„Ihr seid aber mutig!“ war die häufigste Reaktion, wenn ich von meinen Reiseplänen über Silvester 2018/2019 berichtet habe. Zusammen mit meiner Mama sollte es 10 Tage lang mit dem Camper durch Island gehen. Das oberste Ziel waren natürlich wieder einmal die Polarlichter, aber auch auf andere Erfahrungen wie Schnee, Kälte und die lange Dunkelheit freuten wir uns riesig! Wie es uns ergangen ist und wie die – manchmal harte – Realität in Islands Winter für uns aussah, erfährst Du in diesem Blogbeitrag.

Fast malerisch wirkt der leicht „angezuckerte“ Berg im Norden Islands

Wo ist denn der Schnee?

Beim Blick auf die Wetterkarten und Webcams vor dem Abflug machte sich eine leichte Enttäuschung bei mir breit. Warum ist es denn Ende Dezember sooo warm in Island? Und wo bitte ist der Schnee? Es war in ganz Island sogar größtenteils wärmer als zur gleichen Zeit zu Hause in Deutschland! Verrückte Welt!

Als wir schließlich am Nachmittag des 27.12. landeten bestätigte sich dieses Bild – statt einer weißen Pracht überall nur grau und nass, bei +6 Grad! Na das kann ja was werden… aber das Wetter in Island ändert sich ja bekanntlich schnell, so dass es sicher nicht die ganze Zeit so bleiben würde. Und tatsächlich, nach einer sehr ausführlichen Übergabe unseres Kastenwagens, der für die nächsten 10 Tage unser Zuhause sein würde, fuhren wir ca. 130 km in Richtung Norden – um kurz nach der Ankunft auf dem Parkplatz für die Nacht schon von den ersten Wolkenlücken und gleich darauf auch von einem herrlichen Polarlicht begrüßt zu werden. Das kam unerwartet! Aber so konnte es meinetwegen weitergehen.

Gleich am ersten Abend gab es Polarlicht – besser geht’s ja fast nicht!

Das Licht ist der Oberhammer!

Ende Dezember nur unweit des Polarkreises auf Fotoreise zu gehen heißt auch, nur wenige Stunden Sonnenlicht am Tag zu haben. Aber das hat es in sich! Da es die Sonne in den ca. vier Stunden, die sie zu sehen ist, nur wenige Grad über den Horizont schafft, herrscht nahezu den ganzen Tag herrlichste Lichtstimmung!

Fast wie im Prospekt das Licht in Island!

Die tief stehende Sonne macht zusammen mit einem dramatisch dunklen Himmel sogar ein „langweiliges“ Küstendörfchen zu einem echten Hingucker!

Dieser kurze Zeitrahmen verursacht aber auch einen gewissen „Druck“, wenn man nicht den Großteil des Weges im Dunkeln fahren möchte. Da war es im Oktober schon wesentlich entspannter. Aber solch eine lange Nacht (ca. 13 Stunden maximal dunkel!) mal für ein paar Tage zu erleben ist schon ein tolles Erlebnis. Wochen- oder gar monatelang muss ich das aber trotzdem nicht haben!

Das Polarlicht meint es gut mit uns!

Aber einen Vorteil hat die lange Dunkelheit natürlich: die Chance auf Polarlicht ist maximal groß! Und tatsächlich konnten wir gleich am zweiten Abend ein herrliches Schauspiel über unserem Standplatz für die Nacht erleben. Es dauerte zwar nur ca. eine Stunde, aber genau in dieser Zeit tat sich eine überraschende Wolkenlücke über uns auf. So konnte es ja unmöglich die nächsten Tage weitergehen, oder?

Ein Traum, mit dem Camper auf einem einsamen Platz unterm Polarlicht zu schlafen – für uns wurde er gleich in der zweiten Nacht wahr!

Der Winter kann auch anders!

Und Tatsache: In den nächsten Tagen hielten sich die Wolken hartnäckig am Nachthimmel. Und nach langer Zeit mit deutlichen Plusgraden prophezeite der Wetterbericht plötzlich für die Silvesternacht einen deutlichen Temperatursturz mit bis zu -16 Grad! Und damit nicht genug, auch Schnee kündigte sich pünktlich zum Jahreswechsel an. Na prima, endlich Winter! Und was für einer, denn pünktlich mit dem Frost und Schnee fegte auch ein ordentlicher Wind über Island, der uns erstmal in der „Hauptstadt des Nordens“ Akureyri festhielt.

Die Gasheizung bescherte uns auch im Schneesturm eine warme Hütte!

So eine Nacht bei Schnee und Sturm gehörte offenbar auch zu unserem Programm – aber zum Glück blieb es bei einer Nacht. Wie bestellt schwächte der Wind am Silvesterabend ab und der Himmel wurde Zusehens klarer. Da hatte wohl jemand ein Einsehen und wollte uns das Feuerwerk über Akureyri vom gegenüberliegenden Fjordufer erleben lassen!

Silvester in Akureyri – auch hier wird ordentlich geknallt!

Und da man klare Nächte nicht verschwenden sollte in Island, fing die Nacht für uns danach erst richtig an! Gegen 2 Uhr saßen wir dann bei -10 Grad im 40 Grad heißen Hot Tub und gleich danach zeigte sich tatsächlich die in diesem Jahr etwas schüchterne Lady Aurora – bei mittlerweile -15 Grad.

Ein Erlebnis der besonderen Art: Nachts um 2 Uhr im 40 Grad warmen Hot Tub aufs Meer schauen. Unbezahlbar!

Wie bestellt gab es dann auch noch Polarlicht – leider mit bloßem Auge kaum sichtbar.

Glücklich und zufrieden endete die Nacht im kuschelig warmen Camperbett gegen 5 Uhr morgens. Am nächsten Mittag begrüßte uns dann ein Traum von Winterwetter – kalt, windstill und sonnig!

Fast schon magisch taucht das Sonnenlicht die schneebedeckten Berge in ein rotes Licht

Aber das sollte nicht lang so bleiben…

Der Sturm als ständiger Begleiter!

Denn die Sturmvorhersage für die nächsten Tage sah alles andere als gut aus! Was also tun – weiter auf der Ringstraße um die Insel fahren (ca. 1.000 km) und riskieren festzusitzen und nicht rechtzeitig zurückzukommen, oder wieder zurückfahren (ca. 430 km) um auf Nummer sicher zu gehen? Knapp 5 Tage blieben uns noch… aber wir entschieden uns schlussendlich zum Umkehren! Und auch das war keineswegs eine „sichere Nummer“! Waren doch für mindestens drei Tage so starke Stürme angesagt, dass man mit dem Wohnmobil nicht fahren durfte (> 15 m/s bzw. 54 km/h). Die ca. 150 km lange Fahrt zu unserem nächsten „Zufluchtsort“ Blönduós war dann auch definitiv schon mehr Aufregung, als ich gebraucht hätte. Wir haben es gerade noch vor dem stärkeren Sturm über die Berge geschafft, konnten eine kurze Fahrt bei angezeigten 16 m/s (ca. 58 km/h) aber nicht vermeiden. Danach wußten wir auch, warum man bei diesen Windgeschwindigkeiten nicht mehr fahren sollte. Muss ich auch nicht zwingend nochmal haben…

Die Ruhe vor dem Sturm… kurz danach wurde es ungemütlich.

Aber wir hatten Glück: Auf einem Campingplatz konnten wir im Windschatten eines Hauses die nächsten Tage „ausharren“ und ein günstiges Zeitfenster (ohne Sturm) für die Fahrt zurück Richtung Reykjavik abwarten. Dieses tat sich dann zwei Tage später ab 21 Uhr auf – und wir nutzten es liebend gern! Der ständige Check der (ausgesprochen genauen) Windvorhersagen des isländischen Wetterberichts ging mir nämlich langsam wirklich auf die Nerven!

Zwiespältiger Abschied!

Zum Glück ist alles gut gegangen, und wir bekamen auf der Rückfahrt sogar nochmal ein kleines Polarlicht geboten.

Das letzte Polarlicht für uns auf Island zeigte sich nur wenig spektakulär!

Die Temperaturen waren mittlerweile auch wieder bei +10 Grad (nachts!) angekommen, so dass auch keine Frostbeulen oder eingefrorene Wasserleitungen am Camper mehr drohten. Die letzten Tage waren dann eher verregnet, aber trotzdem reichte es noch für eine kleine Wanderung, einen Stadtbummel in Reykjavik und einen Besuch im Schwimmbad mit vielen heißen Pools! Auch mal nett, auch wenn ich zugegebenermaßen liebe irgendwo in der Wildnis Polarlichter fotografiert hätte. Aber die hab ich dann tatsächlich nochmal aus dem Flugzeug erwischt, kurz bevor wir in ein herrliches Morgenrot hineingeflogen sind…

Auch aus dem Flugzeug lässt sich Polarlicht – in diesem Fall leider wieder extrem schwaches – fotografieren

Mit diesem fantastischen Licht verabschiedete sich Island bei uns

Aber alles in allem können wir uns nicht beschweren. Wir hatten einige klare Stunden in den zehn langen Nächten, und auch das Polarlicht hat sich gezeigt. Die Aurora-Shows meiner bisherigen Reisen konnte es dieses Mal zwar nicht toppen, aber das war auch nicht so leicht! Es war jedoch definitiv eine Erfahrung wert, mal im Winter in Island gewesen zu sein! Wenn ich mich aber entscheiden müsste, würde ich glaube ich wieder den Oktober wählen.

Der Camper als ideales Reisemittel in Island?

Einen Camper gleichzeitig als Unterkunft und Fortbewegungsmittel zu haben, finde ich persönlich genial in Island! Man hat die maximale Flexibilität, immer alles dabei und v.a. stets ein warmes Plätzchen! Das war auch bei -16 Grad kein Problem – nur mussten wir aufgrund eingefrorener Wasserleitungen (trotz Heizen!) mal für einen Tag aufs Wasser verzichten. Die letzten Tage mit Sturm und Regen ließen den Abschied allerdings nicht ganz so schwer werden. Irgendwann möchte man auch mal wieder ohne das ständige Schaukeln schlafen! Und der eigene Camper ist dann doch nochmal was anderes – auch das lernt man nach solch einem Urlaub zu schätzen.

Für mich das ideale Mittel für Fotografen zum Reisen in Island!

Nichtsdestotrotz haben wir uns sehr wohl gefühlt im Kastenwagen, der dank Spikereifen auch auf blankem Eis wunderbar zurecht kam und uns wohlbehalten nach insgesamt 1.363 km wieder zur Vermietung zurückgebracht hat. Preislich ist und bleibt Island jedoch ein teures Pflaster. Möchte man nicht im spartanischen Mini-Camper reisen, sondern etwas mehr Platz und Komfort haben, ist man im Winter schnell bei 200-250 € Miete pro Tag! Von den Preisen im Sommer sprechen wir lieber nicht…. Aber wir haben es nicht bereut und sind um viele Erfahrungen und fantastische Eindrücke reicher am 6. Januar wieder in Deutschland gelandet!

6 Kommentare
  1. Harald F. sagte:

    Hallo Katja,
    vielen Dank für Deinen informativen Erlebnis- und Reisebericht zu Deiner Islandreise mit dem Camper. Schön, dass alles gut gegangen ist! Grundsätzlich scheinen die langen Nächte im Dezember/Januar eine polarlichtträchtige Zeit zu sein, aber die Bedingungen dort sind dann offensichtlich recht rustikal und man ist stark wetterabhängig. Werde mir für meine erste Islandreise also den Oktober wählen, habe auch vor, zunächst „nur“ den Süden und Westen zu erfahren. Ob Camper oder doch Individualreise mit anderem Auto und festen Hotelterminen, bin ich mir noch nicht sicher. Camper ist sehr reizvoll und flexibel, vermutlich im Oktober auch besser zu fahren als im Schneesturm …mal sehen.
    Kannst Du evtl. noch was sagen zu Deiner Objektivauswahl? Was hast Du am meisten benutzt?
    Danke auch für Deinen zweiten Blogbeitrag zum Thema „Ausrüstung im Winter“, sind hilfreich bei der Vorauswahl bzw.bei der Frage „was braucht“ man…
    LG und klare Sicht auf die Mondfinsternis morgen früh!
    Harald

    Antworten
    • Katja Seidel sagte:

      Hallo Harald,

      Der Camper fuhr sich im Winter sehr gut! Im Schneesturm wäre es vermutlich mit einem „normalen“ Auto auch nicht viel angenehmer gewesen.
      Oktober halte ich für den Anfang aber auch für sinnvoller! Für die Polarlichtbilder habe ich eigentlich immer die Sony A7s mit dem Tokina Firin genutzt (siehe Blogbeitrag vom letzten Island-Urlaub), für Einzelbilder aber häufig auch für Panoramen mit einem Nodalpunktadapter. Tagsüber habe ich gern mit dem 70-200 mm von Canon an der 6D fotografiert.

      LG, Katja

      Antworten
  2. Steffen S. sagte:

    Hallo Katja,

    Toller Beitrag. Danke für deine Mühen uns allen davon so ausführlich zu berichten.

    Ich hoffe auch schon lange meine Familie von Island zu überzeugen und auf den Urlaub im warmen zu verzichten. 😂
    Meine Kameras warten gespannt auf die Nordlichter.

    Könntest du eventuell ein paar Worte zur Organisation vor Ort mit dem Camper verlieren?
    Ich meine so Dinge wie die Stellplatzsuche oder die Abgabe/Aufnahme von Wasser/Gas etc.

    Vielen Dank schonmal.
    Steffen.

    Antworten
    • Katja Seidel sagte:

      Hallo Steffen,

      danke! Ich arbeite ja gerade an einer Seite zum Thema Reisen mit dem Camper, da werde ich nochmal etwas näher auf diese Dinge eingehen. Wollte diesen Blog hier nicht zum Camper-Blog werden lassen 😉 Aber vielleicht soviel vorweg: im Winter ist es nicht ganz so einfach in Island mit der Ver-/Entsorgung. Wir haben keine Tankstelle / keinen Campingplatz gefunden, der noch eine Wasserversorgung draußen hatte (wegen Frost), so dass wir mit einem 20l Kanister aufgefüllt haben – etwas umständlich, aber ging. Grauwasser-Entsorgung war kein Problem, dies war vom Vermieter fest auf Dauer-Offen gestellt, lief also immer direkt raus, was laut seiner Aussage in Island erlaubt wäre. Gas konnten wir an allen Olis Tankstellen kaufen, nur an Feiertagen (Silvester) waren diese zu. An fünf solcher Tankstellen kann man auch sein Campingklo entleeren. Welchen Service es wo gibt, kann man im Internet finden. Gas war teuer (ca. 50 €) und wir mussten alle 2-3 Tage eine Flasche kaufen. Stellplatzsuche haben wir primär über Park4Night gemacht, obwohl man offiziell nicht freistehen darf in Island. 3x waren wir auch auf einem Campingplatz. Eine Liste der im Winter geöffneten Plätze haben wir vom Vermieter bekommen.

      Hoffe das hilft.
      LG,
      Katja

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  3. Lisa sagte:

    Liebe Katja,

    es hat super Spaß gemacht, Deinen Beitrag zu lesen!
    Wir werden dieses Jahr auch genau wie ihr letztes Jahr, am 27.12. in Island ankommen und unseren Silvester-Urlaub dort verbringen, darauf freuen wir uns schon sehr!! Über Silvester selbst haben wir auch einen Aufenthalt in Akureyri geplant und würden uns sehr dafür interessieren, wo ihr denn die Hot Tubs im Anschluss an die Silvesternacht (ganz tolles Foto übrigens!) gefunden habt. Sieht sehr romantisch aus und wie ein top Start ins Neue Jahr!

    Vielen Dank schon mal für Deine Antwort und für die tollen Inspirationen aus Eurem Bericht!
    Liebe Grüße, Lisa

    Antworten
    • Katja Seidel sagte:

      Liebe Lisa,

      das freut mich, dass Dir der Beitrag gefallen hat! Ich wünsche Euch ganz viel Spaß über den Jahreswechsel dort oben, vor allem mehr Glück mit dem Wetter! Die Hot Tubs haben wir in Hauganes, ganz am Ende der Straße gefunden (Direkter Link zu GoogleMaps. War echt cool, dort bei -10 Grad zu baden!

      LG – aktuell von den Lofoten, die ähnlich schön sind!
      Katja

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