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Lohnt sich eine Polarlichtreise nach Island noch?

„Ich fahre nicht mehr nach Island – das Land ist mittlerweile viel zu überlaufen!“ So oder so ähnlich klang es von einigen namhaften Fotografen in den letzten Wochen und Monaten. Und in der Tat scheint Island derzeit zu den beliebtesten Reiseländern zu gehören, was es für viele natürlich weniger exklusiv macht und somit schlussendlich an Attraktivität verliert. Im Oktober 2017 war ich – mittlerweile zum zweiten Mal – auf Island und möchte Dir in diesem Blogbeitrag neben einigen Bildern dieser Polarlichtreise auch meinen Eindruck der dortigen Situation wiedergeben.

Das berühmte Vestahorn bei Höfn spiegelte sich zur Blauen Stunde am Abend wunderbar im flachen Wasser der Lagune.

Warum gerade Island?

Als ich im Oktober 2015 das erste Mal meinen Fuss auf isländischen Boden setzte, war ich sofort verzaubert von diesem Land. Die Landschaft dort ist so unwirklich: es gibt kaum Bäume, dafür aber jede Menge Lavagestein, Vulkane, dampfende Thermalgebiete und Gletscher, die fast auf Meereshöhe enden. Dazu ein ganz besonderes Wetter und einmaliges Licht, dass den Fotografen nur selten mal zu Mittagspausen zwingt. Nun habe ich auch schon einige Teile von Norwegen kennenlernen dürfen, aber Island ist wirklich nochmal etwas ganz anderes. Ich vergleiche den Unterschied gern mit den Alpen und den Dolomiten – für mich haben die Dolomiten gegenüber den Alpen auch einen ganz eigenen Charakter, der es mir extrem angetan hat! Vielleicht kannst Du diesen Vergleich ja nachvollziehen?

Als wir am Abend den Hafen von Höfn besuchten, herrschte für ein paar Minuten absolut magisches Licht!

Neben der tollen Landschaft gibt es natürlich ein weiteres Argument, weshalb es viele Fotografen und Naturbegeisterte nach Island zieht: das Polarlicht! Die wundervollen Lichter am Himmel sind in Island auf Grund des Sonnenstandes etwa von September bis März zu beobachten – vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Und was für viele auch nicht ganz unwichtig ist: Island ist mit dem Flieger schnell und ohne Zwischenstopp erreichbar und auf Grund des Golfstroms an der Südküste auch im Winter nicht allzu kalt – zumindest verglichen mit Temperaturen von mehr als -20 oder -30°C im Landesinneren von Norwegen oder Finnland.

Ich war mittlerweile zwei Mal in Island – beide Male im Oktober und beide Male an der Südküste Islands. Und ich hatte auf beiden Reisen großes Glück mit dem Wetter, was mir viele Polarlichtnächte mit zum Teil beeindruckenden Schauspielen bescherte. Und obwohl ich eine ziemliche Frostbeule bin, war mir auf den Reisen nie kalt. In der kältesten Nacht waren es um die -4 bis -5°C, die ich allerdings dank passender Kleidung und vor lauter Faszination über die tanzenden Polarlichter gar nicht wirklich wahrgenommen habe.

In dieser Nacht spiegelte sich das Polarlicht wunderschön in einer Lagune am Black Beach in der Nähe von Vík.

Ist Island mittlerweile völlig überfüllt?

Vor etwa 10 Jahren war Island noch ein relativ unbekanntes Reiseland. 2008 stürzte das Land dann in eine schwere Wirtschaftskrise, was aber wiederum durch die geschwächte Isländische Krone einen Urlaub dort erschwinglicher machte. Und so stieg der Tourismus seitdem stark an, wobei das Land spätestens mit dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull 2010 und dem genialen Auftritt der Isländer bei der Fussball-EM 2016 enorm an Popularität gewann. Von 2010 bis 2016 hat sich die Zahl der ausländischen Flugreisenden von und nach Island sage und schreibe sogar vervierfacht!

Nun war mein erster Island-Besuch in dieser Entwicklung schon relativ spät (Ende 2015), aber ich hatte nicht das Gefühl, dass das Land schon völlig überlaufen war. Das mag zum einen daran gelegen haben, dass Oktober nicht unbedingt die Hauptreisezeit für Island darstellt und zum anderen kommt es sicher stark darauf an, welche Ziele man ansteuert. Bei den touristischen Hauptattraktionen ist man sicher nie allein, aber sobald man mal ins Hochland abbiegt, trifft man schnell auch mal für mehrere Stunden kein Auto mehr. Und dies war auch bei meinem Besuch in diesem Jahr – so ziemlich genau 2 Jahre später – noch so. So waren wir beispielsweise mit unserem Allrad-Mietwagen im Hochland unterwegs und bogen in Richtung Kerlingarfjöll ab – dies liegt etwa 1,5 Autostunden vom berühmten Gullfoss-Wasserfall entfernt. Leider kamen wir auf Grund von Schnee nicht ganz ans Ziel, aber wir konnten von einem Campingplatz, der irgendwo im Nirgendwo lag, eine kleine Wanderung zu einem sogenannten „Hot Pot“ machen – eine warme Quelle mitten in der Wildnis. Und was soll ich sagen: das war genial! Weit und breit kein Mensch und die Möglichkeit, bei ca. 0° C Außentemperatur im Badewannen-warmem Wasser zu sitzen!

Diesen Hot Pot im Hochland erreicht man nur zu Fuss. Dafür hat man diese natürliche Badewanne dann auch ganz für sich allein.

Um mal ungestört zu sein oder zumindest Fotos ohne Touristenmassen im Hintergrund machen zu können, muss man aber nicht unbedingt so weit weg von den bekannten Attraktionen fahren. An der berühmten Gletscherlagune Jökulsárlón braucht man z.B. nur an einem der vorderen Parkplätze anhalten und zum Gletschersee hinunter zu gehen, schon hat man das wunderbare Panorama für sich – und wenn man Glück hat, taucht sogar noch die eine oder andere Seerobbe auf:

Die Gletscherlagune Jökulsárlón kann man auch tagsüber menschenleer erwischen. Links im Bild ist übrigens meine Mama, die uns auf der Reise begleitet hat.

Ein letztes Beispiel sind Eishöhlen: Island ist ja eines der Länder, in denen man Eishöhlen meist recht einfach im Rahmen geführter Touren besuchen kann, da die Gletscher vergleichsweise tief gelegen sind. Üblicherweise beginnt die Eishöhlen-Saison erst im November in Island, so dass mir dieses Erlebnis auf meiner ersten Reise leider verwehrt blieb. In diesem Jahr hatten wir allerdings das Glück, eine frühe Tour zu zwei gerade erst entdeckten Eishöhlen buchen zu können. Und wir hatten sogar doppeltes Glück: da außer uns keiner sonst zu dieser Tour angemeldet war, hatten wir quasi unseren privaten Guide, der uns viel über das Land, die Gletscher und natürlich die Eishöhlen erzählt hat. Das allerbeste an solch einer privaten Tour war natürlich, dass ich nach Herzenslust fotografieren konnte, ohne lästige Menschen im Bild!

Diese Eishöhle konnten wir ganz exklusiv fotografieren. Normalerweise ist es an solchen Fotospots fast nie menschenleer.

Und auch die Gletscherwanderung konnten wir zu dritt mit unserem Guide genießen. Einmalig!

Zum Abend hin rundete dann schließlich eine exklusive Tour mit Steigeisen über den Gletscher dieses perfekte Erlebnis ab! Dass dies auch ganz anders aussehen kann, haben wir am Sólheimajökull ein paar Tage vorher gesehen. Dort führten mehrere parallele Gletschertouren wahre Massen an Turnschuhtouristen über den Gletscher. Das wäre jetzt nicht wirklich mein Fall…

Diese Kollegen hatten es da weniger gut: Im Gänsemarsch ging es hier über den Gletscher.

Und auch am berühmten Strokkur Geysir ließen sich die vielen Touristen, wie sie alle in Reih und Glied auf den nächsten Ausbruch warteten, nicht vermeiden. Da man sich an solchen Orten aber i.d.R. nur kurze Zeit aufhält, war dies noch erträglich.

Wie die Hühner stehen die Touristen um den Geysir Strokkur herum und warten auf den nächsten Ausbruch.

Du siehst also, es hängt stark davon ab, welche Ziele man in Island ansteuert, aber es ist definitiv möglich, die Schönheit des Landes in Ruhe zu genießen, ohne von den Touristenmassen überrannt zu werden. Dies mag im Sommer etwas anders aussehen, allerdings kommen laut Aussage der Einheimischen mittlerweile auch immer mehr Urlaub in den Wintermonaten – primär wohl, um die Polarlichter zu bewundern. Und dies war ja auch unser eigentliches Ziel…

Tanzende Polarlichter – der Zauber Islands!

Einige Polarlichtaufnahmen hatte ich ja bereits in meinem kleinen Testbericht der Sony A7s und des Tokina Firins gezeigt – wenn Du diesen noch nicht kennst, schau doch auch gern hier mal rein! Wie Du siehst, hatten wir wieder großes Glück mit den magischen grünen Lichtern am Himmel. Zwar blieb der Wahnsinns-Sonnensturm in unserer Zeit auf der Insel leider aus, aber es reichte allemal für tolle Bilder – zumal Polarlicht mit der Kamera eingefangen immer stärker wirkt als für das bloße Auge.

Die Freude war groß, dass wir in den 13 Tagen Islandurlaub so oft das Glück hatten, Polarlichter zu sehen und zu fotografieren.

Aber auch visuell haben wir einiges geboten bekommen. Neben schnell tanzenden und vergleichsweise hellen Lichtern gab es in einer Nacht auch die seltenen pulsierenden Polarlichter, die völlig surreal in verschiedenen Farben am Himmel „waberten“. Dieses Schauspiel habe ich für eine Weile rücklings auf dem Boden liegend genossen – ein Traum!

Dieses pulsierende Polarlicht war eins der beeindruckendsten Naturschauspiele, die ich je gesehen habe!

Aber wie sah es nachts an den bekannten Fotospots aus?

Wir hatten das Glück, einige beliebte Fotospots auch nachts bei klarem Himmel und mehr oder weniger starkem Polarlicht erleben zu dürfen. So waren wir beispielsweise am Strokkur Geysir, wo wir bei unserer Ankunft ein fotografierendes Pärchen trafen, die sich aber ziemlich schnell verdrückten und uns den Geysir „exklusiv“ überließen. In der Nacht wirkt ein Ausbruch allerdings fotografisch auf Grund der mehrsekündigen Belichtungszeit eher nicht so schön – dafür ist es akustisch umso beeindruckender, wenn auf einmal im Dunkeln eine meterhohe Wassersäule neben einem nach oben schießt!

Der Geysir Strokkur war bei Nacht schon wesentlich entspannter zu genießen – in dieser Nacht waren wir die einzigen dort!

Am Skógafoss war es dann schon etwas voller. Auf dem direkt davon gelegenen Parkplatz standen diverse Autos und Camper, und auch direkt vor dem Wasserfall hatten sich einige Fotografen aufgebaut. Irgendwann wurde es aber auch dort leerer und ich konnte in Ruhe mein Foto ohne menschliches Beiwerk aufnehmen.

Und auch am Skógafoss war nachts nicht allzu viel los.

Am Flugzeugwrack (DC-3), welches direkt am Strand in der Nähe von Vík liegt, sah es dann schon anders aus. Als ich vor 2 Jahren dort war, konnte man noch mit dem Auto bis kurz vor das Wrack fahren, allerdings waren wir damals 2 von insgesamt nur 5 Autos (tagüber!). Mittlerweile ist der Weg zur DC-3 für Autos gesperrt, und man muss ca. 45 min. zu Fuss gehen. Dies schien die Menschen aber weder tagsüber noch nachts davor abzuschrecken, dort Fotos zu machen. Tagsüber standen dort immer wenn wir vorbeifuhren schätzungsweise 30 Autos auf dem Parkplatz. Nachts waren es zwar weniger, aber wir trafen auf dem Hinweg zu Fuss – nachts um 1:30 Uhr – etwa 15-20 Personen, die uns vom Wrack entgegenkamen. Glücklicherweise waren wir dann gegen 2 Uhr an der DC-3 wiedermal ganz allein und konnten nach Herzenslust fotografieren und ein wenig „lightpainten“. Auf dem Rückweg kamen uns dann aber schon wieder 5 Personen entgegen… Glück gehabt! Aber leicht spooky war es schon, so ganz allein im Stockdunklen in einem alten Flugzeugwrack zu stehen.

Wir hatten auch an der DC-3 Glück und konnten das Flugzeugwrack ohne andere Fotografen in der Nacht fotografieren.

Zuletzt entschieden wir uns in einer letzten klaren Nacht, in der wir in Höfn übernachteten, statt zur Gletscherlagune zur bekannten Landzunge Stokksnes mit Blick auf den imposanten Berg Vestahorn zu fahren. Hier hatten wir schon zur blauen Stunde fotografiert (siehe Bild am Anfang des Beitrages) und wußten, wie schön man die Spiegelung des Berges im flachen Wasser der kleinen Lagune bei Windstille fotografieren kann. Nachts schien dann alles zu passen: kaum Wind, klarer Himmel und vor allem: keine anderen Fotografen! Nur das Polarlicht ließ uns in dieser Nacht etwas im Stich. Aber ein schönes Foto konnte ich trotzdem noch einfangen, bevor uns auf dem Rückweg doch noch ein Fotograf entgegen kam. Gegen Ende unserer Session wurde es dann sogar noch etwas gefährlich, als das wenige Zentimeter hohe Wasser, in dem ich mit meinem Stativ stand, plötzlich anfing zu frieren und eine spiegelglatte Eisfläche entstand.

Und schließlich hatten wir auch das Vestahorn in der Nacht für uns allein. Nur das Polarlicht wollte nicht so richtig rauskommen.

Aber auch abseits der bekannten Spots ist man nicht unbedingt allein. So kam es am Sólheimajökull zu einer (im Nachhinein) witzigen Begegnung mit zwei Fotografen, die uns auf dem Weg zum Gletscher gerade entgegenkamen. Wir grüßten kurz und freuten uns, dass wir nun offensichtlich die einzigen am Spot waren. Am nächsten Tag fanden wir bei Facebook ein Foto, was unserem verblüffend ähnelte. Es stellte sich dann heraus, dass es von den beiden, die wir auf dem Weg getroffen hatten, stammte. So entstand noch eine ganz nette „Unterhaltung“ im Nachhinein. Wie klein die Welt doch ist…

Der Sólheimajökull ist nachts schon deutlich menschenleerer. Und eigentlich viel schöner als am Tag, auch wenn man dies erst später auf dem Foto so richtig sieht!

Island ist teuer!

Was man allerdings bei all der landschaftlichen Schönheit sagen muss ist, dass Island ein extrem teures Land geworden ist. Mietwagen und Unterkünfte waren seit dem steilen Anstieg der Touristenzahlen schon immer sehr teuer (im Sommer zahlt man schon mal 200-400 Euro pro Tag für einen Mietwagen oder eine Unterkunft!), aber auch Lebensmittel sind mittlerweile fast unbezahlbar geworden. So haben wir ganz schön dumm geschaut, als wir plötzlich für einen Teller Suppe umgerechnet 20 Euro zahlen mussten, oder ein Stück Kuchen 12 Euro kosten sollte. Wer also keine Möglichkeit zum Selbstkochen hat, sollte seinen Geldbeutel gut füllen!

Wir waren für 13 Tage zu dritt in Island unterwegs und haben für Flug, Mietwagen, Unterkünfte, Benzin und Verpflegung insgesamt ca. 2.400 Euro pro Person ausgegeben. Dabei haben wir einige Abende selbst gekocht. Allerdings hatten wir uns auch für einen 4×4 Mietwagen entschieden, um auch mal ins Hochland fahren zu können – mit normalen Wagen ist es verboten, auf den Hochlandstrassen zu fahren. Die 175 Euro Miete pro Tag (!) waren die Ausflüge in die „Wildnis“ allerdings durchaus wert.

Der Mietwagen war zwar das Teuerste an der ganzen Reise, machte aber auch großen Spaß im Hochland!

Würde ich wieder nach Island fahren?

Für mich ist Island noch immer eines der schönsten und faszinierendsten Länder der Welt! Und schon allein mein Polarlicht-Fieber, was mich 2015 auf der Insel befallen hat, wird mich sicher auch wieder dorthin zurückführen. Nun kann ich nur schwer etwas über die „ideale“ Reisezeit für Island sagen, da ich das Land bisher nur im Herbst erlebt habe. Für mich ist diese Zeit allerdings perfekt, da die meisten Straßen noch schneefrei und befahrbar sind, die Nächte aber schon lang genug sind um viele Chancen auf Polarlicht zu haben.

Nach meinen persönlichen Erfahrungen kann ich eine Reise nach Island also noch immer wärmstens empfehlen!

Welche Erfahrungen hast Du gemacht? Warst Du auch schonmal in Island? Ich freue mich über Deinen Kommentar – und gern auch einen Link zu Deinen eigenen Island-Fotos!

13 Kommentare
  1. Ralf D. says:

    Es scheint ein faszinierendes Land zu sein, vor allem fotografisch! Jede Menge Fotospots mit vielfältigen Vor- und Hintergründen. Wobei es mich schon wundert das es dort in der Pampa ein Flugzeugwrack gibt, kurios 🙂
    Ein sehr schöner Reisebericht Katja!!!

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  2. Anja Schaar-Goldapp says:

    Der Vestahorn zur blauen Stunde ist märchenhaft schön fotografiert! Gern würde ich mir dieses stimmungsvolle Foto in meine Wohnung hängen – wohl am besten auf Aluminium. Lässt sich da was machen, Katja?
    Der gesamte Reisebericht versetzt mich in Neugier auf das bezaubernde Licht in ursprünglicher Natur. Fernweh!

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  3. Tobias T. says:

    Das schlimme an Island ist, dass es vorrangig nicht mehr Naturliebhaber, sondern Selfie-Touristen anzieht. Mit einem 4×4 kann man durchaus einsam Ecken noch für sich entdecken, die bequem zu erreichenden Spots an der Südküste sind aber dermaßen überlaufen, dass man die einsame Natur hier kaum noch genießen kann. Noch dazu kommt, dass die Isländer jegliches Maß für Verhältnismäßigkeit verloren haben und versuchen, dass maximale aus den Massentouristen zu schröpfen. Auch entstehen schreckliche Projekte in dem empfindlichen Land, die der Natur dauerhaft schaden werden, wie ein künstlicher Stausee um das Kárahnjúkar-Kraftwerk oder die fragwürdige „Blaue Lagune“. Es wäre schön, wenn Island eine Nachhaltigkeitsdebatte führen würde und den Tourismus so steuert, dass er auch im Einklang mit der einzigartigen Natur steht. Nicht jeder Tourismus tut der Insel gut. Es sollte ein Ziel für Naturliebhaber und Wanderer sein. Ich hoffe, dass Island noch die Kurve kriegt, bevor wir in 10 Jahren McDonalds und Hotelketten direkt neben den einzigen Naturschönheiten vorfinden.

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    • Katja Seidel says:

      Hallo Tobias,
      ja, da hast du vollkommen Recht. McDonalds hat sich ja zum Glück schon vor einigen Jahren komplett von der Insel verabschiedet. Aber ich hoffe auch, dass es auch in 10 Jahren noch Spaß macht, dieses wundervolle Land mit der einzigartigen Natur zu besuchen.
      LG, Katja

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    • Frank says:

      Hallo Tobias,
      ich kann deine Meinung gut verstehen und finde so manche Entwicklung in diesem tollen Land auch sehr bedenklich. Wenn du dich allerdings einmal mit Isländern unterhältst wirst du sehr schnell feststellen, dass sie in der Regel nicht besonders erfreut sind, wenn wir Mitteleuropäer anfangen Ihre Lebensweise und Ihren Umgang mit der Natur zu kritisieren. Die Menschen dort mussten seit Jahrhunderten lernen, mit widrigsten Lebensumständen klar zu kommen und konnten nur dadurch überleben, dass sie aus Allem das Maximum herausgeholt haben und um jede sich bietende Gelegenheit gekämpft haben. Nur ein Beispiel: es gibt ein altes isländisches Rezept, wo Fischgräten und -Köpfe lange in Sauermilch eingelegt werden, um sie aufzuweichen und „genießbar“ zu machen um so auch den letzten Rest an Proteinquelle zu erschließen. Oder hast du mal Hákarl probiert? Ich schon, schmeckt wie Bahnhofsklo. Ich glaube so etwas isst man nicht, wenn man es nicht muss und um die Ecke alles wächst und gedeiht. Die Ressourcen auf Island sind bei weitem nicht mit unseren vergleichbar. Ich finde es steht uns deshalb nur begrenzt zu, hier gute Ratschläge zu erteilen, oder hast du hier in Deutschland nach ein paar Minuten Autofahrt noch irgenwo eine unberührte Naturlandschaft, weil sich unsere Vorfahren so sehr in zurückhaltender Landschaftserschließung geübt haben? Beziehen wir hier in Deutschland mehr als 60% der Energie aus natürlichen Quellen wie die Isländer? Wenn ich mich in hier in der Pfalz umsehe, sehe ich jedenfalls nur Industie, Land- und Forstwirtschaftlich genutzte Flächen, Zersiedelung , Straßen, Kohle- und Atomkraftwerke – und viele schöne Windkrafträder. Und wir, die wir das alles nutzen und unser Geld damit verdienen verlangen von den Isländern sie sollen am Besten nur noch Wander- und Ökotouristen ins Land lassen?
      Im Gegensatz zu unserem hochdemokratischen Land, haben die Isländer immerhin in der Finanzkrise keine der Bad.Banks gerettet und sind dabei, wie sie es vo jeher gewohnt sind, sich aus eigener Kraft aus dem Dreck zu ziehen. Nach meinem ersten Urlaub dort, habe ich an das Fischereiministerium geschrieben, weil ich mich maßlos darüber aufgeregt habe, dass Island zu dieser Zeit wieder begrenzten Walfang erlaubt hat, anstatt lieber von den Einnahmen vom Whalewatching zu leben. Ich habe nach kurzer Zeit von höchster Stelle eine ausführliche Antwort bekommen, wo auf meine Argumente eingegangen- und die Haltung der damaligen Regierung erklärt wurde. Immerhin! Mach das mal bei unserem Glyphosat Schmidt…
      Mir gefallen die Hochhäuser und MacDonalds auch nicht, aber die „Blaue Lagune“ fügt sich besser in das von einem Vukanausbruch zerstörte Umfeld, als so manches „Spaßbad“, das bei uns in die Lanschaft geklatscht wird. Ich denke die Isländer sind seit über 1000 Jahren demokratisch erfahren genug und können das Alles alleine entscheiden. Und selbst wenn nicht, gibt es noch genug andere Länder, die mehr kaputt machen und vielleicht mehr Kritik verdient hätten.
      Grüße
      Frank

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  4. Frank says:

    Hallo Katja,
    vielen Dank für den schönen Island Bericht und die tollen Bilder. Ich denke trotz Riesenhype, ist Island nach wie vor die am bequemsten zu erreichende „Wildnis“ Europas und wer dort keine Motive mehr findet, dem ist auch sonst nicht mehr zu helfen… 😉
    Ich hatte das Glück zwei Mal dort hin reisen zu können, 2012 im Herbst und 2015 im März und war jedes Mal geflasht. Ein absolut faszinierendes Land und Fotomotive wohin man sich dreht. Dazu fast den ganzen Tag Fotolicht. Hier mal eine schnell zusammengestellte Auswahl (die Nordlichter sind 2012 fotografiert mit leider relativ lichtschwachem Equipment…) https://www.dropbox.com/sh/wxac8gaqv0xyqor/AACcxn5ysNk8UUd5XvcPj8sna?dl=0
    Mit den Wetterkapriolen muss man allerdings klar kommen. Uns hat es im März 2015 ein paarmal fast von der Straße geweht (trotz SUV und Spikes-Reifen) und wir mussten einmal auf der Hauptverkehrsstraße zwischen Kevlavik und Reykjavik wegen Schneesturm anhalten und sind eingeschneit. Und es kann natürlich auch sein – wie es uns leider beim 2. Mal ging – dass sich das Nordlicht hinter dicken Wolken versteckt oder wenn der Himmel endlich mal kurz aufklart, ausgerechnet Pause macht… Trotzdem würde ich immer wieder dort hin fahren.
    Geld ist natrlich ein Thema. Die isländische Krone hat sich für uns seit 2012 um gut 40% verteuert. Wenn man aber z.B. nach Nord-Norwegen fliegen möchte und Flug-Hotel-Mietwagen-Essen-Trinken-Sonstiges vergleicht, ist man in Island wahrscheinlich noch etwas günstiger dran. Wenn man ein paar Freunde findet und sich Ferienhäuser und Mietwagen teilen kann, ist das Alles noch im relativ bezahlbaren Rahmen.
    Liebe Grüße
    Frank

    Antworten
    • Katja Seidel says:

      Hallo Frank,
      wow, vielen Dank für Deinen kleinen Bericht und den Link zu den Fotos. Die Bilder sind wirklich genial und zeigen die vielen tollen Lichtstimmungen, aber auch die Rauheit des Landes supergut! Ich war ja bisher nur im Oktober in Island und hab das Land daher noch nicht im Schnee erlebt. Deine Bilder machen aber schon Lust darauf, auch wenn die Gefahr von Schneestürmen natürlich nicht zu verachten ist!
      In Nordnorwegen (Tromsö) waren wir auch im letzten Jahr – etwa genauso teuer würde ich sagen. „Billigurlaub“ kann man sicher in keinem der beiden Länder machen.
      LG, Katja

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      • Frank says:

        Liebe Katja,
        das mit den Schneestürmen würde ich gegenüber Nordnorwegen nicht überbewerten. Mit Allrad SUV, warmer, winddichter Kleidung und etwas gesundem Menschenverstand beim Fahren ging das alles supergut. Lange Wanderungen wird man eh nicht machen und der Aktionsradius beschränkt sich weitgehend auf die Ringstraße. Notfalls kann man ja dem isländischen Sprichwort folgen: „wenn dir das Wetter auf Island nicht gefällt, warte eine viertel Stunde, dann ist es garantiert anders“. Ich würde persönlich lieber noch einmal im Winter hin fahren, als im Sommer (obwohl mir das Erlebnis noch fehlt).
        LG
        Frank

        Antworten
        • Katja Seidel says:

          Hallo Frank,
          ich werde sicher auch eher mal im Winter nach Island fahren als im Sommer, obwohl so eine Nacht, in der es nicht richtig dunkel wird, sicher auch mal ganz spannend ist. Habe ich annähernd mal in Norwegen erlebt, aber das war noch etwas zu südlich.
          LG. Katja

          Antworten

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