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Totale Sonnenfinsternis 2026 in Spanien

Heute berichte ich dir von dem wohl magischten Moment, den ich bisher erleben durfte. Die totale Sonnenfinsternis dauerte während der Totalität keine zwei Minuten, hat mich aber umso mehr tief berührt. Vielleicht kann ich dir mit meinen Bildern und Erzählungen auch ein wenig der Gänsehaut bereiten, die mich heute noch beim Gedanken an diesen Abend überkommt.

Auf der Camper-Reise zur SoFi erwartete uns jede Menge Abwechslung – wie hier innerhalb weniger Stunden in den Pyrenäen!

Ich weiß nicht, wie viele Jahre ich schon von dieser Reise spreche. Für mich stand früh fest: Ich muss mindestens einmal im Leben eine totale Sonnenfinsternis erleben! Da ich jedoch kein Fan vom Fliegen bin, war mir das Ereignis in Spanien 2026 wesentlich sympathischer als die der letzten Jahre in Chile und den USA. Mein Plan war es, entspannt mit meinem Camper nach Spanien zu fahren, alles dabeizuhaben, was ich brauche und auf dem Hin- und Rückweg vielleicht noch ein paar „Sidequests“ mitzunehmen. Das sollte meine einzige größere Reise in 2026 werden – vielleicht so 5 oder 6 Wochen.

Soll ich überhaupt zur Sonnenfinsternis fahren?

Aber wie so oft sind Pläne ja dazu da, an das Leben angepasst zu werden. Denn je näher die Abreise rückte, desto mehr Stress machte sich bei mir breit. Seit Dezember 2025 arbeite ich intensiv an einem neuen Buch zum Thema „Milchstraße und Astropanoramen“. Da ich meine Erfahrungen der letzten 12 Jahre darin jedoch nicht nur in Form von Texten und Fotos weitergeben möchte, sondern auch einige Stunden begleitende Videotutorials fester Bestandteil des Buchkonzepts sind, zog sich die Arbeit an diesem Projekt deutlich mehr in die Länge als gedacht (wie das immer so ist). Und da ich ein Mensch bin, der sich bei sowas durchaus 120% reinhängen kann, wäre ich am liebsten gar nicht nach Spanien aufgebrochen. Es gab noch so viel zu tun und zu Hause ließ es sich so wunderbar effizient arbeiten. Ich wusste aber auch: Wenn ich jetzt nicht fahre, werde ich mich ewig ärgern. Daher musste ein Kompromiss her. Dieser sah schließlich so aus, dass ich die geplante Reisedauer auf maximal 3 Wochen verkürzt habe und mir vorgenommen habe, unterwegs viel zu arbeiten… Ich war gespannt, ob dieser Plan aufgehen würde. Zumal das Arbeiten im Camper in der spanischen Sommerhitze bei über 40 Grad vermutlich nicht das Angenehmste wäre.

Am 31.7. sollte es nun auf jeden Fall losgehen. Im Gepäck des Nuggets hatte ich nicht nur eine umfangreiche Kameraausrüstung, sondern auch meine liebe Mama. Sie konnte mich nicht nur bei fotografischen Projekten unterstützen und mir mehr Zeit zum Arbeiten verschaffen, sondern wollte auch unbedingt nochmal eine totale Sonnenfinsternis erleben, nachdem es 1999 nur so leidlich klappte (ich kann mich gar nicht daran erinnern). Das gemeinsame Reisen im Nugget waren wir ja schon von den Polarlicht- und Paddeltripps gewohnt, aber in solch einer Hitze waren wir auch noch nie im Camper unterwegs. Wir hatten beide etwas Bedenken, ob das wohl auszuhalten war und ob wir in den tropischen Nächten bei mehr als 30 Grad Außentemperatur schlafen können. Die Motivation, in dieses Abenteuer zu starten, hielt sich bei uns beiden also zunächst etwas in Grenzen. Und so verschob sich auch die Abreise immer mehr… bis wir schließlich erst am Sonntagmittag, den 02.08. auf die Autobahn rollten.

Erste Sidequest: Tour de France Femmes

Unser erstes Ziel stand auch schon fest. Wir wollten uns die Tour de France der Frauen am Mont Ventoux anschauen. Das war kein riesiger Umweg, die Atmosphäre dort versprach großartig zu sein und ich könnte während der geplanten 3 bis 4 Tage Aufenthalt dort in Ruhe arbeiten. Nach 2 Übernachtungsstopps kamen wir am Dienstag, den 04.08. auch wie geplant auf dem eigens dafür eingerichteten (kostenlosen!) Parkplatz auf 1.450 m Höhe oberhalb des Chalet Reynard an. Ein Freund von mir, der letztes Jahr während der Tour de France der Männer dort war, hatte nicht zu viel versprochen. Alles war super organisiert, wir fanden einen schönen Platz im Schatten unter Pinienbäumen mit direkten Blick auf den Gipfel und fühlten uns sofort wohl.

So lässt sich die Arbeit aushalten. Der Ventilator überm Kopf hat wirklich gute Arbeit geleistet – genauso wie der Schattenplatz unterhalb des Mont Ventoux.

Auch die Nächte wurden dank der Höhenlage angenehm kühl. Und nicht nur das – auch der Sternenhimmel und das Wetter waren fantastisch dort oben. Und so konnte ich nicht nur tagsüber motiviert im mobilen Büro arbeiten, sondern auch nachts noch ein paar Aufnahmen sammeln. Besser geht’s wohl kaum! Sogar einen Kindheitstraum konnte ich mir erfüllen: Am Abend vor der Tour sind wir selbst zum Gipfel geradelt, wo uns ein fantastisches Licht und eine tolle Aussicht erwartete. Fast war ich versucht, nachts noch einmal zum Fotografieren hochzufahren. Aber da spielte das Wetter leider nicht ganz mit. Nicht schlimm, wir hatten schon mehr bekommen als wir uns erhofft hatten – und wurden noch dazu am nächsten Tag mit einem tollen Erlebnis belohnt, als der Tour-Troß quasi direkt vor unserer Haustür vorbeikam. Wenn du also mal die Gelegenheit hast, dieses Spektakel in den Bergen live zu erleben, schau dir das unbedingt mal an!

Wir machten zwar nicht ganz so eine gute Figur am Mont Ventoux wie die Profi-Frauen, aber Spaß hat’s trotzdem gemacht.

Zweite Sidequest: Carcassonne

Danach hieß es dann so schnell wie möglich weiter in Richtung Spanien, wo wir 2 Tage später mit Freunden aus Münster verabredet waren. Wir wollten gemeinsam die Sonnenfinsternis erleben und fotografieren, hatten aber unterschiedliche Anfahrtsrouten. Wir fuhren also am Mittag des 08.08. in Richtung Westen, um möglichst am 10.08. bei San Sebastian über die spanische Grenze zu fahren. Einen Übernachtungsplatz hatten wir uns wie jeden Morgen auch schon rausgesucht, kamen allerdings aufgrund von vielen nervigen Staus nicht so recht voran. Dann tauchte plötzlich Carcassonne vor uns auf. Ich kannte diese Stadt mit ihrer markanten Festung mehr oder weniger nur aus dem Brettspiel, was ich früher liebend gern gespielt habe. Ein kurzer Blick in Park4Night verriet, dass es in 10 Minuten Fußwegentfernung zur „Cité“ (der besagten Festung) einen Wohnmobilparkplatz gibt. Also bogen wir buchstäblich in letzter Sekunden auf die Autobahnabfahrt und änderten unseren Plan kurzerhand. Warum nicht auch mal dort fotografieren?

Nun, innerhalb der Festung fühlten wir uns ein wenig wie am Gardasee – zwischen unzähligen Touristen, die in den diversen Souveniergeschäften und Restaurants ein- und ausgingen. Joa, kann man sich mal anschauen, aber fotografisch interessierte mich eher die Sicht von außen in der Dämmerung. Am Abend wurde daraus aufgrund von dicken Regenwolken leider nichts, weshalb ich mir schweren Herzens morgens um 4:50 Uhr einen Wecker stellte. Mit dem Fahrrad ging es dann durch die schlafende Stadt zum „Point de vue de Carcassonne“ – einer Brücke mit schönem Blick auf die Festung. Die Wolken hatten sich leider noch nicht so weit verzogen wie gehofft, aber ich machte trotzdem meine geplanten Bilder. Sehr schön!

War unsere Standortwahl zur SoFi richtig?

Nach diesem durchaus lohnenswerten Zwischenstopp ging es nach der Fotosession mit leichtem Schlafmangel weiter gen Sonnenfinsternis. Wir hatten dafür vor einigen Monaten bereits einen Campingplatz an der Küste in Rinlo reserviert. Schnell wurde uns allerdings bewusst, dass das aufgrund der Wetter- und Wolkenlage vermutlich keine so gute Idee war. Zwar würde die Sonne hier während der Finsternis noch vergleichsweise hoch am Himmel stehen und die Felsküste könnte eine schöne Fotokulisse abgeben, aber was nutzt einem all das, wenn sich alles hinter den Wolken abspielt? Daher hatte Jasper schon ein paar Tage vorher eine Alternative bei León entdeckt. Ein kleiner Stellplatz an einem See/Fluss mit angeschlossenem Restaurant. 9 Euro kostete eine Nacht dort nur! Da mussten wir nicht lang überlegen – die Wetteraussichten wären hier um ein Vielfaches besser und auch die Szenerie am See könnte ganz fotogen sein. Wir buchten hier also vom 10.-13.08. zwei Plätze und trafen uns auch wie geplant am Mittag des 10.08. in Burgos. Nach einem letzten Einkauf beim Lidl machten wir uns dann gemeinsam auf die letzten Kilometer zum Stellplatz. Dabei tauchte schräg vor uns allerdings eine Rauchsäule auf. Einer der vielen Waldbrände, die es in diesem Jahr mal wieder in Frankreich und Spanien gab. Ein Blick in Google Maps und das neue Waldbrand-Feature machte uns allerdings nicht wirklich schlauer – offenbar war dieser Brand noch nicht eingezeichnet. ‚Na, hoffen wir mal, dass uns das nicht behindert bei der Sonnenfinsternis übermorgen‘ dachte ich mir so. Aber je weiter wir fuhren, desto mehr zeichnete sich ab, dass wir genau auf die mittlerweile riesige Rauchsäule zufuhren.

Erst war die Rauchfahne noch klein und in weiter Ferne. Aber irgendwann realisierten wir, dass wir genau darauf zufahren!

Das durfte doch nicht wahr sein! Wir hofften natürlich, dass niemand bei dem Feuer zu Schaden kommt – und gleichzeitig, dass es schnell in den Griff zu bekommen ist. Aber was soll’s, erstmal konnten wir nichts machen außer abwarten. Und so fuhren wir zum Stellplatz, der tatsächlich nur etwa 5 Kilometer vom Feuer entfernt lag! Die Frage an den Besitzer, ob das wohl gefährlich werden könnte, beantwortete er mit einem mehr oder weniger beruhigenden „Nein, da ist ja noch ein Fluss dazwischen.“ Ok, dann vertrauten wir ihm mal…

Unser kleines Camp war wirklich gemütlich – wenn da nicht nebenan der Waldbrand gewesen wäre. Ein Blick in PhotoPills zeigte: Aktuell würde die Rauchwolke genau vor der Sonnenfinsternis stehen! Aber die Löschhubschrauber waren ja schon unermüdlich im Einsatz.

Dieser Fluss bzw. die seenartige Verbreiterung am Stellplatz war aber wirklich sehr hilfreich, denn so konnten die Löschhubschrauber direkt darin Wasser holen und auf kurzem Weg zum Feuer transportieren. Ein erstes Scouting am See bestätigte jedoch, was wir schon befürchtet hatten: Die Rauchwolke bewegte sich derzeit genau da, wo die Sonne 48 Stunden später zur Finsternis stehen würde. Na toll. Allerdings wollten wir auch nicht überstürzt nach einem anderen Platz suchen – zumal für den Tag der Sonnenfinsternis diverse Park- und Fahrverbote im ganzen Land angekündigt waren, nicht zuletzt wegen der offensichtlich hohen Waldbrandgefahr. Wir hatten außerdem keine Vorstellung, wie voll es wohl zu diesem Ereignis in der Region werden würde. Schließlich war die letzte totale Sonnenfinsternis in Spanien (Festland) nun auch schon wieder mehr als 120 Jahre her.

Bleiben wir?

Während der Himmel in Richtung Westen am Abend noch ordentlich rauchverhangen war, hatten wir über uns und in Richtung Süden zur Milchstraße eine erstaunlich klare Sicht. Die Gedanken an eine mögliche „Flucht“ zu einem geeigneteren Ort für die Sonnenfinsternis schoben wir also erstmal etwas beiseite und nutzten den klaren, dunklen Himmel über uns für ein wenig Astrofotografie.

Die Milchstraße war trotz der Platzbeleuchtung erstaunlich gut zu erkennen.

Unser kleines Camp in der Ecke des Platzes war wirklich gemütlich, und auch ein älterer französischer Nachbar war recht unterhaltsam. In gebrochenem Englisch und mit Händen und Füßen erzählte er uns, dass er wohl schon seit mehreren Jahren in seinem Wohnmobil lebt und sich auch sehr für die Astronomie und Astrofotografie interessiert. Seine Bilder vom Saturn und Jupiter waren durchaus beeindruckend. Wir hatten nicht ganz das Equipment dafür und so beschränkte ich mich auf eine längere Deep-Sky-Session direkt vor den Campern in Richtung des Schwans. Und ich muss sagen, ich bin recht begeistert, was nach knapp 3 Stunden Belichtungszeit am Ende rauszuholen war!

Die Aufnahme entstand mit 85 mm und einer Nachführung, wobei ich 350 Bilder à 30 s stackte.

Im Bett lag ich dann gegen 4 Uhr – mit der leisen Hoffnung, dass der ganze Spuk am nächsten Tag einfach vorbei sein möge.Und tatsächlich – ein vorsichtiger Blick aus dem Fenster am darauffolgenden Morgen zeigte keinerlei Rauchwolke mehr! Die Hubschrauber, die bis zum Einbruch der Dunkelheit ihre Löschflüge durchzogen, hatten offenbar ganze Arbeit geleistet. Außer ein paar Kontrollflügen und letzten Wasserladungen brauchte es am 11.08. scheinbar nichts mehr, um einen erneuten Ausbruch zu verhindern. Wahnsinn! Damit hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Aber so wurde es auch wieder sehr viel wahrscheinlicher, dass wir zur Sonnenfinsternis doch an diesem Spot bleiben konnten. Sicher hatten wir nicht die spektakulärste Aussicht, aber wir mussten auch nicht fürchten, von einem vermeintlich schöneren Platz in letzter Minute von der Polizei weggeschickt zu werden und dann im entscheidenden Moment im Stau zu stehen. Solche Horrorszenarien geisterten mir durch den Kopf… und erinnerten mich an die totale Mondfinsternis 2015, als ca. 10 Minuten vor Beginn der Finsternis die Polizei (in Deutschland) bei mir hielt und fragte, was ich denn in diesem Forstweg mitten in der Nacht machen würde. Zum Glück musste ich damals nicht dort weg und hatte sogar noch eine nette Unterhaltung mit den Polizisten.

Aber wie auch immer, für uns stand erstmal fest: Sollte das Wetter mitspielen, bleiben wir hier. Ansonsten würden wir am 12.08. noch spontan woanders hinfahren.

Der Tag der Tage – meine allererste totale Sonnenfinsternis

Die Zeit verging dann schneller als gedacht. Wir hatten uns am 11.08. schon ein Plätzchen am Ufer des Sees ausgesucht, wo wir an einem kleinen Picknickplatz mit Tisch und Bänken im Schatten eines Sonnenschirms die Zeit bis zur Sonnenfinsternis verbringen konnten. Und in unserer (oder vielleicht primär meiner) Paranoidität sicherten wir uns schon kurz nach dem Frühstück den Platz und hielten abwechselnd „Wache“, während noch die letzten Vorbereitungen liefen. Man weiß ja nie, wie groß der Ansturm werden würde… Es blieb allerdings erstaunlich ruhig, und so konnte ich mich noch in Ruhe auf die anstehende Finsternis vorbereiten. Irgendwann waren dann alle Einstellungen an den insgesamt 4 Kameras gemacht und mein „Drehbuch“ für die Totalität stand. Jasper würde seine Kameras vom Rechner aus fernsteuern – was definitiv die entspanntere Variante war, mir aber in dem Moment zu heikel erschien.

Abwechselnd „bewachten“ wir unseren geplanten Spot für die SoFi am Abend. Immerhin spendete der Schirm etwas Schatten.

Je näher der Sonnenuntergang rückte, desto nervöser wurde ich. Es fühlte sich ein wenig an wie vor einer Prüfung, für die man sich nur mittelmäßig vorbereitet hat. Aber immerhin hatten sich die zwischenzeitlichen Wolken wieder komplett verzogen und wir waren aufgrund übereinstimmender Wettervorhersagen hoffnungsfroh, dass das auch so bleiben würde. Voller wurde es allerdings nicht so wirklich um uns herum. Ab und zu radelte mal einer von uns zurück zum Stellplatz, aber auch dort war der Menschenauflauf noch überschaubar. Es gab wohl sogar eine Art „Promi-Bereich“ für die anstehende Finsternis, wie wir von anderen erfuhren. Aber die blieben lieber komfortabel auf ihren Stühlen am Tisch sitzen und störten uns an unserem Uferplatz somit nicht. Wunderbar! Im Nachhinein haben wir auch einen Verdacht, warum es so leer blieb: Das Feuer war bei Google Maps noch immer eingezeichnet. Wer fährt da schon freiwillig hin? Umso besser für uns – denn vom Feuer und Rauch war schon längst nichts mehr zu sehen.

Nun war es bei dieser totalen Sonnenfinsternis ja so, dass wir eine knappe Stunde der „Pre-Show“ hatten – die Phase der partiellen Finsternis, wie sie auch in Deutschland zu erleben war. In dieser Phase wird mit Sonnenfilter fotografiert oder mit der SoFi-Brille beobachtet, wie die Sonne immer mehr im Schatten des Mondes verschwindet. Die Belichtung muss hier nahezu nicht angepasst werden. In der kurzen Phase der Totalität ändert sich dann aber alles – sowohl visuell als auch fotografisch! Wir fieberten diesem Moment mit großer Aufregung und steigender Faszination entgegen. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt so aufgeregt war! So richtig kann ich auch gar nicht sagen, ob die Aufregung von der Ungewissheit herrührte, wie sich die Totalität anfühlen würde, oder aber von der Angst, die Aufnahmen zu versauen. Vermutlich eine Mischung aus beidem.

Aber die Finsternis schritt unaufhörlich voran, und es wurde dunkler und dunkler. Ein mystisches Grau legte sich über die Landschaft um uns herum, bis es schließlich schlagartig dunkel wurde. Nicht so dunkel wie in der Nacht, aber doch erheblich dunkler als während der partiellen Phase. Bevor ich zum Himmel schaute, war ich erst einmal damit beschäftigt, die Filter von den Kameras zu nehmen. Die Aufnahmen hatte ich über Fernauslöser und Custom-Programme weitestgehend automatisiert. Als alle Filter unten waren, richtete ich das erste Mal meinen Blick in Richtung Sonne. Und diesen Anblick werde ich wohl mein Leben lang nicht vergessen. Es war unbeschreiblich, wie die goldene Korona der Sonne um den dunklen Mond herum strahlte. Faszinierend schön und gleichzeitig komplett surreal. Es war auch merklich kälter geworden – allerdings glaube ich, dass das nicht der alleinige Grund meiner Gänsehaut am ganzen Körper war. Der Anblick war einfach so ergreifend und berührend, dass ich mich gar nicht losreißen wollte. Das musste ich aber wohl oder übel, denn zum einen gab es an den Kameras ein paar Kleinigkeiten umzustellen, und zum anderen war es ja auch bald schon wieder Zeit, die Filter draufzupacken. Zum Glück schallte dieser Hinweis lauthals aus Jaspers Rechner, so dass ich es gerade noch so zum Ende der Totalität schaffte.

Ganz zu Beginn und Ende der Totalität lassen sich mit sehr kurzen Belichtungszeiten die Chromosphäre und Protuberanzen am Sonnenrand sichtbar machen (links vergrößerter Bildausschnitt einer Aufnahme mit 600 mm, 1/500 s, ISO 100, f/7.1).

Diese Collage fasst die sichtbaren Phasen der totalen Sonnenfinsternis gut zusammen. Alle Aufnahmen sind mit 600 mm entstanden.

Besonders magisch sind die ersten und letzten Sekunden der totalen Finsternis. Die untere Reihe dieser Collage zeigt verschiedene Belichtungen der letzten Sekunde, bevor die Sonne wieder hervorkam. Zu sehen sind die Phänomene „Baily’s Beads (Bailysche Perlen) und der Diamantring.

Und dann war alles vorbei, in weniger als 2 Minuten. Der absolute Wahnsinn! Als wäre nichts gewesen wurde es nun wieder rasant heller – gefühlt schneller, als es vorher dunkler wurde. Die Sonne stand jetzt aber auch nicht mehr weit über dem Horizont, so dass uns zeitnah ein hoffentlich schöner Sonnenuntergang erwarten würde. Auch der war noch wichtig für eins meiner Foto-Projekte, in dem ich den Verlauf der Sonnenfinsternis bis zum Untergang dokumentieren wollte. Ich hatte mir voher überlegt, dass ich die Landschaft in diesem Bild nicht zum Zeitpunkt der Finsternis abbilden wollte, sondern in genau dem Moment, wenn die Sonne hinter den Bäumen versinkt. Hier nahm ich den Filter also wieder herunter und fotografierte fleißig die letzten Sonnenstrahlen in einem schönen Abendrot, das sich noch dazu im Wasser spiegelte. Dieser Plan ging auf jeden Fall auf, wie ich später beim Zusammensetzen der Bilder erleichtert feststellte. Ein Bild für die Wand, wie ich finde 🙂

Diese Collage entstand mit 50mm Brennweite in regelmäßigen Aufnahmeabständen bis zum Sonnenuntergang.

 

Die Nachlese

Während die anderen schon zurück zu den Campern geradelt waren, ging es für mich gegen 21:40 Uhr auf den Rückweg. In den wenigen Minuten blieb ein wenig Zeit, die letzten Stunden etwas zu verarbeiten und zu realisieren, was ich da gerade miterleben durfte. Die totale Sonnenfinsternis war tatsächlich derzeit „das letzte große Ding“ auf meiner Wunschliste im Leben. Neben den Vulkanen letztes Jahr und den vielen spektakulären Polarlichtern der letzten 11 Jahre gehörte das auch definitiv zu den unvergesslichsten Momenten im Leben. Ich war einfach nur erleichtert und unendlich dankbar, dass das Wetter mitspielte und auch die Aufnahmen – soweit ich das bis dahin sehen konnte – gelungen sind. All das ist nicht selbstverständlich!

Beim gemeinsamen Nudelessen ließen wir dann noch einmal den Abend Revue passieren und waren der übereinstimmenden Meinung, dass das der absolute Hammer war. Während der Finsternis sagte ich noch mehrfach „Ich fahr nie wieder zu einer Sonnenfinsternis – diesen Stress macht mein Herz nicht mit!“ Aber je mehr Stunden seit dem denkwürdigen Ereignis vergingen, desto größer wurde der Wunsch, es noch einmal zu erleben, und vielleicht beim zweiten Mal noch mehr genießen zu können. Die nächste totale Sonnenfinsternis am 2. August 2027 in Südspanien wäre dafür eine ideale Gelegenheit – dauert die Totalität hier doch mehr als 4,5 Minuten! In Ägypten werden es sogar mehr als 6 Minuten sein! Die gedanklichen Reiseplanungen laufen also seit dem Abend des 12.08…. denn wie heißt es so schön „Nach der Sonnenfinsternis ist vor der Sonnenfinsternis!“.

Aber nun hieß es vor allem erstmal Daten sichern und Bilder sichten! Und auch wenn bei mir während der Finsternis nicht alles optimal nach Plan lief, so war ich doch mehr als zufrieden. Mit der Bearbeitung bin ich bis heute nicht komplett durch – ich werde das durchaus komplexe Thema eines HDR der Sonnenkorona allerdings auch erstmal aufschieben, bis mein Buch fertig ist. Aber fürs erste Mal bin ich doch sehr zufrieden!

Meine ersten Versuche, aus den verschiedenen Belichtungen während der Totalität ein HDR zu erstellen.

Das soll’s noch nicht gewesen sein

Unter anderem erwischte ich diesen hellen Meteor in der Perseidennacht!

Zu Ende war der Tag – oder besser gesagt die Nacht – allerdings noch nicht. Denn direkt nach der Sonnenfinsternis stand ja noch das Maximum der Perseiden an. Wir schafften es nur noch auf eine kleine Wiese hinter dem Stellplatz, von wo aus wir einen ganz guten Blick auf die Milchstraße hatten. Das war zwar nicht die ideale Richtung für die Meteore, die ihren Radianten im Perseus haben, allerdings schwebte mir ein Bild mit Milchstraße und Sternschnuppe vor. Während also zwei Kameras neben mir liefen, machte ich mich schonmal an die ersten Bildbearbeitungen der Sonnenfinsternis – ich wollte schließlich keine Zeit verlieren. Bis kurz vor 3 Uhr hielt ich dabei noch durch in meinem Liegestuhl auf der Wiese, bevor mir zunehmend kalt wurde (es waren tatsächlich nur noch 13,5 Grad draußen!) und mir immer öfter die Augen zufielen. Bis die Füße im Nuggetbett dann wieder warm waren und ich endlich eingeschlafen war, verging eine weitere Stunde. Was für ein Tag!

Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns nach tollen gemeinsamen Tagen am Vormittag von unseren Freunden und machten uns am Mittag ebenfalls auf den Weg. Wir hatten jetzt noch eine gute Woche für die Rückfahrt nach Hause, wollte diese aber primär in Spanien verbringen. Und so steuerten wir unser erstes Ziel nach der Sonnenfinsternis an: die Halbwüste Bardenas Reales im Norden Spaniens. Faszinierend, wie schnell sich die Landschaft ändern kann – und welche Schönheit der Natur plötzlich zum Vorschein kommt. Leider ist der (grundsätzlich kostenlose) Zugang zu diesem UNESCO Biosphärenreservat nachts nicht erlaubt, so dass die nächtliche Fotografie dort leider ausfallen musste. Aber auch tagsüber war ein Besuch äußerst lohnenswert – obwohl wir uns den gefühlt heißesten Tag mit bis zu 45,5 Grad dafür ausgesucht hatten. Aber die Hitze war tatsächlich besser erträglich als gedacht, vermutlich aufgrund der geringen Luftfeuchtigkeit.

Wirklich beeindruckend diese Halbwüste im Norden Spaniens (Bardenas Reales)!

Weiter ging es dann für uns nach einer Nacht auf einem der kostenlosen Wohnmobilstellplätze in der Nähe der Wüste in Richtung Pyrenäen, wo es in den letzten Tagen nahezu täglich Gewitter und Wolken gegeben hatte. Aber wir sollten Glück haben. Das Wetter besserte sich zusehends und wir konnten zwei traumhafte Nächte an einem Aussichtspunkt auf ca. 1.400 Meter verbringen. In der zweiten Nacht konnte ich mich gar nicht von dem fantastischen Sternenhimmel losreißen, sodass ich schließlich bis kurz vor 5 Uhr morgens fotografierte. Irgendwann müsste ich vielleicht auch mal etwas Schlaf nachholen… Meine Smartwatch bescheinigte mir im August eine durchschnittliche Schlafdauer von nicht einmal 5,5 Stunden pro Nacht. Naja, solche Gelegenheiten ergeben sich nicht alle Tage…

Kurz vor der Morgendämmerung entstand dieses Milchstraßenpanorama in den Pyrenäen. Am Horizont über dem Nugget sieht man sogar schon den Orion aufgehen!

Das trifft auch auf unseren letzten großen Stopp der Reise zu. Noch immer in den wunderschönen Pyrenäen, trafen wir unverhofft auf einen Ort, der für mein Buch nicht unerhebliche Auswirkungen haben sollte! Aber dazu mehr in einem anderen Blog. Du darfst gespannt sein, was wir da entdeckt haben 🙂

Was für eine Reise!

Die letzten 1.700 Kilometer nach Hause legten wir dann recht schnell zurück. Vielleicht kennst du dieses Gefühl im Kopf, wenn man alles „erledigt“ hat und einfach schnell nach Hause möchte. So ging es mir am letzten Tag, als wir spontan knapp 1.300 Kilometer am Stück zurücklegten, um gegen 1:30 Uhr – nach 16 Stunden hinter dem Steuer – kaputt, aber glücklich wieder auf den heimischen Hof zu rollen. So waren wir nun ganze 19 Tage und insgesamt 5.000 Kilometer unterwegs. Und entgegen der fehlenden Motivation vor der Reise bereue ich rückblickend keinen Tag und keinen Kilometer. Es war sogar sehr viel besser, als wir gedacht hatten – wir haben durchweg nette Menschen in Frankreich und Spanien getroffen, die Hitze war weniger belastend als befürchtet und die Kosten hielten sich auch im Rahmen. So haben wir insgesamt 850 € für ca. 400 Liter Diesel ausgegeben, nur 36 € für Stellplätze (+ 35 € Stornogebühr für den Campingplatz an der Küste) und 25 € fürs Essengehen. Die Maut in Frankreich und Spanien schlug mit 423 € zu Buche, wobei man die sogar mit mehr Zeit und dem Vermeiden der Autobahnen hätte einsparen können. Sonstige Lebensmittel haben wir in Supermärkten gekauft und im Camper selbst gekocht. Diese Kosten rechne ich ehrlich gesagt nicht wirklich als Reisekosten, da ich zu Hause ja auch einkaufen und essen müsste. Würde man dies allerdings vergleichen, so lässt es sich in Spanien und Frankreich etwa 1/3 günstiger einkaufen als bei uns in Deutschland. Vor allem der Fisch in Spanien hat es uns angetan! So hat uns unser Roadtrip zur Sonnenfinsternis insgesamt etwa 1.350 € für zwei Personen gekostet, was man vermutlich mit dem Flieger, Mietwagen und einer Unterkunft nicht hinbekommen hätte. Aber die Erlebnisse und Erinnerungen sind sowieso unbezahlbar – egal, wie man zu ihnen gekommen ist. Wir können die Variante eines Camper-Trips aber nur wärmstens empfehlen – im wahrsten Sinne des Wortes. Hitzeempfindlich sollte man allerdings nicht sein, denn nicht immer sind Berge in der Nähe, die Nachts für Abkühlung sorgen.

Die Berge sind nicht nur fotogen, sondern auch herrlich kühl in der Nacht.

Aufgrund dieser positiven Erfahrungen werden wir nun auch nächstes Jahr versuchen, unserer Geschichte der totale Sonnenfinsternis in Spanien ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. Mal schauen, ob und wie das klappen wird. Und ob wir vielleicht noch ein anderes „Nebenprojekt“ in diesem Zuge angehen… uns schwebt da sowas vor! Ich sag nur soviel: Die Astrofotografie und die Landschaft „da unten“ haben es mir doch angetan. Und ein wenig sportliche Betätigung ist auch nie verkehrt. Folg mir gern, wenn dich mein weiterer Weg interessiert. Ich werde weiter hier im Blog und auf Instagram und Facebook berichten, wo du auch unsere Reise anhand bewegter Eindrücke verfolgen konntest. Im Highlights-Archiv „SoFi 2026“ auf Instagram kannst du alle Stories der Reise auch einfach nochmal in Ruhe anschauen… Und schaut auch unbedingt mal bei Jasper auf Instagram (@muensterbeinacht) vorbei, mit dem ich die Sonnenfinsternis zusammen fotografiert habe!

Du möchtest die SoFi 2027 auch live erleben?

Solltest du nun auch Lust bekommen haben, dir die Sonnenfinsternis im nächsten Jahr live anzuschauen und vor allem zu fotografieren, dann habe ich vielleicht bald etwas für dich! Nein, ich werde keinen Workshop anbieten, aber ich möchte dich bestmöglich bei der Vorbereitung unterstützen! Hierzu plane ich zusammen mit Jasper derzeit ein Online-Seminar Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres. Darin wollen wir dir unsere Tipps und Erfahrungen aus diesem Jahr kompakt und verständlich weitergeben, sodass du optimal vorbereitet bist im August. Es soll dabei primär um die Fotografie der totalen Sonnenfinsternis gehen – angefangen von Fotoideen, Planungsmöglichkeiten per App bis hin zur Automatisierung der Aufnahmen (v.a. während der Totalität) auf verschiedenen Wegen. Schreib mir gern, wenn du Interesse an einem solchen Online-Seminar hast und was dir dabei wichtig ist! Wir versuchen das Konzept dann bestmöglich darauf auszurichten.

Ansonsten freue ich mich natürlich über deine Erlebnisse der SoFi 2026 in den Kommentaren – egal, ob du sie in Deutschland oder Spanien erlebt hast!

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