch, dass die besten Weichzeichner irgendwie nicht mehr hergestellt werden… Ich werde auf jeden Fall mal weiter mit den beiden Cokins experimentieren, bin aber auf jeden Fall froh, den P 820 endlich mal bekommen zu haben!
      LG und vielleicht bis bald mal wieder, Katja

      Antworten

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