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Die verrückte Geschichte hinter dem Cover meines Milchstraßen-Buches

Mein neues Buch „Milchstraße & Astropanoramen“ ist in vielerlei Hinsicht etwas ganz Besonderes für mich. Eine außergewöhnliche Erinnerung verbinde ich mit dem Cover des Buches – dies sollte nämlich bis 4 Wochen vor dem finalen Drucktermin noch ein ganz anderes sein. Warum ich mich so kurz vor Schluss nochmal umentschieden habe und wieviel Glück dabei mitspielte, erfährst du in diesem Blog.

Wenn ich ein Buch schreibe, möchte ich idealweise schon sehr früh im Prozess eine Vorstellung davon haben, wie das spätere Werk aussieht. Daher beginne ich üblicherweise recht früh mit den ersten Cover-Entwürfen. Denn anders als bei einem Verlagsbuch übernehme ich das Cover-Design bei meinen eigenen Büchern gern selbst. Das bisherige Feedback zu meinen beiden Kanutouren-Büchern hat mich schlussendlich bestärkt, es auch bei meinem neuen Astrofotobuch selbst in die Hand zu nehmen – wenngleich die fotografisch orientierte Zielgruppe dieses Buches sicher etwas kritischer wäre als die Freizeitpaddler. Aber erst durch ein eigenes Cover-Design fühlt sich ein Buch für mich wie mein eigenes „Baby“ an, mit dem ich mich zu 100 Prozent identifizieren kann.

Die Qual der Wahl – erste Cover-Ideen

Daher standen schon zu Beginn des Jahres 2026 vier verschiedene Cover-Varianten, von denen zwei Motive in die engere Auswahl kamen. Gern zeige ich dir diese Entwürfe hier mal – so kannst du selbst urteilen, ob dir eine davon besser gefallen hätte als die, die es nun stattdessen final geworden ist.

Hier siehst du ein paar meiner ersten Coverideen. Das Linke war lange Zeit das gesetzte Motiv, bis das Universum einen anderen Vorschlag bereithielt…

Alle vier hatten etwas, was mir gefiel: Das Erste zeigte mit der Brücke im Vordergrund ein ansprechendes Landschaftsmotiv und eine stimmige Bildkomposition, was beides auch zentrale Themen im Buch sind. Das Zweite in der Reihe war schlicht und ließ der Milchstraße und dem Titel vergleichsweise viel Platz zum Wirken, so dass es auch in Briefmarkengröße (wie man es z.B. in der Übersicht bei Amazon sieht) funktionieren würde. Im dritten Motiv kommt zwar die Milchstraße gut zur Geltung, allerdings nimmt der Berg einen zu großen Raum ein. Alle drei Motive sind zudem als Panorama entstanden, was natürlich gut zum Titel passt. Das letzte Motiv zeigt hingegen eine Fotografin, was den Praxisbezug des Buches unterstreicht. Leider gibt es einen „Haken“ an diesem Bild, was mich schlussendlich davon wegkommen ließ: Es ist aus wettertechnischen Gründen leider ein Compositing aus mehreren Bildern von verschiedenen Abenden. Zwar ist es eine durchaus realistische Bildkomposition, denn Himmel und Vordergrund sind am gleichen Ort entstanden, allerdings konnte ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, ein solches Bild aufs Cover meines Buches zu drucken – auch wenn die Technik des Compositings eines der Themen im Buch ist.

So blieben Motiv 1 und 2 übrig, die ich verschiedenen Menschen zur Auswahl stellte. Zu meiner Überraschung fiel das Urteil sehr eindeutig aus: die Brücke muss es sein, die spricht einen direkt an – das andere Motiv ist zu langweilig! Ok, das war deutlich 🙂 Also stand schnell fest, wie das Cover aussehen würde, auch wenn ich im Laufe der Zeit noch an Feinheiten arbeiten würde. Aber damit war schonmal ein wichtiger Schritt geschafft. Glaub mir, das ist sehr beruhigend!

Das Cover steht – oder doch nicht?

So vergingen schlussendlich mehr als 7 Monate, in denen das Cover-Motiv final feststand und ich mich auf andere Dinge wie das Schreiben und Setzen des Buches konzentrieren konnte. Sogar zwei Probedrucke gab es bereits mit dem Cover, die es weiter in meinem Kopf manifestierten. Bis zum 17. August. Meine Mama und ich waren nach der Sonnenfinsternis in Spanien (mehr dazu hier im Blog) weiter in die Pyrenäen gefahren, da ich hier noch etwas fotografieren wollte. Die letzten 1-2 Nächte in diesem beeindruckenden Gebirge wollten wir auf einem aussichtsreichen Berg in der Nähe von Andorra verbringen. Ich hatte den Platz am Morgen herausgesucht und wir saßen seit ca. 30 Minuten im Auto, als wir in einen Tunnel einbogen. Auf dem Navi konnte ich schon sehen, dass wir kurz an einem Stausee vorbeifahren würden, was aber nicht das erste Mal der Fall war. Daher konzentrierte ich mich nach dem Tunnel auch eher auf die folgende Kurve, als auf die Landschaft neben der Straße. Glücklicherweise schaute aber meine Mama im richtigen Moment nach rechts aus dem Fenster und rief plötzlich energisch „Oh, das ist aber ein toller See!“. Auch das war nicht das erste Mal… Und unsere Konversationen laufen in solch einem Fall typischerweise so ab: Ich: „Soll ich anhalten oder umdrehen?“ Sie: „Mir egal, musst du nicht.“

Dieses Mal war es anders. Etwas in ihrer Stimme sagte mir wohl unterbewusst, dass es vielleicht wirklich ein außergewöhnlicher Ausblick gewesen sein muss (ich habe es leider so gar nicht sehen können in dem Moment), und so fragte ich erst gar nicht, sondern hielt direkt in der nächsten Haltebucht an. Nach kurzem Fußmarsch standen wir an der Stelle, die man schon aus dem Autofenster annähernd sehen konnte. Und tatsächlich – dort bot sich ein spektakulärer Blick hinunter auf einen S-förmigen, türkisfarbenen See – umschlossen von saftig grünen Bäumen und Büschen. Das Highlight war eine alte Brücke im vorderen Teil des Sees. Und das i-Tüpfelchen waren schließlich malerische Felsen und Berge im Hintergrund.

Der perfekte Fotospot!

Intuitiv hob ich sofort meinen Arm, um auf meiner Smartwatch die Himmelsrichtung zu checken – und konnte mein Glück kaum fassen: Die Berge am (scheinbaren) Ende des Sees, die auch noch in einer Art Kerbe geformt waren, lagen genau in Richtung Süden! Als passionierte Milchstraßenfotografin schlug mein Herz schlagartig schneller und ich sah vor meinem geistigen Auge schon die Komposition dieser grandiosen Szenerie zusammen mit der Milchstraße über den Bergen. Also schnell PhotoPills auf dem Smartphone geöffnet, den aktuellen Standort gesetzt, die Nacht-AR-Ansicht gestartet und die Zeit auf „Jetzt“ gesetzt. Beim Vorspulen der Uhrzeit sah ich, dass die Milchstraße zwischen 22:30 und 23:00 Uhr perfekt über den Bergen stehen würde – genau zum Einsetzen der dunklen Nacht nach der astronomischen Dämmerung! Ich machte innerlich (und vielleicht auch ein wenig äußerlich) Freudensprünge! Wie konnte ich noch nie von diesem Spot gehört haben? In meinem Kopf formte sich sofort das fertige Bild – und nicht nur das, ich sah es auch auf dem Cover meines Buches!

Schnell stand daher fest: Wir müssen hierbleiben! Ich muss dieses Foto unbedingt haben!

Und glaub mir, selten war ich glücklicher über die Flexibilität eines Campers. Wir mussten kein Hotel stornieren und neu buchen, keine Folgetage umplanen oder ähnliches – wir konnten uns einfach ein Plätzchen in der Nähe zum Übernachten suchen. Wenn man wie wir meist erst morgens das Ziel des Tages und der kommenden Nacht aussucht, lässt es sich ideal nach dem Wetter reisen und maximale Chancen auf gute Astrofotos bekommen. Und wie es der Zufall wollte, gab es gleich wenige Meter weiter einen tollen Parkplatz mit Schattenplätzen direkt am Fluss. So schnell ändern sich Pläne also…

Besser geht’s nicht – ein Schattenplätzchen mit einem erfrischenden Fluss direkt vor der Haustür!

Komme ich zu meinem Traumfoto?

Was man aber leider nicht planen kann, ist das Wetter. Es sah an diesem Abend leider etwas wechselhaft aus. ‚Mist‘, dachte ich, ‚irgendwas ist ja immer.‘ Trotzdem plante ich die Aufnahme und das dazu passende Equipment und wir machten uns gegen 22 Uhr auf den kurzen Weg hinauf zum Aussichtspunkt. Der Himmel sah vom Parkplatz aus gar nicht so schlecht aus. Spätestens oben offenbarten sich jedoch recht dichte Wolken am Horizont, die ausgerechnet den Blick auf das Milchstraßenzentrum weitestgehend verdeckten. Innerlich fluchend machte ich trotzdem meine Aufnahmen. Und schnell wurde noch eine andere Herausforderung an diesem Spot deutlich: Zwar war es generell recht dunkel dort und es gab keine fest installierten künstlichen Lichter rund um den See, allerdings verliefen direkt hinter uns und rechts des Sees Straßen. Und da es erst 22:30 Uhr war, herrschte noch recht reger Verkehr. So vergingen kaum 10 Sekunden, in denen keine Scheinwerfer von vorn ins Bild leuchtete, ein Fernlicht die halbe Landschaft erhellte oder die roten Rücklichter helle Spuren in die malerische Landschaft zogen. Es wäre auch zu schön gewesen, um wahr zu sein.

Der erste Abend war nicht wirklich von Erfolg gekrönt.

Zwar lösten sich die Wolken zunehmend auf, aber nun stand die Milchstraße auch schon zu weit rechts für die perfekte Komposition, die ich im Kopf hatte. Enttäuscht und ein wenig traurig gingen wir also kurz vor Mitternacht wieder zum Camper zurück. Natürlich konnte ich es mir trotzdem nicht nehmen lassen, gleich noch einen Blick auf die Bilder zu werfen. Wie erwartet waren es nicht die Ergebnisse, die ich mir erhofft hatte. Ich bastelte daher ein wenig, um zu sehen, wie es hätte aussehen können – und vor allem, ob es wirklich ein geeignetes Cover-Motiv abgeben würde. Das tat es „leider“ wirklich! Und so mussten wir wohl oder übel noch eine Nacht länger bleiben – denn in der kommenden Nacht sagten alle Wetterdienste einhellig perfektes Wetter voraus.

Wir hatten damit auch etwas Zeit, um die Gegend weiter zu erkunden. Der insgesamt etwa 8 Kilometer lange Stausee ist wirklich malerisch mit seinen kleinen Buchten und Verästelungen. Mich erinnerte der Anblicke ein wenig an den Eibsee in Bayern oder das türkisblaue Meer auf Sardinien. Aber auch das weitere Scouting bestätigte, dass der Spot der ersten Nacht schon perfekt war. Daher würden wir es genau dort wieder probieren! Und ich freute mich ehrlich gesagt auch über den unverhofften Pausentag und somit Zeit im mobilen Büro, da doch noch einiges fürs Buch zu tun war.

Zweiter Versuch – klappt es dieses Mal?

Nach einem Probeshooting mit dem geplanten Equipment – und mit dem Wissen um die vielen Autos aus der letzten Nacht – ging es also gegen 22 Uhr erneut los. Dieses Mal sah der Plan noch eine Besonderheit vor, die wir am Abend vorher aufgrund der Wolken dann doch bleiben ließen: Meine Mama wanderte nach unten zur Brücke, um dem Bild das letzte Detail zu verleihen. Sie hatte sich schließlich schon auf den Kanutouren-Büchern als Covermodell bewährt. Per Kopfhörer waren wir telefonisch verbunden, so dass ich ihr genaue Anweisungen zum Stillstehen geben konnte. Mein Fluchen über die blöden Autos hat man vermutlich über den ganzen See hinweg hören können… Und dieses Mal fuhren sie nicht nur hinter mir entlang, sondern ein (vermutlich) Camper parkte auch wenige Meter neben mir auf einem kleinen Parkplatz hinter dem Tunnel. Das wäre an sich nicht schlimm gewesen, allerdings strahlte etwas Licht aus dem Wagen, das mir ein wenig in den Vordergrund leuchtete. Zum Glück öffnete er nur einmal an diesem Abend die Tür, was die Autolichter für ein paar Sekunden hell aufleuchten ließ.

Was ich allerdings auch aus der ersten Nacht wusste: Durch die generell fehlende Lichtverschmutzung war es sehr schwer, den Vordergrund einigermaßen aufzuhellen, ohne dass dieser im Bildrauschen versank. Nun beschreibe ich ja selbst im Buch einige Lösungsmöglichkeiten für dieses Problem. Allerdings waren eine Nachführung und/oder separate Langzeitbelichtung des Vordergrunds in diesem Fall keine wirklich guten Optionen, da hier nahezu in jedem Versuch Autolichter im Bild gewesen wären. Ich entschied mich also schlussendlich für ein gestacktes Panorama, was mehrere Techniken aus dem Buch sinnvoll kombiniert – und damit thematisch wunderbar die beschriebenen Herangehensweisen und Inhalte repräsentieren würde.

Wie man sieht, leutet fast auf jedem Bild irgendein Autolicht auf. Glücklicherweise verschwanden diese Aufhellungen dank des Stackings.

Ich probierte im Laufe des Abends mehrere Brennweiten aus, bevor es wieder hinunter zum Camper gehen sollte. Glücklich und erleichtert, dass es dieses Mal besser geklappt hatte, leuchtete ich dabei mit der Stirnlampe auf den steinigen Weg direkt vor mir. Als ich zwischendurch mal aufschaute, traf mich fast der Schlag. Stand doch keine 2 Meter vor mir ein Reh auf dem Weg! Ich sah es gerade noch in den Wald springen und hörte es kurz darauf aus sicherer Entfernung bellen. Sowas hatte ich noch nie gehört. Hätte ich es nicht besser gewusst, wäre ich ziemlich sicher von einem Hund ausgegangen. Aber offenbar wollte das Reh damit andere Artgenossen vor mir warnen… Ich hoffe, es hat sich schnell von dem Schreck erholen können. Aber mit einem Reh hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet bei den paar Bäumen dort. Nun gut, das sollte wohl auch zu der ganzen Geschichte gehören.

Gibt es ein neues Cover?

Natürlich mussten auch die Bilder dieser Nacht noch sofort gesichtet und bearbeitet werden. Dieses Mal war meine Laune dabei deutlich besser, denn ich hatte tatsächlich genau den „Schuss“, der mir schon seit 2 Tagen vorschwebte! Genial, und es funktionierte sogar wunderbar als Cover-Motiv, wie ich fand. Aber so kurz vor Schluss nochmal alles umwerfen und das Cover tauschen? In einem Verlag vermutlich unmöglich. Aber warum nicht? Das neue Cover hätte für mich durch die Geschichte dahinter eine starke emotionale Bedeutung, es verkörpert viele Themen des Buches und zeigt noch dazu einen Spot, der nicht schon x Mal fotografiert wurde. Zumindest konnte ich bislang kein Foto dieses Sees zusammen mit der Milchstraße finden.

In der zweiten Nacht hatte es endlich geklappt! Was für eine Erleichterung!

Welcher Gedanke mir aber auch kam: Ist die Komposition vielleicht zu perfekt, um glaubhaft zu sein? Wäre ich nicht dabei gewesen, würde ich das Bild vermutlich potentiell für ein (durchaus gut gemachtes) KI-Bild halten. Könnte das vielleicht ein Problem werden? Würden es potentielle Leser bei einem flüchtigen Blick womöglich als den heute typischen „KI-Mist“ abstempeln und keines genaueren Blickes würdigen? Ich würde es ja vermutlich nie erfahren. Aber andererseits: Sollte ich ein aus meiner Sicht perfektes Coverbild, in das ich viel Zeit und Herzblut investiert habe, aufgrund dieser latenten Befürchtung nicht verwenden? NEIN! Denn ich weiß, dass es ein real geplantes und fotografiertes Bild ist, bei dem ich durch den Einsatz der passenden Aufnahme- und Bearbeitungstechniken versucht habe, das Maximum herauszuholen. Und mit diesem Blog konnte ich hoffentlich auch dich davon überzeugen.

Was ich aus dieser Geschichte mitnehme?

Vielleicht kannst du aus den Erzählungen auch ein wenig „mitfühlen“, wie glücklich ich über die zufällige Entdeckung dieses Spots und den aufgegangenen Plan war. Ein bisschen fühlt es sich so an, als ob das Universum mir das Motiv quasi auf dem Silbertablett serviert hat. Oder man könnte wohl auch sagen: „Das Cover-Motiv lag einfach am Straßenrand!“. Umso dankbarer bin ich aber auch meiner lieben Mama, die zum richtigen Zeitpunkt aus dem Fenster geschaut hat und überzeugend genug war, um mich zum Anhalten zu bewegen. Dass es zwei Nächte brauchte, um den geplanten Shot zu bekommen, hat das Ganze nur noch stärker in unsere Erinnerungen eingebrannt. Wir hatten eine tolle Zeit dort und werden uns beim Blick auf das Buch immer daran erinnern.

Übrigens ist es gar nicht selbstverständlich, dass dieses Motiv genauso aussieht. Im Internet konnte ich Bilder zweier Extreme an diesem Spot finden: Entweder war nahezu kein Wasser im Stausee, was die Bildwirkung weitestgehend kaputt gemacht hätte – oder es war zu viel Wasser im See, sodass die Brücke im Vordergrund vollständig unter Wasser lag. Auch in diesem Fall hätte ein kleines aber feines Detail gefehlt, finde ich. Insgesamt war daher wohl eine ordentliche Portion Glück dabei. Aber das ist ja bekanntlich mit den Tüchtigen… oder so 😉 In diesem Sinne: Man muss im Leben immer mit dem Unerwarteten rechnen – manchmal werden daraus die schönsten Erinnerungen!

Wie ist es bei dir? Sind dir auch schonmal Motive zufällig vor die Linse gesprungen, bei denen du dachtest ‚da muss doch das Universum seine Finger im Spiel gehabt haben‘? Schreibs mir gern mal in den Kommentaren.

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