„Senja ist viel schöner als die Lofoten!“ Das habe ich vor meinem Norwegen-Trip an einigen Stellen gelesen, und so wollte ich mir die zweitgrößte Insel Norwegens natürlich nicht entgehen lassen. Da die meisten Senja-Besucher jedoch im Sommer kommen, war ich schon sehr gespannt, was die „wilde Insel“ wohl im Winter zu bieten hat.

Fehlende Magie im Südwesten Senja’s

Nachdem ich nach meinem Nordkap-Besuch einige tolle Tage in der Region Tromsö verbracht habe, sollte es am 3. November das erste Mal nach Senja gehen. Wenn ich dem Wetterbericht Glauben schenkte, bestand im Südwesten an diesem Abend eine größere Chance auf klaren Himmel als auf dem Rest der Insel. Ich machte mich daher auf den Weg bis Skrolsvik und hoffte darauf, einen schönen Stellplatz am Meer zu finden. Obwohl die Straße im Vergleich zu den E-Straßen relativ eng war, fuhr es sich gut – begegnete mir doch so gut wie kein Auto! Leider zerschlug sich die Hoffnung nach einem idyllischen Plätzchen schnell wieder, da es nach dem Schneefall der letzten Tage nun anfing zu tauen und die (nicht geräumten) Seitenstraßen mit einer dicken Schicht aus halbgefrorenem Schneematsch überzogen waren. Hier wollte ich nun nicht unbedingt stecken bleiben, und so übernachtete ich an einem Stellplatz am Fährhafen von Skrolsvik. Dort gab es Strom und Toiletten, und das Ganze sollte umgerechnet ca. 15 € pro Nacht kosten. Ich brauchte zwar beides nicht unbedingt, aber einen anderen Stellplatz habe ich so schnell nicht finden können. Bezahlt werden sollte in einem nahegelegenen Laden – der allerdings an diesem und dem darauffolgenden Tag nicht geöffnet hatte. Ein Anruf beim Stellplatzbesitzer Gunnar klärte schnell, dass er am nächsten Morgen vorbeikommen würde, um das Geld zu kassieren.

Mein „Notstellplatz“ am Fährhafen von Skrolsvik. Polarlicht gab es in dieser Nacht keines, aber dafür eine schöne Wolkenstimmung am Abend.

Am Abend bot sich dann noch eine schöne Wolkenkulisse vor meiner „Haustür“ – was so gar nicht zur Vorhersage passte. Aber später am Abend riss der Himmel tatsächlich noch auf und ein wenig Polarlicht kam zum Vorschein. Dies kam leider nicht sehr fotogen daher, so dass ich diese Nacht ohne Fotos verbrachte. Eine positive Überraschung gab es dann am nächsten Morgen, als ich von Gunnar eine SMS bekam, dass er es nicht schaffen würde und ich daher nichts bezahlen müsse – auch gut 🙂

Gegen Mittag machte ich mich dann auf den Rückweg, denn einen Rundweg aus Skrolsvik weiter in den Norden der Insel gibt es leider nicht. Für diesen Tag war allerdings ein wenig Schneefall angesagt – was mich aber nicht von einer weiteren Erkundung der Insel abhalten sollte. Der Weg zurück bis zur „86“, der zentralen Straße mitten durch Senja, war wie schon am Vortag relativ unspektakulär. Es sah ehrlich gesagt nicht viel anders aus als an anderen Fjorden Norwegens – und durch das Tauwetter fehlte auch das winterliche Flair etwas. Das „magische Senja“ war das noch nicht so richtig…

Im Schneesturm mitten durch Senja

Auf der „86“ ging es dann für mich einmal quer durch die Insel in Richtung Gryllefjord im Norden. Je weiter nördlich ich jedoch kam, desto mehr Schnee fiel vom Himmel. Einfach umdrehen wollte ich allerdings auch nicht, so dass ich erstmal weiterfuhr. Kurz nach der Abbiegung auf die „862“ zu den Fjorden im Norden Senja’s erwartete mich dann eine abenteuerliche Baustelle, auf der diverse Bagger über den Berg verteilt arbeiteten – übereinander wohlgemerkt! Viel weiter kam ich dann auch nicht – bzw. wollte ich nicht kommen – da das Schneetreiben immer dichter wurde, und auch kein geräumter Parkplatz in Sicht war. Ich drehte daher wieder um und beschloss, die Insel erstmal wieder zu verlassen – so machte das keinen wirklichen Sinn (und Spaß!).

Der Rückweg bis kurz vor Sorreisa, wo ich auf einem (hoffentlich geräumten) Rastplatz die Nacht verbringen wollte, wurde dann recht „abenteuerlich“. 60 km galt es zu fahren, während es langsam dunkel wurde und das Schneetreiben unaufhörlich weiterging. So schnell konnten die Schneepflüge die weiße Pracht gar nicht von der Straße schieben. Da meine Spikereifen ihre Vorteile eher auf Eis ausspielen können, wurde die Fahrt auf der (lockeren) Schneedecke so ziemlich zum Eiertanz. Insbesondere die recht heftigen Steigungen zwischendurch ließen mich etwas feuchte Hände bekommen. Die Vorstellung, hier aus irgendeinem Grund anhalten zu müssen, nicht wieder anfahren zu können und dann im Dunkeln und Schneetreiben dort zu stehen, machte mir doch etwas Angst! Also, Augen zu und durch – bloß nicht stehenbleiben! Ab und zu musste ich das aber doch, denn der viele Schnee von oben fror regelmäßig zu dicken Eisklumpen an den Scheibenwischern fest, die dann natürlich nur noch so halbgut ihren Job erledigen konnten. Um also wieder etwas sehen zu können hieß es alle 5-10 Minuten anhalten, raus in den Schnee und so gut wie möglich die Wischerblätter vom Eis befreien. Nicht sooo lustig.

Aber auch anderen Autos ging es ähnlich und so kam ich dann irgendwann an der Brücke in Finnsnes an, über die ich Senja erstmal wieder verlassen konnte. Zum Schluss gaben die Scheibenwischer fast vollständig ihren Geist auf, so dass ich noch einen etwa 10-15 cm breiten Spalt vor mir hatte, durch den ich schauen konnte. Die Aufgabe für den nächsten Tag war daher klar: es mussten neue Scheibenwischblätter her! Aber darum würde ich mich am nächsten Tag kümmern – jetzt war ich erstmal kaputt und müde.

Die Entscheidung, wieder zurückzufahren, war übrigens goldrichtig. Wie ich später auf der Verkehrswebseite von Norwegen sah, wurde die Straße an der Baustelle mit den abenteuerlichen Baggern wegen Sprengarbeiten für mehrere Tage gesperrt. Und so wie ich das gesehen habe, war dies die einzige Straße, die von dort wieder wegführte.

Die erste Magie zeigt sich im dritten Anlauf

Am nächsten Tag war das Wetter noch nicht viel besser – und ich wollte ja schließlich auch was von der Insel sehen. Daher entschied ich an diesem Tag lediglich neue Wischerblätter zu besorgen und die Lebensmittelvorräte aufzufüllen. Beides konnte ich im nahegelegenen Finnsnes schnell erledigen, und so wurde der Tag zum recht produktiven Arbeitstag auf meinem Rastplatz mit Meerblick vor Sorreisa – auch mal gut!

Am Mittwoch, den 6. November, machte ich mich dann bei etwas besserem Wetter und wieder besserer Laune erneut auf den Weg nach Senja. Dieses Mal sollte es an der Ostküste entlang bis zum Campingplatz Fjordbotn zwischen Lysnes und Botnhamn gehen. Dieser war einer der wenigen, die im Winter geöffnet hatten. 25 € pro Nacht inkl. Strom waren auch sehr fair und noch dazu lag der Platz fotografisch günstig direkt am Fjord mit Blickrichtung Norden. Vielleicht klappt es ja dieses Mal mit den Polarlichtern…

Die Fahrt dahin ließ mich dann schon eher erahnen, warum viele so begeistert von Senja sind. Durch den Frost und Niederschlag der letzten zwei Tage war die Landschaft plötzlich in eine dicke Schneedecke gehüllt. Das sah toll aus, machte ein Feistehen mangels geräumter Parkplätze jedoch noch einmal schwieriger.

Viele Parkplätze sind im Winter nicht befahrbar – wie dieser hier, auf dem aber sowieso ein Camping-Verbot herrscht.

Aber der Campingplatz war glücklicherweise gut geräumt und ich fand schnell ein schönes Plätzchen ein paar Meter vom Wasser entfernt.

Der kleine schnucklige Campingplatz Fjordbotn hatte einen schönen Platz für mich direkt am Wasser.

Der Besitzer war sehr nett und sagte mir, dass er sowas noch nie erlebt hatte – so viel Schnee so früh im Jahr! Und tatsächlich, als ich ein paar Schritte von meinem Platz in Richtung Wasser gehen wollte, versank ich doch glatt bis zur Mitte des Oberschenkels im Schnee – Wahnsinn! Für die nächtliche Fotosession waren also auf jeden Fall Gamaschen angesagt, um den Schnee nicht gleich im Schuh zu haben!

Während ich mich für eine kleine Fotosession zum Sonnenuntergang fertig machte, sah ich neben mir einen ziemlich kultigen VW-Bus (T3 Syncro) aus der Schweiz halten. Bevor ich allerdings aussteigen und Hallo sagen konnte, war er auch schon wieder weg… Na gut, aber wenigstens hatte sein Besitzer ein paar Spuren im Schnee hinterlassen, die ich später nutzen konnte. Ich machte ein paar Aufnahmen des Fjords im schönen Licht der untergehenden Sonne und konnte sogar die Drohne mal wieder in die Luft steigen lassen. Ein malerischer Anblick! So langsam erkannte ich die Magie der Insel…

So einen Ausblick vor der „Haustür“ hat man nicht alle Tage

Die Grillhütte ist wohl eher für den Sommer gedacht…

Der Campingplatz (rechts unten im Bild) ist wunderschön am Ende des Fjords gelegen.

Die Lichtstimmung am Nachmittag machte definitiv Geschmack auf mehr!

Danach war erst einmal Duschen und Abwaschen angesagt, was auf diesem Campingplatz äußerst komfortabel zu erledigen war. Und dann hieß es gespannt den Himmel beobachten. Die Wolken vom Sonnenuntergang hatten sich schon verzogen – jetzt fehlte nur noch das Polarlicht. Und das hat tatsächlich nicht lang auf sich warten lassen. Kurz nach 20 Uhr begann die Show recht spontan, so dass ich schnell alles rausschleppte und loslegte. Etwa eine dreiviertel Stunde dauerte die erste „Halbzeit“ an, und ich konnte schöne Panoramen im Mondlicht direkt ein paar Schritte vom Camper entfernt aufnehmen. Besser geht’s nicht!

Das erste Polarlicht des Abends präsentierte sich perfekt über dem windstillen Fjord.

Kurz nach diesem Bild war die 1. Halbzeit auch schon wieder vorbei. Häufig mal nach draußen schauen lohnt sich also!

Auch wenn dies schon alles für diese Nacht gewesen sein würde, wäre ich doch ganz zufrieden gewesen. Aber es sollte noch weitergehen… gegen 23:30 Uhr wurde es dann plötzlich sehr grün und hell am Himmel. Der Mond war gerade untergegangen und so wirkte das tanzende Polarlicht noch spektakulärer am Himmel. Bei mittlerweile -12°C fotografierte ich ca. 30 Minuten von verschiedenen Spots auf dem Campingplatz, bis sich auch die zweite Halbzeit dem Ende zuneigte.

Dieser extrem helle Polarlichtbogen ließ mein Herz höher schlagen!

Auch die Grillhütte erfüllte ihren Zweck als Fotomotiv.

Durch die tiefen Temperaturen fror irgendwann der Rand des Fjords zu, was eine wunderbare Spiegelung des Polarlichts hervorbrachte. Über dem Rest des Fjords breitete sich zudem ein leichter Nebel aus, was die ganze Szenerie noch magischer erscheinen ließ! Was für eine traumhafte Nacht!!

Der Nebel über dem Fjord und das Eis, was sich am Ufer bildete, ließen diese Szenerie äußerst magisch werden!

Glücklich und zufrieden fiel ich ins kuschlig warme Bett und stellte fest, dass die Temperatur schon auf -14,5°C gefallen war. Mein Temperatursensor*zeigte mir in seiner Aufzeichnung in der zugehörigen App am Morgen, dass sich dies auch die ganze Nacht über nicht geändert hatte. Beim vorsichtigen Test des Wasserhahns stellte ich erleichtert fest, dass das Wasser im Nugget noch nicht eingefroren war. Die Raumtemperatur war auch noch äußerst angenehm, so dass dieser Härtetest in der bisher kältesten Nacht also auch mit Bravur bestanden war.

Eine stürmische Nacht

Der Nebel über dem Fjord hatte sich noch bis in den Tag gehalten, was mir morgens einen wundervollen Blick aus dem Camper bot.

Kalt aber toll – der Morgen danach…

Da das Wetter weiterhin gut bleiben sollte, wollte ich nun aber weiter, um noch mehr von der Insel zu sehen. Auf der Fahrt weiter gen Norden sah ich auf einem Parkplatz plötzlich wieder den VW-Bus vom Vortag stehen. Vielleicht klappt es ja dieses Mal mit dem Hallo-Sagen? Erstmal machte ich allerdings ein paar Bilder von den „Devil’s Teeth“ – einer markanten Felsformation des Gebirgsmassivs Oksen, die vom Parkplatz Tungenenset aus nach einem kurzen Fußmarsch fotografiert werden kann.

Die „Devil’s Teeth“ in der Goldenen Stunde. Wie beeindruckend die wohl im Polarlicht aussehen mögen?

Zurück am Auto traf ich dann endlich den Besitzer des VW-Busses – den Schweizer Martin, der seit 6 Jahren zusammen mit seiner Freundin in seinem Van lebt und damit z.B. schon in Südamerika war. Schon ein kurzes Gespräch ließ erahnen, dass er spannende Geschichten zu erzählen hat! Wir tauschten daher einfach mal unsere Kontaktdaten aus, in der Absicht, uns die nächsten Tage oder Wochen nochmal irgendwo zu treffen…

Schon nach dem ersten kurzen Schnack mit Martin war klar, wir würden uns viel zu erzählen haben…

Ich fuhr dann weiter zum nächsten Spot, einer Aussichtsplattform oberhalb von Bergsbotn, die einen fantastischen Blick auf den Fjord und die umliegenden Berge bot. Ich kam auch gerade zur richtigen Zeit, als gerade noch die letzten Sonnenstrahlen die Bergspitzen „küssten“ und das Abendrot am Horizont zu sehen war. Mehr Postkartenmotiv geht fast nicht…

Malerische Farbenspiele boten sich vom Aussichtspunkt Bergsbotn

Hier könnte man glatt eine Briefmarke draufkleben und losschicken…

Spontan entschied ich, mich hier heute Nacht noch einmal auf die Lauer nach Polarlichtern zu legen. Was ich nicht so richtig bedachte war, dass es in der Nacht etwas stürmischer werden würde und dieser ausgesetzte Platz ein nur bedingt geeigneter Schlafplatz war. Aber was tut man nicht alles.

Klaren Himmel gab es schonmal, nun fehlte nur noch das Polarlicht. Das ließ noch etwas auf sich warten – dafür hielt ein Auto nach dem anderen auf dem Parkplatz, um von der Plattform aus Fotos zu machen. Irgendwann, als der grüne Streifen am Horizont etwas kräftiger wurde, hab ich mich dann auch mal aus der warmen Höhle herausbewegt und mich zu den anderen Fotografen gesellt. Wie sich herausstellte, stand ich neben einem Kölner, der gerade mit seiner Freundin Urlaub auf Senja machte. Während wir fleißig fotografierten, unterhielten wir uns recht angeregt, was etwas vom kalten Wind ablenkte. Die fotografischen Errungenschaften dieser Nacht waren zwar nicht so spektakulär wie erhofft, aber besser als nichts…

Die „magere“ Polarlichtausbeute der Nacht

Kurz vor Mitternacht wurde es jedoch zunehmend stürmischer, so dass es den Nugget ganz schön durchschüttelte. Am nächsten Tag hatte ich eine Fahrstrecke von etwa 200 km vor mir, um meine Mama vom Flughafen Tromsö abzuholen – sie würde mich in den nächsten gut 2 Wochen begleiten. Einen Teil der Strecke bereits in der Nacht zu fahren war leider nicht möglich, da 2 Minuten vom Spot entfernt ein Tunnel den Weg versperrte, der Nachts geschlossen war. Weiter wegfahren wollte ich dann auch nicht, so dass ich in den sauren Apfel beißen musste und die Schaukelei und Windgeräusche ertragen musste. Erschwerend kam hinzu, dass ein Auto meinte, genau auf der Straße, die an meinem Parkplatz vorbeiführt, mitten in der Nacht lautstarke Rallye-Übungen machen zu müssen. Nachdem er drei- oder viermal mit heulendem Motor an mir vorbeigefahren war, bin ich dann irgendwann eingeschlafen…

Der Kälteschock

Kalt war es in dieser Nacht nicht sehr – nur 7 Grad unter Null zeigte meine Aufzeichnung. Daher fuhr ich auch nichtsahnend am nächsten Morgen weiter auf die „86“ zurück, um noch einmal quer durch Senja in Richtung Tromsö aufzubrechen. Mein Thermometer im Auto zeigte schon einen deutlichen Temperaturabfall auf -15°C, als ich um kurz nach 8 Uhr etwa in der Mitte von Senja war.

Einen Schock bekam ich dann 10 Minuten später, als ganz plötzlich -26°C auf der Anzeige stand. Whaaatt? Das musste doch ein Messfehler sein! Ich hielt daher erstmal bei der nächstbesten Gelegenheit an und stieg aus. Und tatsächlich, es fühlte sich ziemlich kalt an. Ist ja verrückt, dachte ich.

Als ich weiterfuhr wurde es nicht weniger verrückt. Kurz darauf waren es nämlich schon wieder „nur“ noch -12°C, und schlagartig beschlugen die Scheiben und die Außenspiegel waren binnen Sekunden von einer weißen Eisschicht überzogen. Schnell schaltete ich die Lüftung, Scheiben- und Spiegelheizung an, um wieder halbwegs etwas sehen zu können. Jetzt war ich auf jeden Fall erstmal wach!

Auf der weiteren Fahrt nach Tromsö sollte es dann für eine ganze Weile zwischen -23 und -25°C kalt bleiben. Aber sowohl die einstündige Fahrt durch diese Kälte als auch eine einstündige Essens- und Duschpause bei -23°C haben dem Nugget offenbar nichts anhaben können.

Die Magie geht weiter

Spulen wir mal ein paar Tage vor und überspringen ein paar wunderschöne Tage in der Region Tromsö… Am Montag, den 11.11. ging es erneut auf die Insel Senja – dieses Mal mit meiner Mama im Gepäck. Wir hatten uns für den Nachmittag mit Martin (der mit dem VW-Bus) verabredet, und zwar erneut am Tungeneset bei den Teufelszähnen. Gegen 15:30 Uhr kamen wir – nach einer erneuten Fahrt durch bis zu -28°C – am vereinbarten Treffpunkt an. Martin war schon da und fotografierte fleißig. Wir kamen gerade noch rechtzeitig, um das letzte Licht des Tages fotografisch einfangen zu können. Martin hatte für seine Bilder dankenswerterweise schon ein paar Eisschollen fotogen platziert 🙂

Zur Blauen Stunde war dieser Ort einfach magisch!

Danach hatten wir Hunger und plauderten vor dem Kochen noch etwas vor den Bussen. Plötzlich entdeckten wir beide komische Lichter am Himmel. Sollte dies etwas schon Polarlicht sein? So früh? Es war doch gerade einmal 16:15 Uhr! Aber tatsächlich, es war die Lady Aurora, die heute schon vor den angekündigten Wolken am Himmel tanzte. Euphorisch war der Hunger schneller vergessen und die Kameraausrüstung gepackt. Dieses Mal habe ich mich nicht nur mit Stativ, Kamera, Panoramakopf und Fernauslöser bewaffnet, sondern auch Spikes über die Schuhe* gezogen. Das stellte sich als richtig gute Idee heraus, denn auf dem Weg zum Fotospot war es äußerst glatt und vereist.

So früh am Abend habe ich noch nie Polarlicht sehen können – hier war es gerade einmal 16:23 Uhr und das Abendrot war noch deutlich zu sehen!

Die nächsten 2 Stunden liefen dann wie in Trance ab. Die Lichter tanzten über uns, während am Horizont noch das letzte Abendrot zu sehen war und der Mond langsam von hinten über den Bergrücken kletterte. Ich machte zahlreiche Einzelbilder und Panoramen, lag auf der Suche nach der perfekten Perspektive schon fast im Wasser und kam aus dem Staunen gar nicht heraus. So ein frühes Polarlicht hatte ich noch nie zuvor erlebt! Und in der Tat – Polarlicht vor 18 Uhr ist äußerst selten!

Diese „Pfütze“ bot sich für Spiegelungen geradezu an.

Auch dieses Polarlicht war so nett und positionierte sich perfekt über den „Devil’s Teeth“.

Die ersten Wolken zogen bereits von links ins Bild, passen in diesem Fall aber sehr gut zum Polarlicht wie ich finde!

Martin kam dann ein paar Minuten später zum Fotospot und wir ließen die Auslöser glühen. Da boten sich natürlich auch mal ein paar Selfies an.

Meine Mama musste als Statist herhalten. Ohne Spikes an den Schuhen hätte sie sich auf dem überfrorenen Felsen nicht halten können.

Martin war ebenso in Foto-Trance wie ich…

Für die perfekte Spiegelung geht man sich auch gern mal auf die Knie.

Irgendwann stockte meine Kamera. Was ist denn nun los? Upps, da war wohl die Speicherkarte voll! Statt eine neue zu holen (und vielleicht etwas zu verpassen) machte ich mich schnell daran, alte Bilder zu löschen um weiteren Aufnahmen Platz zu machen. Das war zwar ärgerlich, aber noch zu verkraften.

Irgendwann senkte sich unser Adrenalinspiegel wieder, als das Polarlicht schwächer und die Wolkendecke dichter wurde. Plötzlich merkte ich auch die Kälte und den Hunger wieder. Also beschlossen wir, dass wir erstmal genügend Bilder gemacht hatten und gingen zurück zu den Vans. Dort kochte ich dann ein leckeres Chili für uns alle und wir verbrachten einen gemütlichen Abend im Nugget. Gemeinsame Themen hatten wir mit der Fotografie und dem Vanlife mehr als genug – da müssten wohl noch mehr Abende her 😉

Als es dann schon nach Mitternacht war und bis dahin kein wirklich spannendes Polarlicht mehr am Himmel zu sehen war, verabschiedeten wir uns langsam… Ich konnte es aber nicht lassen und schaute noch „kurz“ die Bilder des Abends an. Als ich das nächste Mal auf die Uhr schaute war es schon 3 Uhr – also auch endlich mal Zeit fürs Bett!

Auf dem Parkplatz Tungeneset lässt es sich perfekt nächtigen. Das Polarlicht vor grandioser Kulisse gabs in diesem Fall direkt vor die Haustür geliefert.

Die Nacht war herrlich ruhig und erholsam – so dass wir das gemeinsame Frühstück gegen 10 Uhr in vollen Zügen genießen konnten. Wir fuhren dann in unterschiedliche Richtungen weiter, waren aber ziemlich sicher, uns spätestens auf den Lofoten noch einmal wiederzusehen. Schauen wir mal… ich würde mich freuen!

Mein Fazit – Senja im Winter

Man sagt ja, Senja wäre quasi ganz Norwegen in Miniatur – bietet es doch alles, was es auch im ganzen Land zu sehen gibt. Nun, ich habe insgesamt knapp 7 Tage auf Senja verbracht und so ziemlich alles miterlebt, was die Jahreszeit zu bieten hat: fieses Matschwetter, heftiges Schneetreiben, herrlichste Winterlandschaft, tiefste Minusgrade, ungemütlichen Wind, magische Lichtstimmungen und grandioses Polarlicht. Mehr geht vermutlich nicht in der kurzen Zeit. Aber auch wenn es im Winter – wie überall in Norwegen – für „normale“ Camper wie meinen nur eingeschränkte Möglichkeiten zum Freistehen gibt, so ist Senja im Winter definitiv eine Reise wert. Es gibt so gut wie keine Touristen – und auch von den wenigen Einwohnern trifft man nur selten welche.

Die Magie der Insel habe ich ja an einigen Tagen und Nächten eindrucksvoll spüren und (hoffentlich) auch festhalten können. Diese geht aber schnell verloren, wenn das Wetter nicht mitspielt. Bei Schnee und schlechter Sicht oder einem einheitsgrauen Himmel war Senja für mich nicht mehr so wahnsinnig spannend. Im Endeffekt hat man diese Eindrücke (magisch oder nicht so magisch) aber – in Abhängigkeit vom Wetter – in ganz Nordnorwegen, wie ich in den letzten Wochen festgestellt habe.

Definitiv ist es aber sicher lohnenswert, Senja nicht nur im Winter, sondern auch mal im Sommer kennenzulernen. Hier zeigt sich die Insel sicher noch einmal ganz anders, und lädt zum Wandern und Badengehen ein. Ersteres kann man mit ein wenig alpiner Erfahrung natürlich auch im Winter machen. Martin ist beispielsweise einige herrliche Skitouren auf Senja gegangen… Wenn ihr ihm bei seiner Reise folgen möchtet, schaut unbedingt mal auf seiner Webseite oder noch besser bei Facebook oder Instagram vorbei, wo er überall unter viaje.ch zu finden ist! Er ist definitiv ein faszinierender Mensch mit tollen Bildern und Geschichten von seinen vielen Reisen.

 

Hast Du Senja auch schon einmal im Winter erlebt? Wie waren Deine Eindrücke? Hast Du die Magie auch gespürt? Schreibe mir gern in die Kommentare!

 

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13 Kommentare
  1. Chris sagte:

    Schöne Bilder.
    Eine Anmerkung zu den Polarlichtern: Die haben nichts mit der Tageszeit zu tun, sondern nur mit der Aktivität der Sonne. Die können durchaus auch tagsüber entstehen, nur sieht man sie da eben nicht, weil es zu hell ist.
    Aus meiner Zeit in Island kenne ich das im Dezember durchaus auch schon am späteren Nachmittag, wenn es da schon dunkel war. Am besten waren aber die „Polarlicht Alarme“ tagsüber im Juni 🙂

    Antworten
    • Katja Seidel sagte:

      Hallo Chris,
      Vielen Dank für die Anmerkung. Ja, der Zusammenhang mit der Sonnenaktivität ist mir natürlich bekannt. Ich habe aber mit lokalen Guides gesprochen, die schon viele Jahre PL-Touren durchführen. Sie sagten, sie hätten sehr selten Polarlicht vor 18 Uhr erlebt, selbst im Winter wenn es schon am Nachmittag dunkel genug wäre. Ich hab es in 25-30 PL-Nächten wie gesagt auch noch nicht erlebt…
      LG, Katja

      Antworten
  2. Krissie sagte:

    Toller Bericht, tolle Fotos, wie immer. 🙂 Vielen Dank dafür! 😀
    Mich würde interessieren, wie Du bei den eisigen Temperaturen ausgerüstet bist, dass Dir nicht Hände und Füße abfrieren und dass die Kamera einfriert. Objektivheizung? Beheizte Schuhe und Handschuhe? Gerade wenn man die Kamera bedienen muss, muss man zwangsläuft die Finger freilegen. Und die dann wieder warm zu bekommen, finde ich immer eine große Herausforderung. Ich habe ein Paar Klapphandschuhe, die gut sind, aber noch nicht optimal. Die Handschuhe von Cooph oder Vallerret kenne ich nur aus dem Internet, aber ich habe sie noch nicht ausprobiert. Hast Du einen Tipp? Vielen Dank.

    Antworten
    • Katja Seidel sagte:

      Hallo Krissie,
      vielen Dank! Zu genau deiner Frage habe ich im letzten Winter mal einen Blogartikel geschrieben: https://nacht-lichter.de/kaelte-trotzen. Das beschriebene Equipment nutze ich auch jetzt in Norwegen… Wenn es nicht allzu kalt ist (bis -12 Grad ohne Wind ging das noch ganz gut) ziehe ich keine Handschuhe an, dann habe ich ein besseres Gefühl für die Knöpfe an der Kamera.
      LG, Katja

      Antworten
  3. Simone sagte:

    Liebe Katja,
    Dein Blog ist sehr spannend, Deine Reise faszinierend und Deine Bilder grandios! Du schreibst sehr gut, da macht das Lesen wirklich Spaß. Schade, dass Du Deine 9 Monate nicht verlängern kannst 😉
    Mich haben Deine Berichte motiviert, Winterreifen für den Nugget anzuschaffen und ihn auch im Winter zu nutzen (obwohl ich eher ein Fan sommerlicher Temperaturen bin). Es scheint ja tatsächlich im Winter kein Problem mit dem Wohnen und Schlafen im Nugget zu geben, das probiere ich zwischen den Jahren mal aus.
    Ganz liebe Grüße, Mone Morrone 😉

    Antworten
    • Katja Seidel sagte:

      Hallo Simone,
      das freut mich sehr zu hören. Ich hoffe, du hast genauso viel Spaß mit dem Nugget im Winter wie ich! Erwarte nur nicht zu viel Traktion von dem Guten im Winter auf glatter Fahrbahn – darin ist er glaube ich kein wirklicher Meister 😉
      LG, Katja

      Antworten
  4. René sagte:

    Hi Katja,

    wirklich sehr schöne Bilder. Freut mich das es mit den Polarlichtern auf Senja so toll geklappt hat. Bin gespannt, wie du die Lofoten im Vergleich findest.

    Viele Grüße und weiterhin gute Fahrt,
    René

    Antworten
  5. Martin Goetzke sagte:

    Neid, Neid, Neid . . . . und höchste Anerkennung!! Du kannst was. Die Bilder sind toll. Ich muss unbedingt bei dir in die Schule gehen. Fantastische Fotos.

    Hej Katja,

    leider kann ich erst jetzt schreiben, habe deinen Senja Blog aber schon vor einer gefühlten Ewigkeit gelesen und inzwischen auch ein paar Mal angeschaut. Zu deiner Frage. Ja, ich bin auch schon auf Senja gewesen. Der Wale und des Nordlichtes wegen. Leider hielt sich das Thema Nordlicht wegen der Wetterverhältnisse doch arg in Grenzen. Dennoch sind im Sturm schöne Bilder entstanden. Allerdings musste ich Opfer bringen. Windstärke 10 hat mir die Sonnenblende vom Obkjektiv gerissen und mich beinahe aus den Stiefeln, beim vergeblichen Versuch ihrer Rettung. Abgesehen davon ist Fotografieren bei dem ‚Wind‘ eine echte Herausforderung. Blitzschnell ist der Schnee überall und vor allem scheint er Objektivlinsen zu lieben, um sich dort in Sekundenschnelle gleich millimeterdick festzusaugen. Wir waren später im Winter dort, eben wg. der Wale, die den Heringen folgen und diese, wenn man Glück hat, keine 100 m vor der Küste jagen, vor Hamn. Das hat aber dann echt viel mit Glück zu tun. Im Normalfall fährt man mit Schlauchbooten, Kajaks (nicht bei dem Wetter!!) oder Fischerbooten raus. Das war schon eine tolle Woche. Ja, Magie hat die Insel, auch wenn ich wohl eine andere Art erlebt habe als du. Sie gehört zu den Reisestationen, die ich auf alle Fälle noch einmal ansteuern will.
    Danke für so schöne Fotos. Danke für das viele Vergnügen, dass du mir beim Betrachten der Bilder schenkst. Weiterhin noch eine guten Reise mit „fetter Beute“.
    Martin

    Antworten
    • Katja Seidel sagte:

      Oh vielen Dank für die Blumen!! „in die Schule gehen“ kannst du gern machen – schau doch gern mal nach meinen Seminaren und Workshops nächstes Jahr, ein paar Plätze sind noch frei in den Workshops 🙂
      Der viele Wind auf Senja bei dir klingt ja heftig! Der blieb mir zum Glück erspart… wobei es auf den Lofoten danach schon mal etwas stürmischer wurde. Leider spielte da auch das Wetter nicht so gut mit wie vorher. Aber immerhin ein paar schöne Tage zum Fotografieren und 2 Polarlichtnächte gehabt. Blog dazu muss noch etwas warten, jetzt stehen erst noch ein paar andere Dinge an.
      Wale stehen bei mir auch noch auf der Liste – nächstes Mal dann 😉
      LG,
      Katja

      Antworten
      • Martin Goetzke sagte:

        Hej,
        deine Angebote habe ich schon gesehen. Buchung ggf. nach kritischem Blick auf die Urlaubsplanung und Diskussion mit dem Familienvorstand. Auf den Lofotenblog bin ich seeeeeehr gespannt. Die habe ich im Winter noch (!) nicht erlebt.
        Weiterhin viel Spaß und eine gute unfallfreie Reise mit vielen Höhepunkten.
        Martin

        Antworten
        • Katja Seidel sagte:

          Mach das gern!
          Erwarte nicht zu viel vom Lofoten-Blog – Winter hatten wir nämlich leider auch nicht. Dagegen bis zu +7 Grad, Matsch, Regen, Wolken, Glatteis, Sturm…. aber immerhin auch mal ein wenig Sonne und Polarlicht zur Versöhnung 🙂
          LG, Katja

          Antworten

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