, ,

Stacking von Astro-Landschaftsaufnahmen: Starry Landscape Stacker vs. Sequator

Vor einiger Zeit hatte ich bereits über den „Starry Landscape Stacker“ berichtet – eine Mac-App, die das einfache Stacken von Astro-Landschaftsaufnahmen ermöglicht (siehe diesen Blogbeitrag). Damals war ich wirklich angetan von diesem Tool und bin es auch heute noch. Der Nachteil war und ist jedoch, dass es wie so viele Tools nicht für alle Plattformen verfügbar ist. Für alle Windows-Nutzer gibt es jedoch eine sehr gute und zudem kostenfreie Alternative: Sequator. Wie gut sich dieses Tool im Vergleich schlägt und was solche Programme überhaupt leisten können, erfährst Du in diesem Blogartikel.

Mein Camper auf der Staumauer der Okertalsperre

Ich war mal wieder unterwegs mit dem Camper… Dieses Mal an der Okertalsperre im Harz. Aus fotografischer Sicht gab es hier zwar nicht den schönsten Vordergrund, aber ich hatte von der Staumauer aus ohne viel Aufwand einen wunderbar freien Blick auf das Milchstraßenzentrum in Richtung Süden / Südwesten. Noch dazu spielte das Wetter glücklicherweise mit. Also eine ideale Gelegenheit, mein neu (gebraucht) erworbenes Samyang 50 mm f/1.4* mal auszuprobieren.

Warum überhaupt Stacking von Astro-Landschaftsaufnahmen?

Bildrauschen ist eine der größten Herausforderungen und Ärgernisse in der Astrofotografie. Zwar bieten die heutigen Kamerasensoren im Vergleich zu vor ein paar Jahren oftmals schon ein durchaus akzeptables Rauschverhalten, aber man ist ja immer versucht, noch etwas mehr herauszuholen.

Neben dem Rauschen ist auch die Belichtungszeit eine Limitation, die den Astrofotografen das Leben schwer macht. Führt man die Aufnahme nicht nach, ergibt sich durch die Erdrotation eine begrenzte Anzahl an Sekunden, die ein Bild belichtet werden kann, ohne dass die Sterne zu Strichen werden. In meinem Fall liegt diese bei 50 mm Brennweite an einer Vollformatkamera nur noch bei unter 8 Sekunden – was in der Nacht nicht mehr wirklich viel ist!

Somit ist man meist gezwungen, die ISO-Zahl auf 3200, 6400 oder noch mehr hochzudrehen, um halbwegs gut belichtete Aufnahmen zu erhalten. In der anschließenden Bearbeitung der Bilder fällt dann aber schnell auf, dass trotz rauscharmem Vollformatsensor doch ein nicht unerhebliches Bildrauschen zu sehen ist.

Das Bildrauschen macht sich bei ISO 6400 schon recht stark bemerkbar (100% Bildausschnitt)

Um dem entgegenzuwirken kann man nun entweder eine Nachführung einsetzen um länger belichten zu können – was hier nicht Thema sein soll – oder aber einfach mehrere Aufnahmen des selben Motivs mit gleichen Aufnahmeparametern machen und diese später stacken. Eine entsprechende Software führt dabei die einzelnen Bilder so zusammen, dass die Sterne – die ja auf jedem Bild auf Grund der Erdrotation eine leicht andere Position haben – genau übereinander liegen. Dies kennst Du vielleicht schon aus dem Deep Sky Stacking – also Astroaufnahmen ohne Landschaftselementen. Das Besondere beim Astro-Landschaftsstacking ist allerdings, dass der Vordergrund – der ja auf jedem Bild an exakt der gleichen Stelle ist – separat behandelt wird und somit im Ergebnis wieder ein korrektes Bild aus Landschaft und Himmel entsteht. Und dieses Bild weist ein sehr viel geringeres Rauschverhalten auf als das entsprechende Einzelbild!

Durch das Stacking von mehreren Einzelbildern (hier 65) geht das Rauschen merklich zurück (100% Bildausschnitt)

Astro-Landschaftsstacking Tools

Recht große Popularität hat in diesem Bereich der „Starry Landscape Stacker“ für den Mac erlangt, den auch ich vor ca. 1 Jahr getestet und hier im Blog darüber berichtet habe. Dieses Tool hat mich durch seine einfache Bedienung und die Ergebnisse wirklich beeindruckt. Häufig wurde ich daraufhin gefragt, ob es sowas nicht auch für Windows gibt. Gehört hatte ich damals schon vom „Sequator„, allerdings waren meine ersten Ergebnisse damit nicht sehr erfolgversprechend (oder ich habe mich zu doof angestellt), und so habe ich dieses Tool erstmal wieder beiseite gelegt.   Jetzt hat es mich dann allerdings doch wieder gejuckt und ich habe einen zweiten Versuch gestartet… wäre ja schade, wenn ein gutes Tool, was zudem noch kostenfrei ist, ungenutzt bleiben würde.

Und siehe da, dieses Mal klappte es wirklich besser mit dem Sequator und auch diese Ergebnisse überzeugten mich! Also, warum nicht beide Tools einfach mal gegeneinander antreten lassen? Dazu sollten meine Milchstraßen-Aufnahmen von der Okertalsperre herhalten, die ich mit meiner astromodifizierten Canon 6Da sowie dem 50 mm Samyang-Objektiv bei Blende f/2 und ISO 6400 aufgenommen habe. Die Belichtungszeit betrug jeweils 6 Sekunden, wobei ich insgesamt 65 Fotos innerhalb von ca. 10 Minuten machte.

Vorweg sei dazu gesagt, dass der Vordergrund (Wald) bei diesen kurzen Belichtungszeiten hoffnungslos unterbelichtet ist. Durch das Stacking lässt sich dabei zwar das Rauschen reduzieren, für einen qualitativ besseren Vordergrund hätte ich jedoch komplett andere Aufnahmen nur für diesen Teil des Bildes machen müssen – z.B. in der Dämmerung oder mit wesentlich längeren Belichtungszeiten. Diesem Thema werde ich mich ein andermal widmen, heute soll es erst einmal um die generelle Performance der beiden Tools gehen.

Starry Landscape Stacker vs. Sequator

Um zu sehen, welche Auswirkung die Anzahl der Bilder auf das finale Ergebnis hat, habe ich drei Tests gemacht: 5 Bilder, 25 Bilder und 65 Bilder. Diese habe ich jeweils im Starry Landscape Stacker (SLS) auf dem Mac und in Sequator auf dem Windows-PC gestackt. Beim SLS bin ich dabei im Wesentlichen so vorgegangen, wie ich es bereits damals im Blogartikel beschrieben habe.

Neu hinzugekommen ist, dass man sich vor dem Speichern einen Stacking-Algoritmus auswählen kann. Ich habe mich in diesem Fall für ein Median Stacking entschieden. Als Ergebnis habe ich dann einmal das Gesamtbild und einmal nur den Bereich des Himmels abgespeichert – sehr praktisch wenn man später den Vordergrund und Himmelshintergrund separat bearbeiten möchte! Dazu setzt Du einfach den Haken über dem Speichern-Button.

Klasse finde ich nach wie vor, dass man beim Starry Landscape Stacker sehr genau die Horizontlinie abgrenzen kann, indem man in der 100% Ansicht den Bereich des Himmels markiert. Dazu nutze ich immer noch sehr gern mein iPad Pro in Kombination mit dem Stift und der App „Astropad“. Falls Du auch ein iPad Pro hast und Dich interessiert, wie Du dieses als Grafiktablett nutzen kannst, schau doch mal hier im Blogartikel vorbei…

Die Stacking-Ergebnisse waren wie schon vor einem Jahr recht beeindruckend was die Rauschreduzierung angeht. Man sieht auf jeden Fall einen deutlichen Unterschied zwischen der Einzelaufnahme und den gestackten Bildern, wobei schon 5 Bilder eine Verbesserung darstellen. Bei 25 oder gar 65 Bildern ist das Rauschen dann aber schon fast komplett eliminiert.

Starry Landscape Stacker: Vergleich der Ergebnisse mit unterschiedlicher Anzahl Einzelbilder (100% Bildausschnitte)

Die gleiche „Testreihe“ habe ich anschließend mit dem Sequator durchgeführt, wobei die Oberfläche ähnlich intuitiv ist wie die des SLS.

Oberfläche des Sequators

Die einzelnen Punkte auf der linken Seite führen einen ein Stückweit durch den Workflow. Dabei definierst Du zunächst ein „Base image“, welches einfach ein Einzelbild aus der Serie ist – idealerweise eins aus der Mitte. Als nächstes brauchst Du zwingend die „Star images“, also die anderen Aufnahmen (auch Lights im Deep Sky Stacking genannt). Optional kannst Du noch „Noise images“ (analog Darks im Deep Sky Stacking) und „Vignetting images“ (analog Flats im Deep Sky Stacking) definieren – was ich in diesem Fall nicht getan habe. Zwingend definiert werden muss jedoch der „Output“, also das Ergebnisbild.

Im unteren Bereich werden dann die Einstellungen für das Stacking vorgenommen. Zunächst ist es dabei wichtig, bei der „Composition“ die Option „Align stars“ zu wählen, um ein exaktes Übereinanderlegen der Sterne zu erreichen. Gleichzeitig musst Du die Option „Freeze ground“ aktivieren, damit der Vordergrund nicht mit dem Sternenhimmel zusammen verschoben wird. Wichtig ist dabei, im nächsten Punkt „Sky region“ die „Irregular mask“ zu wählen, um dem Programm den Bereich des Himmels vorzugeben. Dazu markierst Du – ähnlich wie beim SLS – den Bereich des Himmels mit dem Pinsel (Mauszeiger). Durch Scrollen kannst Du dabei die Pinselgröße verändern und mit gedrückter rechter Maustaste wieder Bereiche des Himmels entfernen, falls Du Dich mal vermalt hast. Was ich leider nicht herausgefunden habe ist, ob und wie man die Ansicht für diese Aktion vergrößern kann. Ohne eine Vergrößerung und mit einer verhältnismäßig groben Pinselgröße lässt sich hier nicht wirklich präzise arbeiten, was aber zumindest in meinem Beispiel kein großes Problem darstellte. Als letzte Option habe ich noch „Auto brightness“ aktiviert, was in meinem Fall zu einem etwas helleren Gesamtergebnis geführt hat.

Und auch diese Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen!

Sequator: Vergleich der Ergebnisse mit unterschiedlicher Anzahl Einzelbilder (100% Bildausschnitte)

Mit der Horizontlinie, bzw. dem Trennen von Himmel und Erde, sind beide Tools in meinem Beispiel gut umgegangen, auch wenn die Markierung des Himmels in Sequator nur sehr grob zu realisieren war.

Ergebnisbild

Begeistert von den Stacking-Ergebnissen habe ich das fertige Bild (ich habe mich für das des Sequators entschieden) natürlich noch bearbeiten müssen, was ich primär in Photoshop und Lightroom gemacht habe. Und ich denke, das Endergebnis kann sich durchaus sehen lassen und zeigt, wie wunderschön das Milchstraßenzentrum auch hier bei uns in Deutschland abzulichten ist.

Vergleich des unbearbeiteten Einzelbildes mit dem bearbeiteten Stack (65 Bilder) aus Sequator

Ach ja, kurz vor der Abfahrt konnte ich es nicht lassen, auch mit dem 24 mm noch ein paar Aufnahmen zu machen. Dann kam nämlich der hell strahlende Mars hinter den Bäumen hervor. Er strahlt auf Grund seiner Erdnähe derzeit sogar heller als Jupiter und ist somit am Nachthimmel nicht zu übersehen!

Der Starry Landscape Stacker ist so nett, die Metadaten des Bildes direkt anzupassen. Als Bildtitel wurde hier Folgendes automatisch eingetragen: „Made from 17 light frames (captured with a Canon camera) by Starry Landscape Stacker 1.5.0.“

Stacking für einfaches Equipment

Nun hat sicherlich nicht jeder ein lichtstarkes Objektiv und / oder eine rauscharme Vollformatkamera. Daher war es mir auch wichtig, den Effekt des Stackings auch bei Bildern zu zeigen, die mit einfacherem Equipment aufgenommen wurden. Dazu habe ich mal ein paar Bilder „rausgekramt“, die ich in der Perseidennacht 2016 in den Dolomiten aufgenommen habe. Zum Einsatz kam die spiegellose Canon EOS M3* (derzeit ca. 375 €) zusammen mit dem EF-M 22 mm 1:2 (derzeit ca. 210 €). Die Bilder wurden bei f/2, ISO 1600 und 8s aufgenommen. Durch das Stacken von 20 dieser Bilder wurde auch hier das Rauschen deutlich reduziert und eine entsprechende Bearbeitung möglich gemacht – wie der Vorher-Nachher-Vergleich eindrucksvoll zeigt:

Vergleich der (aufgehellten) Einzelaufnahme mit dem gestackten Ergebnisbild (100% Bildausschnitt) – aufgenommen mit der Canon EOS M3

Vergleich des unbearbeiteten Einzelbildes mit dem bearbeitenen Stack – auch hier ist also eine Menge rauszuholen!

Mein Fazit

Zum Starry Landscape Stacker muss ich denke ich nicht mehr viel sagen. Mac-Usern würde ich dieses Tool immer noch jederzeit empfehlen. Vom Sequator bin ich allerdings auch sehr angetan – zumal es eine breite Masse an Windows-Usern anspricht und zudem kostenlos ist (der SLS kostet derzeit 43,99 €!). Er macht seinen Job wirklich gut und schnell, und ist dabei einfach zu bedienen. Nett ist auch, dass er die Metadaten des Bildes entsprechend verändert und beispielsweise die summierte Belichtungszeit aller Einzelbilder in die EXIF-Daten schreibt.

Unabhängig vom Tool kann ich aber jedem nur empfehlen, vor Ort beim Fotografieren von Astro-Landschaftsaufnahmen daran zu denken, gleich mal mehrere Bilder zu machen (10-50), um sie hinterher mittels Stacking zu einem qualitativ besseren Gesamtbild zu addieren. Dies kostet nur wenig Mehraufwand, hat aber einen großen Effekt wie ich finde.

Der Qualitätssteigerung des Vordergrunds werde ich mich demnächst mal widmen, wenn ein attraktiverer Vordergrund zur Verfügung steht. Hier plane ich, ebenfalls mehrere Aufnahmen (5) mit längerer Belichtungszeit (3 min) und geringerer ISO zu machen, um den Vordergrund unabhängig vom Hintergrund bearbeiten zu können.

 

Wie ist Deine Erfahrung mit den beiden Tools? Hast Du eines davon bereits für Deine eigenen Bilder verwendet? Schreib mir gern in die Kommentare!

(* Amazon Affiliate Links)

8 Kommentare
  1. Jolanda says:

    Viellen Lieben Dank für diese super anleitung macht richtig spass aus meinen älteren milchstrassen zeitraffer so richtig scharfe bilder zu bekommen

    Antworten
  2. Frank says:

    Hallo Katja,
    vielen Dank für den Artikel und den Tipp mit Sequator. Hab direkt auch mal eine alte Timelapse Sequenz von der Milchstraße in Südafrika rausgekramt und 40 Aufnahmen davon gestackt. Das Ergebnis ist beeindruckend und mit viel weniger Aufwand zu erreichen, als mit einer Einzelaufnahme aus der man alles rauszukitzeln versucht.
    Grüße und weiterhin viel Spaß bei der Auszeit
    Frank

    Antworten
    • Katja Seidel says:

      Hallo Frank,
      na, das freut mich ja, dass du dadurch noch mehr aus deinen Bilder herausholen konntest!
      Meine Auszeit beginnt leider erst nächstes Jahr im März, aber aktuell lässt es sich ja auch gut aushalten am WE, bei dem schönen Wetter 🙂
      LG, Katja

      Antworten
  3. Frank says:

    Oh, sorry. Ich dachte du wärst schon mittendrin… Aber umso besser, dann hast du es ja noch vor dir und kannst dich länger darauf freuen… 😉
    Frank

    Antworten
  4. Uwe Waidhauser says:

    Hallo Katja,

    bin neu hier und in der Astrofotografie auch noch ziemlich unbeleckt. Deshalb , bitte Entschuldigung für eine eventuell dumme Frage.
    Wie ist das mit der „Nachführung bei so vielen Bildern in einem so „langen“ Zeitraum? Die Bilder laufen doch bestimmt ganz ordentlich auseinander? Macht den Ausgleich das Programm selber?. Bin auf dem harten Kampf schöne Astrobilder mit einer Bridgekamera zu machen. Mehr ist gerade nicht drin. Gebe aber nicht auf…..

    Grüße

    Uwe

    Antworten
    • Katja Seidel says:

      Hallo Uwe,
      dumme Fragen gibts nicht… daher: Herzlich Willkommen in der Astrofotografie! Zu deiner Frage: Wenn du die Bilder während der Aufnahme nachführst, bleibt der Himmelsausschnitt ja nahezu gleich (je nach Genauigkeit der Einnordung), daher gibt es nur minimalen Versatz zwischen den Bildern, den die entsprechende Software (z.B. Deep Sky Stacker) problemlos erkennt und berücksichtigt. Wenn du nicht nachführst wird das tatsächlich irgendwann zum Problem, da der Bildausschnitt dann zu unterschiedlich ist. Auch das erkennt zwar die Software, aber es bleibt am Ende nicht viel übrig, was auf allen Bildern gleich ist.
      Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg!
      LG, Katja

      Antworten

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.