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Astrourlaub in Chile – Teil 1

„Lust Ende März nach Chile mitzukommen?“ las ich am 10.10.2016 plötzlich in meinem Messenger am Smartphone. Drei Jungs – zwei davon kannte ich schon vom Island-Urlaub 2015 – planten offenbar einen Astrofotourlaub in Chile und hatten noch einen Platz zu vergeben. ‚Warum nicht‘, dachte ich, ‚klingt cool! Man lebt schließlich nur einmal.‘ Ein paar Tage und eine Videokonferenz später war dann alles klar – es würde in weniger als 6 Monaten für 3 Wochen auf Astrourlaub nach Chile gehen!

Die Milchstrasse und die scheinbar riesige Große Magellansche Wolke sind wirklich atemberaubend auf der Südhalbkugel!

Als der März immer näher rückte, realisierte ich erst so richtig, dass es in diesem Urlaub einige Premieren für mich geben würde: das erste Mal auf der Südhalbkugel, so weit weg von zu Haus wie nie zuvor und wahrscheinlich auch das erste Mal in einer Höhe von über 4.500 Metern! Das Abenteuer konnte also beginnen…

Die traumhaften Anden aus dem Flugzeug fotografiert

Von München aus ging es zunächst nach Rom und von dort in einem 15-stündigen Marathon-Flug direkt nach Chile. Geschlafen habe ich währenddessen nicht sehr viel, obwohl das Flugzeug nur etwa zur Hälfte besetzt war. Dafür nutzte ich die Chance, ein paar erste Fotos beim Überflug der Anden zu machen. Allein diese Bilder ließen schon auf einen traumhaften Urlaub hoffen!

Fotourlaub auf der Astrofarm

Sicher mitsamt unseres Gepäcks in Santiago de Chile angekommen hieß es dann für drei von uns noch 400 km Auto fahren. Ziel war eine Astrofarm nördlich von Santiago – die „Hacienda los Andes„. Hier wollten wir Astrofotografen uns erst einmal so richtig austoben, bevor wir den Vierten im Bunde nach einer Woche wieder in Santiago treffen würden, um den restlichen Urlaub gemeinsam im Altiplano und im Süden Chiles zu verbringen.

Die Hacienda wurde ursprünglich 2001 als Pferderanch aufgebaut, dann 2008 von einem Deutschen übernommen um schließlich 2010 erneut übernommen und als Sternwarte aufgebaut zu werden. Astroprofis können hier Equipment vom Feinsten mieten und sich am dunklen Sternenhimmel nach Herzenslust austoben. Es gibt aber auch einige Beton-Plattformen, auf denen man sein eigenes Equipment aufbauen kann. Wir wollten beides machen und haben uns daher für vier Nächte die dortigen Teleskope und CCD-Kameras gemietet um diverse Objekte zu fotografieren. Für mich war der Umgang mit diesem Profi-Equipment zwar komplett neu, aber nichtsdestotrotz natürlich sehr spannend. Die beiden anderen waren da schon deutlich erfahrener im Umgang mit Teleskopen.

Ich muss zugeben, dass ich bis heute keine Zeit hatte, mich mit der Bearbeitung unserer Aufnahmen zu beschäftigen. Da ich Dir die wunderschönen Bilder jedoch nicht vorenthalten möchte, verweise ich gern auf die Bilder von Alexander Voigt auf Astrobin: http://www.astrobin.com/users/LexPics/. In vielen Stunden Arbeit hat er unser Fotomaterial von der Hacienda zu wirklich tollen Deep Sky Bildern verarbeitet – ein Blick lohnt sich definitiv!

Tagsüber saßen wir meist bei sonnigem Wetter in der Hacienda und Abends ging es dann hinauf zum Observatorium

Es müssen nicht immer Teleskope sein

Neben der Astrofotografie an den Teleskopen habe ich natürlich auch wieder mit meinem einfachen Equipment fotografiert – und im Vergleich war das wirklich einfach! Ich hatte meinen iOptron SkyTracker sowie zwei astromodifizierte Canon-Kameras (70D und 6D) dabei. Um die Gewichtsgrenzen des Handgepäcks im Flieger nicht allzu stark zu überreizen, habe ich mich bei den Objektiven für die Nacht auf das Walimex 24 mm f/1.4, das Irix 15 mm f/2.4 und das Canon 70-200 mm f/4 beschränkt.

Und so habe ich jede Nacht zwischen 8 und 10 Stunden in etwa 1.500 Metern Höhe auf dem Berg oberhalb der Hacienda verbracht und konnte einen wunderschönen Sternenhimmel genießen. Häufig war ich bis zum Einbruch der Morgendämmerung dort oben, manchmal sogar ganz allein am Schluss – ich konnte einfach nicht genug bekommen!

Mitten in diese wunderschöne Bergwelt im grünen Tal des Rio Hurtado ist rechts unten die Hacienda los Andes eingebettet

Eine gewisse Herausforderung stellte das manuelle Einsüden dar. Ist der Polarstern auf der Nordhalbkugel noch deutlich zu erkennen und im Polsucher der Reisemontierung einzustellen, so ist Sigma Octantis – der Referenzstern in der Nähe des südlichen Himmelspols – mit bloßem Auge kaum zu sehen. Ein Laser und ein Weitfeldfernglas – welches ich beides glücklicherweise im Reisegepäck hatte – half dann aber enorm beim Finden und genauen Einsüden. Damit war ich dann irgendwann sehr begehrt bei allen Astrofotografen, die auch mit der Ausrichtung ihrer Montierung zu kämpfen hatten.

War das Einsüden aber erstmal geschafft, machte es einen Riesenspaß, die vielen (ungewohnten) Objekte am Himmel zu fotografieren:

  • Zu meinem ersten Lieblingsobjekt wurde definitiv die Große Magellansche Wolke. Sie das erste Mal mit eigenen Augen am Nachthimmel zu sehen war einfach atemberaubend, da sie mit ihrer Helligkeit und Größe einfach nicht zu übersehen war. Auf dem Eingangsbild dieses Blogbeitrags kannst Du Sie unter dem Bogen der Milchstraße sehr prominent sehen.
  • Aber auch unsere Heimatgalaxie ist auf der Südhalbkugel noch einmal sehr viel genialer zu sehen, da das helle galaktische Zentrum der Milchstrasse im Gegensatz zu Deutschland sehr hoch über dem Horizont steht. Sieht man dies alles wie ich zum ersten Mal unter einem richtig dunklen Himmel, dann überkommt einen wirklich eine leichte Gänsehaut!
  • Neben der Magellanschen Wolke wurde schnell auch die Region um Antares herum zu einem meiner Hauptmotive. Allein schon die Farben in dieser Himmelsregion sind sehr faszinierend – in Kombination mit dem darunterliegenden Milchstraßenzentrum sieht das Ganze aber einfach großartig aus wie ich finde!
  • Nicht zuletzt war ich natürlich auch vom vergleichsweise riesigen Kugelsternhaufen Omega Centauri extrem begeistert. Schon mit einem einfachen Teleobjektiv lassen sich hier auf einem Einzelbild viele Details rausholen. Ein Traum für uns Nordhalbkugler!

Eine Auswahl meiner Deep Sky Bilder und deren erster Bearbeitung findest Du in der folgenden Bildergalerie – einfach anklicken und durchblättern für eine größere Darstellung und die entsprechenden Aufnahmedaten:

 

Und täglich grüßt der Mond

Da wir die Neumondzeit in der zweiten Woche im Altiplano verbringen wollten, begleitete uns in der ersten Woche auf der Astrofarm jeden Morgen der Mond. Das war durchaus sehr interessant zu sehen, wie sich die Milchstraßenfotografie durch den Einfluss des Mondes veränderte – unmöglich wurde sie dadurch aber nicht. Gut, der Mond war auch nur noch zu ca. 10% „gefüllt“, dies reichte jedoch um den Vordergrund etwas zu beleuchten und ließ noch genügend Dunkelheit am Himmel, um die Milchstrasse noch sehen und fotografieren zu können.

Trotz Mond war die Milchstraße noch strukturiert am Himmel zu sehen.

Einen besonderen Morgen erlebten wir am vorletzten Tag auf der Hacienda. Es war bereits kurz vor sieben Uhr und fast alle Astrofotografen waren bereits schlafen gegangen. Zu zweit waren wir nach dem Mondaufgang gerade dabei, unsere Fototaschen zu packen um uns auf den Weg nach unten in die Betten zu machen. Plötzlich zog Nebel aus dem Flusstal herein und erzeugte eine mystische Stimmung um uns herum. Der Nebel stieg binnen weniger Minuten bis zu uns nach oben und umhüllte uns bald vollständig. Beim Blick nach oben war aber immer noch die Milchstrasse „nebulös“ zu erkennen – ein wirklich magischer Moment!

Binnen weniger Minuten umhüllte uns der Nebel aus dem Tal und zauberte eine magische Stimmung rund um die Teleskope

Die Tage und vor allem die Nächte auf der Astrofarm gingen leider viel zu schnell vorbei. Glücklicherweise hatten wir jede Nacht einen klaren Himmel und somit optimale Bedingungen für die Astrofotografie – sei es nun mit den gemieteten Teleskopen oder der eigenen Ausrüstung. Nicht zuletzt haben wir in der Woche auf der Hacienda auch tolle Bekanntschaften gemacht – und so ein Austausch mit anderen Astroverrückten ist doch immer wieder hochspannend!

Für mich war es sicher nicht der letzte Urlaub auf der Südhalbkugel. Und wenn ich mir die Fotos dieser Woche jetzt so anschaue, fühle ich mich direkt wieder in die laue Herbstnacht auf den Berg oberhalb der Hacienda unter diesen unglaublichen Sternenhimmel zurückversetzt… und eine leichte Gänsehaut überkommt mich, so schön war es dort!

 

Wie es auf unserer Reise weiterging und was wir in den anderen zwei Wochen alles erlebt haben, kannst Du demnächst hier im 2. Teil des Blogs erfahren. Bis dahin viel Spaß mit den Fotos aus Chile!

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