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Eine unvergessliche Gewitternacht im Harz

An einem der zahlreichen Vereinsabende der Sternfreunde Hondelage wurde eine Idee geboren, die allen Beteiligten eine unvergessliche Nacht bescheren sollte. Eine Gruppe (etwas verrückter) Astrofotografen und Naturbegeisterter schloss sich spontan meiner Idee an, eine Nacht bei Vollmond im Harz zu verbringen und beeindruckende Mondlichtaufnahmen von besonderen Steinsformationen zu machen. Dieser Plan ging zwar nicht ganz auf, aber das Alternativprogramm entschädigte uns bei weitem!

Die Gewitter waren zum Glück weit genug weg um uns gefährlich zu werden – die Kulisse war dafür umso fantastischer!

Unser Plan

Ein Termin war schnell gefunden – der 4. Juli sollte es werden, so denn das Wetter mitspielt. Die Wahl des Ziels war allerdings schon schwieriger – die Szenerie sollte einerseits natürlich ansprechend sein, die Himmelsrichtung war jedoch auch nicht ganz unwichtig. Schließlich war der Plan, eine Felsformation durch den (fast vollen) Mond anstrahlen zu lassen und diesen somit als natürliche Lichtquelle für eine Tageslicht-ähnliche Aufnahme zu nutzen. Die Wahl fiel schließlich auf die Teufelsmauer im östlichen Harz, genauer gesagt das Hamburger Wappen bei Timmenrode. Hier könnte man auch wunderbar am Nachmittag wandern und anschließend das Lager an der beeindruckenden Felsformation aufschlagen.

Der heißeste Tag des Jahres

Einige Tage vorher zeichnete sich bereits ab, dass genau der 4. Juli einer der heißesten Tage des Jahres 2015 – wenn nicht sogar der Heißeste – werden würde. Davon ließen wir uns jedoch nicht beeindrucken, sondern brachen wie geplant am Nachmittag zur Wanderung auf. Im Gepäck einige Liter Wasser und eine große Portion gute Laune! Zu dritt ging es entlang der Teufelsmauer, mal sonnig, mal schattig, bis wir schließlich „leicht kaputt“ ein kleines Gasthaus kurz vor dem Ziel erreichten. Die 37 Grad, die wir dort am Thermometer ablesen konnten, erklärten auf jeden Fall die außergewöhnlich wenigen Menschen auf der Teufelsmauer an diesem Tag – immerhin ein Vorteil! Alles in allem – trotz Hitze – eine sehr schöne Wanderung mit tollen Ausblicken!

Anschließend ging es weiter nach Timmenrode, um zum eigentlichen Ziel dieses Tages bzw. dieser Nacht aufzubrechen. 750 Meter sollten es vom Parkplatz zum Hamburger Wappen sein – was nicht wirklich herausfordernd klang. Bezieht man allerdings die ca. 20 kg Gepäck pro Person, die immer noch 37 Grad Außentemperatur sowie die Steigung rauf zum Hamburger Wappen mit ein, dann sah die Sache schon etwas anders aus! Irgendwann waren wir aber alle mehr oder weniger glücklich mit sämtlichem Picknick und Fotoequipment am „Basislager“  angekommen und richteten uns für die Nacht ein. Nach und nach trudelten dann alle ein und es wurde erstmal gegessen.

Planänderungen sind nicht immer schlecht

Was uns etwas beunruhigte, waren die Unwetterwarnungen überall in der Umgebung. Ein paar Tropfen hätten wir noch in den umliegenden Unterständen und Höhlen aus dem Weg gehen können, aber einem richtigen Gewitter mochten wir hier alle nicht begegnen. Entsprechende Warn-Apps wurden also genauestens im Auge behalten. Diese zeigten jedoch mit zunehmender Dunkelheit (und nur sehr langsam abnehmender Temperatur) einige Gewitter, die genau um uns herum tobten, allerdings nicht bedrohlich nahe zu kommen schienen. Und da unser ursprüngliches „Highlight“ der Nacht – der Mond – noch hinter den Wolken versteckt auf sich warten ließ, legten wir uns mit unseren Kameras auf die Lauer nach Blitzen. Für mich war es das erste Mal, dass ich Blitze fotografiert habe und dabei quasi mittendrin statt nur dabei war. Die Aufnahmetechnik war schnell gefunden: Die Kamera auf dem Stativ an den Intervallometer (Fernauslöser) geschlossen und diesen für „normale“ Nachtaufnahmen programmiert. So liefen meine Kameras im Serienbildmodus mit jeweils 8-15 Sekunden Belichtungszeit pro Bild und ich stieß bei jedem Blitz, der während der Belichtung vom Himmel zuckte, einen kleinen Freudenschrei aus. Ich muss zugeben, es war schon ein leicht beklemmendes Gefühl, aber die kurzen Blicke aufs Kameradisplay waren äußerst vielversprechend. Und glücklicherweise kamen die Gewitter in dieser Nacht auch tatsächlich nicht näher an uns heran.

Ein seltenes Bild und fast schon unwirkliches Szenario: Gewitter mit einem klaren Sternenhimmel darüber

Auch wenn die Fotos nur ansatzweise zeigen können, wie faszinierend dieses Schauspiel war, so gefällt mir doch besonders die Kombination aus völlig klarem Sternenhimmel (sogar die Andromeda-Galaxie ist bei genauem Hinsehen zu erkennen!) und den darunterliegenden „spuckenden“  Gewitterwolken, die durch die Blitze eindrucksvoll beleuchtet wurden. Einfach immer wieder unglaublich, was die Natur so hervorbringt!

Regelmäßig ertönten Freudenschreie, wenn wieder ein spektakulärer Blitz wie dieser mit der Kamera eingefangen war

Der Mond kam ins Spiel

Der Mond tat sich zunächst schwer, hinter den Wolken hervorzukommen – was allerdings für ein paar Minuten zu einem sehr schön anzusehenden Lichtspiel führte, welches selbstverständlich auch eingefangen werden musste. Tief am Horizont ist auch hier das Wetterleuchten zu sehen, was dem Gesamtbild aus meiner Sicht einen schönen Farbklecks verleiht:

Der Mond kämpfte sich langsam hinter den Wolken hervor

Irgendwann hatte dann auch der Mond ein Einsehen – bzw. die Wolken um ihn herum, die sich gegen kurz vor 3 Uhr dann endlich mal verzogen. So kam ich dann doch noch zu den geplanten Mondlichtaufnahmen des Hamburger Wappens – zugegeben, ohne die Blitze wäre es ziemlich langweilig geworden 😉

Das eigentlich geplante Motiv des „Hamburger Wappens“ im Mondlicht – jetzt fast schon langweilig

Neben einer normalen Einzelbild-Mondlichtaufnahme ließ ich auch für die kurze verbleibende Zeit noch Serienaufnahmen für einen Startrail laufen. Dieser sah nach nur 1h Aufnahmezeit zwar nicht ganz so beeindruckend aus, hat aber trotzdem was. Insgesamt ist es für mich immer wieder faszinierend, wie sehr das Mondlicht eine Landschaft beleuchten kann! Die Aufnahmen sehen auf den ersten Blick wie normale Tageslichtaufnahmen aus, verraten aber auf den zweiten Blick anhand der Sterne am Himmel, dass es wohl doch mitten in der Nacht sein muss.

Für ein paar Minuten Startrail reichte die Zeit vor der Morgendämmerung noch

Um 6:30 Uhr ging für die meisten von uns dann diese sehr aufregende Nacht zu Ende, die wir alle wohl so schnell nicht vergessen werden! Dafür lohnt es sich allemal, mal eine Nacht „durchzumachen“. Vielen Dank an alle Sternfreunde, die dieses Abenteuer mitgemacht haben!

An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich betonen, dass wir in dieser Nacht ungewollt zu „Sturmjägern“ (Stormchasern) wurden. Der Weg zum Auto wäre im Notfall nicht sehr weit gewesen und auch die umliegenden Felshöhlen hätten uns im Erstfall Schutz geboten. Von einem Gewitter an einer ungeschützten Stelle – beispielsweise im Gebirge – überrascht zu werden, kann jedoch lebensgefährlich sein. Vor jeder Tour solltest Du daher intensiv die Wettervorhersage studieren! Wie diese besser zu verstehen ist oder Du sogar bewusst auf Gewitterjagd gehen kannst, lernst Du beispielsweise im Buch von Bastian Werner „Fotografieren mit Wind und Wetter: Wetter verstehen und spektakulär fotografieren!“ (Affiliate Link).

2 Kommentare
  1. Jan says:

    Hallo Katja,
    ich bin über den Fotoschnack vor einigen Tagen auf dich und deinen Blog aufmerksam geworden. Beim Stöbern auf der Seite bin ich bei diesem Bericht gelandet und habe über die Blitzaufnahmen gestaunt. Besonders das Foto auf dem der Blitz oben in die Wolke ein- und unten wieder austritt ist wahnsinnig toll anzuschauen.

    Viele Grüße,
    Jan

    Antworten

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