Astrourlaub im Sternenpark Westhavelland

Was sind die zwei wichtigsten Zutaten für ein gelungenes Astrofoto? Neben dem Fotografen und der Ausrüstung sicherlich ein möglichst dunkler Himmel und gutes Wetter! Beides hatte ich im Überfluss bei meinem Besuch im Sternenpark Westhavelland im Sommer 2016!

Sternenpark Westhavelland

Was ist denn ein Sternenpark?

Als ich zum ersten Mal vom „Sternenpark“ in der Nähe von Berlin gehört habe, konnte ich mir nur wenig darunter vorstellen. Sterne gibt es doch überall – was ist also das Besondere an einem Sternenpark? Nach ein wenig Recherche wusste ich dann, dass es sich hierbei um eine offiziell ausgewiesene, besonders dunkle Region in Deutschland handelt, in der sich die Sterne besonders gut beobachten und fotografieren lassen. Der Grad der Lichtverschmutzung – also die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliches Licht – ist in einem anerkannten Sternenpark geringer als anderswo. Der Naturpark Westhavelland wurde daher im Februar 2014 von der „International Dark-Sky Association“ (IDA) als sogenanntes „Dark Sky Reserve“ anerkannt, und war somit der erste offizielle Sternenpark in Deutschland (offizielle Webseite: https://www.sternenpark-westhavelland.de). Mittlerweile gibt es weitere Sternenparks in der Eifel und der Rhön, die sich ebenfalls dem Erhalt des dunklen Nachthimmels verschrieben haben. Näheres dazu und zu alle wichtigen Informationen rund um das Thema Lichtverschmutzung findest Du hier.

Sternenpark Westhavelland

Der Himmel über dem Sternenpark ist zwar sehr dunkel, allerdings ist die Lichtglocke des ca. 65 km entfernten Berlins deutlich am Horizont zu sehen!

Auf Grund der Nähe zu meinem Wohnort entschied ich mich im Sommer 2016, dem Sternenpark Westhavelland zur Neumondzeit einen Besuch abzustatten. Schnell wurde ich dabei auf die Ferienhausvermietung Zemlin aufmerksam, die Ferienwohnungen mitten im Sternenpark vermieten und auf Wunsch auch „Astropakete“ anbieten.

Nach einem kurzen Telefonat war die Unterkunft gebucht und der Sommer konnte kommen. Neben der Astrofotografie wollte ich in den zehn Tagen dort auch einfach mal entspannen und an meinem Buch arbeiten, daher kam mir die Abgeschiedenheit und Ruhe des Ortes Lochow an einem kleinen Waldsee gerade recht. Der See bot sich bei Temperaturen jenseits der 35 Grad auch definitiv als willkommene Abkühlung an!

Polarlicht über dem Havelland

Gleich am ersten Abend war es jedoch mit der Erholung bei einem Gläschen Wein gleich vorbei, als ich im Internet eine Polarlichtwarnung für Deutschland sah! Gleich nach Ende der astronomischen Dämmerung machte ich mich also auf zum Südufer des Lochower Sees um mit ein wenig Glück gleich das erste Erfolgserlebnis zu haben. Leider waren die Polarlichter hier nur kurz und relativ schwach zu fotografieren – visuell war nichts zu erkennen. Aber immerhin…

Polarlicht Sternenpark Westhavelland

Polarlicht über dem Lochower See im Sternenpark Westhavelland

Die Milchstraße über dem Sternenpark

In den folgenden Tagen und Nächten hätte das Wetter nicht besser sein können – strahlende Sonne tagsüber und ein sternenklarer Himmel in der Nacht! Und was für einer: es ist schon klasse, wenn man direkt von der Terrasse aus einen so fantastischen Sternenhimmel präsentiert bekommt, an dem die Milchstraße nicht zu übersehen ist! Und auch eine kleine Nachtwanderung hinaus auf die Felder hinter Lochow bot mit der Milchstraße ein wunderbares Motiv für nächtliche Landschaftsaufnahmen. Bei diesen Aufnahmen zeigte sich jedoch auch sehr schnell ein Problem, was es auf Grund der dichten Besiedlung in Deutschland auch in einem Sternenpark gibt: die Lichtverschmutzung am Horizont.

Ideale Bedingungen für Deep Sky Aufnahmen

Hoch am Himmel direkt über dem Sternenpark kannst Du jedoch definitiv von der geringen Himmelshelligkeit profitieren – sowohl beim Beobachten, als auch beim Fotografieren. So habe ich in einigen Nächten meine Kamera samt Teleobjektiv auf meiner Reisemontierung (siehe dazu auch diesen Blogbeitrag) laufen lassen, um Deep Sky Aufnahmen von Nebeln u.ä. zu machen. Heraus kam beispielsweise die Andromedagalaxie im Sternbild Andromeda und der Nordamerikanebel im Sternbild Schwan. Beide Bilder bestehen aus vielen Einzelbildern, die in der Nachbearbeitung zu einem Gesamtbild addiert wurden, woraus eine Gesamtbelichtungszeit von einer Stunde oder mehr resultiert.

Sternepark Westhavelland

Aufnahmen der Andromedagalaxie und des Nordamerikanebels – aufgenommen im Sternenpark Westhavelland

Zemlin Sternenpark Westhavelland

Detlef Zemlin bietet zusammen mit seiner Frau neben Ferienhäusern auch Sternenführungen oder Teleskope zum Mieten an

Reichhaltiges Angebot für Astrofans

Auch die Familie Zemlin durfte ich während meines Aufenthalts besser kennenlernen. Mit ihrem Engagement und ihrer Herzlichkeit haben sie mich wirklich beeindruckt! Sie tun alles, um ihren Gästen einen angenehmen und erlebnisreichen Urlaub zu verschaffen – angefangen beim morgendlichen Brötchenservice bis hin zum gemeinsamen Beobachten am Teleskop und einer „Sternenführung“ am Himmel. Wer möchte kann eines der zahlreichen Teleskope (Typen: Dobson, Schmidt-Cassegrain, Apochromat, Newton – nähere Infos gibt es hier) für seine eigene Beobachtungen und Fotografie leihen und diese direkt vor dem Ferienhaus nutzen – besser geht’s nicht! Aber auch eines der Ferngläser, welche die Zemlins vermieten, kann schon einen beeindruckenden Blick zum Himmel bescheren! Natürlich können erfahrene Astronomen oder Astrofotografen auch ihr eigenes Equipment mitbringen und die Säulen (inkl. Stromanschluss) vor den Ferienhäusern nutzen.

Als die Zemlins von meinem Buch und meinem Ziel erfuhren, die einfache Astrofotografie unter Hobbyfotografen bekannter zu machen, war schnell klar, dass wir auch zukünftig etwas gemeinsam machen wollen. Und so ist im ersten Schritt ein Astrofoto-Workshop entstanden, den ich vom 5. bis 7. Mai 2017 im Sternenpark Westhavelland anbiete. Die Zemlins werden dabei den Seminarraum sowie Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung stellen. Wenn Petrus auch noch mitspielt, wird es neben dem Einführungsseminar auch einen praktischen Fotoworkshop in der Nacht geben…

Der Naturpark bei Tag

Aber auch tagsüber hat der Naturpark Westhavelland einiges zu bieten: Ganz in der Nähe der Ferienhäuser liegt beispielsweise der Lochower See. Hier lässt es sich tagsüber wunderbar baden und schwimmen (die Badestelle liegt direkt vor einigen der Ferienhäuser) oder aber nachts fotografieren. Ein großer Vorteil ist dabei, dass der See komplett von Wald eingerahmt ist, so dass die Wasseroberfläche meist extrem ruhig ist. Der Startrail, den ich in meiner letzten Nacht in Lochow am Südufer des Sees aufgenommen haben, spiegelt sich daher perfekt im Wasser. Wer dies mal versucht hat weiß, wie selten es vorkommt, dass ein See über mehrere Stunden (in diesem Fall fast zwei Stunden) solch eine Spiegelung zulässt!

Lochower See

Die glatte Wasseroberfläche des Lochower Sees ermöglichte eine exakte Spiegelung der Wolken bei Tag sowie eines Startrails bei Nacht

Am Ende meines Urlaubs besuchte ich dann noch den „WestHavelländer AstroTreff“ (WHAT) in Gülpe – einem Treffen von Hobbyastronomen mit entsprechendem Rahmenprogramm (Infos zum 7. WHAT 2017 gibt es z.B. hier) . Bevor es am Abend losging, machte ich noch einen Stop am Gülper See, um von speziellen Beobachtungstürmen verschiedenste Vögel zu beobachten und zu fotografieren – ein beeindruckender Anblick und eine wahnsinnige Geräuschkulisse!

Gänse Gülper See

Hunderte Gänse am Gülper See können ganz schön Lärm machen!

Spinne Gülper See

Im Wald am Gülper See gab es (leider) massenhaft Kreuzspinnen

Wer wie ich eine ausgeprägte Spinnenphobie hat, sollte sich jedoch in Acht nehmen. Als ich im Wald am Gülper See unterwegs war, „lauerten“ hier alle paar Meter Kreuzspinnen in ihren Netzen. Das trübte die ansonsten fantastischen Eindrücke in diesem Teil des Naturparks leider für mich ein wenig.

Fazit

Ansonsten war es jedoch ein wunderschöner Urlaub im Sternenpark Westhavelland. Sicher gibt es hier keine wirklich spektakulären Landschaften, dafür aber unheimlich viel Ruhe und  einen atemberaubend sternenreichen Nachthimmel – bei mir sogar nahezu an allen der insgesamt 10 Tage meines Aufenthalts.

Wenn Du also ebenfalls astrobegeistert bist und nicht gleich nach Namibia oder eine andere dunkle Region der Welt reisen willst oder kannst, dann mach doch einfach mal Urlaub in der Heimat!

Und wenn Du diesen oder einen anderen Sternenpark in Deutschland bereits kennengelernt hast, dann freue ich mich über Deine Erfahrungen und Eindrücke in den Kommentaren!

4 Kommentare
  1. Michael Schomann says:

    Toller Bericht, dem ich nur zustimmen kann. Im Jahr 2014 war ich auf dem WHAT Teleskoptreffen in Gülpe mit meiner Frau. Ein super Kuchenbuffet und natürlich ein schöner Sternenhimmel. Den Zeitraffer vom 29. August 2014 gibt es hier zu sehen: vimeo.com/106363802

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    • Katja Seidel says:

      Danke Michael! Ich war ja nur für ein paar Stunden auf dem WHAT im letzten Jahr, aber dort herrscht schon ein reges Treiben, wie man auch in deinem Zeitraffer sieht. Leider gab es letztes Jahr nicht ganz so schönes Wetter. Aber ein Besuch ist ein solches Treffen sicher allemal wert!

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    • Katja Seidel says:

      Hallo Tom, vielen Dank! Es ist ja auch wirklich schön da – wie auch Deine Bilder sehr schön zeigen! Ich bin jetzt nicht soo oft da – das nächste Mal am WE des WHAT im September, da habe ich meinen nächsten Astrofoto-Workshop dort und werde wahrscheinlich noch einen Tag Erholung dranhängen, wenn man schonmal in solch einer ruhigen Gegend ist 😉

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