Powerstation im Camper – der perfekte Alleskönner?

Powerstations statt aufwändiger und teurer Elektro-Upgrades sind in der Camper-Szene derzeit äußerst beliebt. Das haben auch die Anbieter dieser kleinen multifunktionalen Kraftwerke entdeckt. Sie werfen immer neue Modelle mit noch mehr Power und noch mehr Kapazität auf den Markt! Aber ist das wirklich immer sinnvoll? Und wie findest Du die richtige Powerstation für dich? In diesem Blogbeitrag zeige ich Dir meine Herangehensweise und meine Nutzung einer Powerstation seit über zwei Jahren. Vielleicht ist ja auch ein passendes Anwendungsszenario für Dich dabei?

Für mich ein Traum, mein mobiles Büro mitten in den Bergen und der Strom kommt gratis von oben!

Powerbank vs. Powerstation – wo ist da der Unterschied?

USB-Powerbanks sind mittlerweile weit verbreitet. Praktisch sind sie auch, die kleinen „Energieriegel“ – manche haben sogar eine Heizfunktion eingebaut!

Fast jeder kennt (und besitzt vermutlich) mindestens eine USB-Powerbank – die kleinen „Energieriegel“, mit denen sich Smartphones, Tablets oder manchmal sogar Laptops einfach und schnell unterwegs laden lassen. USB-C Anschlüsse – bei neueren Modellen häufig schon mit 100 W Power Delivery (PD) Ein- und Ausgang – sind dabei meist schon Standard. Auch ich besitze mittlerweile diverse Powerbanks mit Kapazitäten zwischen 10.000 und knapp 30.000 mAh, um auch außerhalb des Campers immer eine gewisse Stromreserve dabeizuhaben.

Eines fehlt den USB-Powerbanks aber typischerweise – und dies ist gleichzeitig ein wesentlicher Unterschied zur Powerstation: 12 V Zigarettenanzünder- und vor allem 230 V Steckdosen! Letztere hat zwar nahezu jeder Camper in seinem Fahrzeug verbaut, allerdings sind diese lediglich über angeschlossenen Landstrom oder einen vergleichsweise teuren Wechselrichter mit Netzvorrangschaltung nutzbar. Und da Wohnmobile „von der Stange“ batterietechnisch auch heute noch meist etwas schwach auf der Brust ausgeliefert werden, stehen viele Camper irgendwann vor der Entscheidung, wie und was sie für mehr Autarkie aufrüsten sollen. Ich persönlich habe mich für mein mobiles Büro ja für ein umfangreiches Upgrade auf eine 200 Ah Lithium-Batterie, einen leistungsstarken 90 A Ladebooster und einen weiteren Solarladeregler zum Anschluss eines zusätzlichen Faltpanels entschieden. Den ausführlichen Bericht zum Elektroupgrade findest Du bei mir im Blog.

Diesen Schritt bereue ich absolut nicht! Eine Anforderung blieb in diesem Upgrade allerdings (bewusst) außen vor: 230 V Steckdosen, die ohne Landstrom nutzbar sind. Da mein dahingehender Bedarf schon immer sehr überschaubar war – betreibe ich doch meinen kompletten PC-Arbeitsplatz ausschließlich über 12 V – lebe ich seit Anfang 2020 sehr gut mit einer anderen Lösung.

Meine Suaoki G500

Ich kaufte mir nach intensiver Recherche im Januar 2020 für damals knapp 500 € eine Powerstation. Die „Suaoki G500“ hat eine Kapazität von 500 Wh (entspricht ca. 40 Ah bei 12 V, abzüglich etwas Verlustleistung) und bietet zwei 230 V Steckdosen, die bis zu 300 W Leistung mit reiner Sinuswelle liefern können.

Meine Powerstation (Suaoki G500) macht seit 2020 einen guten Job! Eine 100 Wp Solartasche ist eine praktische Ergänzung dazu.

Im Vergleich zu heutigen Mega-Powerstations wie der EcoFlow DELTA PRO* (für 3.800 €!), welche mit 3,6 kWh die 7-fache Kapazität und mit 3.600 W die fast 10-fache Leistung der Steckdosen bietet, hat meine Suaoki den Namen „Powerstation“ fast gar nicht verdient. Aber für mich war es bisher absolut ausreichend. Denn wofür nutze ich sie? Für einen kleinen 230 W Reisefön (für Kundentermine), mein Canon-Kameraakku-Ladegerät und vielleicht mal meine 100 W Heizdecke, wenn ich nachts längere Zeit während meiner Astrofotoaufnahmen vor dem Camper sitze. Gleichzeitig habe ich mit der Powerstation ein kleines Strom-Backup, falls meine Wohnraumbatterie mal Probleme machen sollte.

Laden kann ich die knapp 7 kg schwere Suaoki entweder per Solar (mit max. 150 Watt) oder per 230 V Ladegerät (mit ca. 80 W). Das beiliegende 12 V Ladegerät hat bei mir am Zigarettenanzünder leider nie funktioniert, was für damalige Modelle allerdings fast schon „normal“ war. Da der USB-C Ausgang bedauerlicherweise nur 18 W liefert, kann ich meinen Laptop (ein Surface Pro 8) daran leider nicht betreiben. Dies geht alternativ über die 230 V Steckdose, was jedoch dauerhaft sehr ineffizient ist – ähnlich, als würde man einen Laptop im Wohnmobil über einen Wechselrichter betreiben. Was ebenfalls geht und etwas effizienter ist, ist der Betrieb über den 12 V Zigarettenanzünder-Anschluss der Suaoki. Im Modus „Intelligentes Laden“ (was quasi eine Erhaltungsladung bei 80% darstellt) benötigt das geladene Surface im Betrieb inkl. angeschlossenem portablem 17,3″ Monitor lediglich ca. 30 W, so dass ich meinen Arbeitsplatz mit einer vollen Suaoki locker 10-13 Stunden betreiben kann, ohne die Wohnraumbatterie zu belasten.

Meinen voll ausgestatteten aber dennoch stromsparenden mobilen Arbeitsplatz kann ich einige Stunden mit der Suaoki G500 betreiben. Ihren festen Platz hat sie in der Ecke unter dem Tisch. Dort stört sie auch beim Arbeiten nicht.

Wenn ich die Powerstation dann noch quasi als „Durchlauferhitzer“ nutze – also als Zwischenspeicher für Solarstrom, den ich auf der einen Seite über mein 100 W Faltpanel gewinne, und auf der anderen Seite mit meinem Laptop wieder verbrauche – kann ich die autarke Standzeit bei ausreichend Sonne enorm verlängern!

Passt perfekt zwischen die Vordersitze: die kleine 35 W Kühlbox aus dem nuggetshop24.de. Sie dient nicht nur als Getränkekühlung im Sommer sondern auch als Backup-Kühlschrank für meine Medikamente auf Reisen!

Mein Hauptanwendungsfall und gleichzeitig der Grund, weshalb ich sie damals gekauft habe – das Betreiben eines kleinen Föns – klappt bis heute super damit, wenngleich es nicht so einfach ist, einen Fön mit max. 300 W Leistungsaufnahme zu finden. Als dauerhaft haltbarstes Modell hat sich bei mir dieser Fön* entpuppt, der jedoch leider nicht immer lieferbar ist. Er riecht etwas unangenehm, was mich aber nicht übermäßig stört. Auch meine zusätzliche kleine 35 W Kompressorkühlbox lässt sich an der Suaoki betreiben. Manche „Nice-to-have-Anwendungsfälle“ wie einen 400-500 W Milchaufschäumer oder einen 450 W Multi-Zerkleinerer fehlten mir zwar ab und an, aber ein Grund für einen Neukauf war das bisher nie. Diese Geräte gibt es schließlich auch für den manuellen Betrieb…

Eine kleine Herausforderung war allerdings das Aufladen ohne Landstrom im Winter. Da der 12 V Ladeeingang über den Zigarettenanzünder wie gesagt leider ausfiel, musste ich etwas kreativ werden und habe mir eine praktikable Lösung überlegt, die zumindest für mich sehr gut funktioniert. Quasi „von hinten durch die Brust ins Auge“ nutze ich einen portablen 300 W Wechselrichter*, der den Strom aus meiner Wohnraumbatterie über meine 12 V Zigarettenanzünder-Steckdose in 230 V umwandelt, so dass ich auf diesem Weg wiederum mit dem Suaoki 230 V Netzteil die Powerstation laden kann. Beim Freistehen würde ich damit natürlich sinnloserweise den Strom meiner Wohnraumbatterie verbrauchen, um die Powerstation zu laden – deshalb kommt dieses Konstrukt bei Bedarf während der Fahrt zum Einsatz, wenn der Ladebooster sowieso ausreichend Power liefert.

Dazu noch ein wichtiger Hinweis: Zu beachten ist bei einem solchen Aufbau unbedingt, wie die 12 V Steckdosen im Camper abgesichert sind! Die Standard 12 V Dosen im Nugget-Wohnraum sind beispielsweise nur bis 90 W abgesichert, was bei der Ladeleistung der Suaoki schon sehr / zu knapp sein dürfte. Ich nutze daher meine nachträglich eingebauten und mit 20 A abgesicherten 12 V Steckdosen (siehe Bericht über mein Elektro-Upgrade), die mir mindestens 200 W liefern können. Die 300 W des Wechselrichters kann ich damit also nicht ausschöpfen, was zum Laden der Suaoki aber ja auch nicht nötig ist!

Eine Powerstation als eierlegende Wollmilchsau?

Das Beispiel und der Einsatzzweck meiner Suaoki G500 zeigt exemplarisch, welchem Prinzip solche Powerstations folgen und wofür sie genutzt werden können. Sie vereinen durchaus viele Dinge, die man sonst z.T. recht teuer im Camper nachrüsten müsste:

  • Mehr Batteriekapazität
  • Einen 230 V Wechselrichter mit (meist mehreren) Schuko-Steckdosen
  • Eine 12 V Zigarettenanzünder-Steckdose
  • Mehrere 5 V USB-Anschlüsse
  • Einen integrierten Solarladeregler

Rüstet man also seinen Camper um sagen wir mal eine 150 Ah Lithium-Batterie, einen 2.000 W Wechselrichter und einen 500 W Solarladeregler auf, ist man locker schon bei 2.500 € PLUS nicht unerheblichen Einbaukosten. Sogar mehr von allem bekommt man hingegen mit einer vergleichsweise kompakten Powerstation wie der 2.200 € teuren EcoFlow DELTA MAX mit 2016 Wh* (ca. 160 Ah bei 12 V), 800 W Solareingang und 4 Schuko-Steckdosen mit 2.400 W (entweder alle zusammen 2.400 W oder bei Nutzung einer einzelnen Steckdose ebenfalls bis zu 2.400 W). Diese ist flexibel im oder außerhalb vom Fahrzeug zu verwenden und muss nicht in die Bord-Elektronik integriert werden. Entsprechende Solarpanels müssen natürlich bei beiden Lösungen noch hinzugerechnet werden, wenn man die Batterien auf diese Weise aufladen möchte. Dazu später noch mehr. Der große Vorteil einer solchen Lösung ist jedoch die Portabilität. Benötige ich den Strom auch außerhalb vom Camper, z.B. in einem Gartenhaus o.ä., ist das Geld sicher besser in ein solches kleines Kraftwerk investiert, als in eine feste Installation im Camper. Zudem kann man die Powerstation natürlich bei einem Fahrzeugwechsel ganz einfach mit ins neue Wohnmobil nehmen.

Wie so oft im Leben gibt es allerdings einen entscheidenden Haken: das effiziente Aufladen der Powerstation ohne Landstrom! Mit 800 W Solareingang der DELTA MAX verspricht der Hersteller zwar eine Vollladung in ca. 4 Stunden, aber 800 W müssen auch erstmal erzeugt werden. Im Sommer bei Sonnenschein mag das mit entsprechend vielen und großen Faltpanels noch funktionieren, im Winter bleibt aber lediglich das Laden über den 12 V Zigarettenanzünder. Dies dauert jedoch nach Herstellerangaben geschlagene 21 Stunden – welche man wenn überhaupt in einer Woche, nicht aber an 1-2 Tagen fährt. Hinzu kommt, dass dies nicht mit jedem Fahrzeug funktioniert – man hört auch von einigen, dass die 8 A Ladestrom schon so manche Sicherung zum Fliegen gebracht haben. Zum Vergleich: mit einem 90 A Ladebooster wie ich ihn im Nugget verbaut habe, ist sogar eine 200 Ah Batterie in gut 2 Stunden Fahrt wieder randvoll. Ein solch großer Ladebooster muss jedoch auch zur Lichtmaschine des Fahrzeugs passen (bei mir ist es eine 250 A LiMa). Außerdem muss auf entsprechend große Kabelquerschnitte geachtet werden.

Alternativ zu einer Powerstation lässt sich eine große Lithium-Batterie wie hier natürlich auch fest im Camper verbauen. Über einen großen Ladebooster (links im Bild) kann diese in sehr kurzer Zeit wieder aufgeladen werden. Ein Solarladeregler und Steckdosen müssen hier jedoch separat verlegt und eingebaut werden, während dies alles bei einer Powerstation schon mit an Bord ist.

Leider kenne ich (noch) keinen Weg, eine Powerstation über deren verfügbare Ladeeingänge effizient ohne Landstrom oder viel Solarenergie zu laden, z.B. über die Lichtmaschine bzw. einen Ladebooster. Eine (wie ich finde sehr geniale) Idee ist es dabei, während der Fahrt mit hochtransformierten 24 V aus dem Fahrzeug über den Solareingang der Powerstation zu gehen, was jedoch von der EcoFlow auf ebenfalls „nur“ 165 W Ladeleistung gedrosselt wird. Somit dauert das Aufladen auch damit noch sehr sehr lang. Hierbei muss jedoch auf jeden Fall auch auf die Stärke und Belastung der LiMa geachtet werden – unendlich große Ströme lassen sich hier nicht entnehmen!

Die Idee kommt übrigens von Tino Eggert (https://tinoeggert.com), einem echten Experten in Sachen Camper-Elektrik. Er hat die Lösung bei Kai von Travel Camping Living in seinem Kastenwagen „Zottl“ umgesetzt, zusammen mit der Integration der Steckdosen in das Bordnetz des Campers. So kann er die 230 V Power seiner EcoFlow DELTA MAX an allen Steckdosen im Camper nutzen, ohne einen separaten Wechselrichter zu benötigen. Richtig cool! In diesem Video (siehe auch unten) kannst Du Dir das Ganze mal detailliert anschauen. Kostentechnisch schlägt eine solche Integration (neben den Kosten für die Powerstation) wohl mit ca. 300 € plus 4-6 Arbeitsstunden zu Buche. Sprich Tino auf jeden Fall mal an, wenn Du an jeglicher Elektrifizierung Deines Vans interessiert bist – er ist ein echter Fachmann!

Ansonsten eignet sich eine solch große Powerstation aber auch für all diejenigen, die nur tageweise autark unterwegs sein wollen und zwischendurch immer mal wieder die Möglichkeit haben, die Powerstation am Landstrom zu laden. Hier können die EcoFlows nämlich wirklich punkten: in nur 60 Minuten ist die DELTA MAX mit 2016 Wh* sowie auch ihr kleinerer Bruder die DELTA MAX mit 1612 Wh* von 0 auf 80% geladen – vollgeladen ist sie in insgesamt 100 Minuten! Das ist mal eine Ansage! Da hierfür aber auch 2.000 bzw. 1600 W Eingangsleistung benötigt werden, kann hier eine Lösung wie meine mit dem portablen Wechselrichter natürlich nicht genutzt werden.

Eine neue Powerstation für mich?

Wenn nun aber meine Suaoki G500 einen guten Job macht und ein „Kraftwerk“ wie die EcoFlow DELTA MAX auf Grund der Ladeproblematik für mich nicht in Frage kommt, warum denke ich dann trotzdem über eine neue Powerstation nach? Nun, seit meinem Elektroupgrade im Herbst 2021 konnte ich mein Setup ja bereits ausgiebig mit meinem mobilen Büro testen. Da ich dabei bisher jahreszeitenbedingt auf Solarenergie verzichten musste und insbesondere im skandinavischen Winter vergleichsweise viel Strom fürs Heizen (den Lüfter der Dieselstandheizung) verbraten wurde, lag mein Verbrauch im 24-Stunden-Schnitt bei etwa 90 – 100 Ah. Wollte ich also irgendwo länger als eine Nacht stehen und arbeiten, musste ich zwangsweise mal den Motor für eine Weile laufen lassen, um die 200 Ah LiFePO4 Batterie zwischendurch aufzuladen. Daher ist mein Gedanke, diese Reichweite des autarken Arbeitens durch eine Powerstation etwas zu erhöhen. Bei beispielsweise 600 effektiv nutzbaren Wattstunden einer Powerstation hätte ich (über 12 V) etwa 50 Ah zusätzliche Kapazität, also 1/4 mehr als jetzt. Viel ist das natürlich nicht, aber bei ca. 30 W, die mein Laptop mit Monitor im Modus „Intelligentes Laden“ benötigt, wären das immerhin nochmal ca. 15-20 Stunden mehr. 10-12 Stunden – also einen längeren Arbeitstag – schaffe ich aber ja auch heute schon mit der Suaoki.

Ein weiteres Argument wären natürlich leistungsstärkere 230 V Steckdosen. 1000 W (statt der 300 W heute) wären da schon ein echter Schritt. Neben den oben erwähnten Küchengeräten schwebt mir vor allem ein Anwendungsfall vor: ein Motorvorwärmer per 230 V. Hintergrund sind meine Reisen in die skandinavischen Ländern im Winter zur Polarlichtjagd. Wie ich gerade wieder eindrücklich feststellen durfte, kann es hier sehr schnell mal mehr als -20 oder -25°C werden, was dem Motor bei einem entsprechenden Kaltstart am Morgen natürlich nicht guttut. Die Möglichkeit einer Diesel-Wasserstandheizung zur Motorvorwärmung habe ich auf Grund der Kosten (> 2.500 €) und scheinbar auch Anfälligkeit dieser Lösungen mittlerweile wieder verworfen. Die wesentlich günstigere Variante der 230 V Motorvorwärmung (z.B. von DEFA für ca. 250 €) ist da schon eher attraktiv, zumal die Fahrzeuge i.d.R. auch schon für so etwas vorbereitet sind. Und hier kommt die Powerstation ins Spiel: Um diese Motorvorwärmung auch autark und unabhängig vom Landstrom nutzen zu können, könnte eine portable Powerstation zum Einsatz kommen. Die Lösungen haben eine überraschend geringe Leistungsaufnahme von 400 – 500 W und könnten somit vermutlich mindestens eine Stunde an einer vollen 700 Wh Powerstation laufen. Bei heftigem Frost unter -20°C wird zwar meines Wissens ein Heizen für 3 Stunden empfohlen, aber vermutlich ist 1 Stunde heizen schon besser als gar nicht zu heizen.

Welche Powerstation kommt in Frage?

Wie komme ich jetzt aber auf 700 Wh und 1.000 W Steckdosen? Nun, ich habe mich mal ausgiebiger mit den verfügbaren Powerstations auf dem Markt beschäftigt und nach verschiedenen Kriterien abgewogen:

  • Kapazität: Es sollten mehr als heute (500 Wh) sein, aber auch nur so viel, dass ich die Batterie in vertretbarer Zeit ohne Landstrom wieder aufladen kann.
  • Größe und Form: Der Platz links unter dem Schreibtisch ist bei mir quasi vorgegeben, da es in meinem Nugget keinen anderen wirklich sinnvollen Ort gibt, wo der „Stromkasten“ dauerhaft ohne zu stören verbleiben kann. Dementsprechend sollten die Anschlüsse so angeordnet sein, dass sie problemlos erreichbar sind.
  • Lademöglichkeiten: Da ich die Powerstation für längere Zeit autark nutzen möchte, sollten die Ladeoptionen ohne Landstrom möglichst effizient sein. Und weil ich ganzjährig reise, sollte eine Aufladung auch unabhängig vom Solarstrom im Winter möglich sein, ohne auf Landstrom angewiesen zu sein.
  • Output: Um meinen Laptop über 12 V betreiben zu können, sollte die Powerstation idealerweise mindestens einen USB-C PD Port mit 100 W bieten. Die 230 V Steckdosen sollten eine möglichst hohe Leistung bieten, wobei diese wiederum auf Grund der Akkukapazität begrenzt ist. 1.000 W wären aber schon super!
  • Akku-Technologie: Worauf viele nicht achten, ist der Unterschied zwischen Lithium-Ionen und LiFePO4 (also Lithium-Eisenphosphat) Akkus. Letztere haben eine wesentlich höhere Lebenszeit (mehrere tausend vs. nur mehrere hundert Ladezyklen), sind weniger empfindlich für Tiefenentladung und sind vor allem nicht so leicht zu überhitzen und somit einer Brandgefahr ausgesetzt. Bisher gibt es allerdings nur wenige LiFePO4-Powerstations am Markt.
  • Preis: Hier ist natürlich die Frage, was einem etwas mehr Autarkie wert ist. Mir persönlich ist es keine vierstellige Summe wert, da ich ja schon sehr viel in mein Elektro-Upgrade investiert habe.

Auf Grund dieser Kriterien hat sich die scheinbar riesige Auswahl an Powerstations auf dem heutigen Markt sehr schnell stark eingeschränkt. Sogar so stark, dass am Ende eigentlich nur ein sinnvolles Modell übrig blieb: die PowerOak EB70* mit folgenden Merkmalen:

  • 716 Wh LiFePO4-Kapazität mit > 2.500 Ladezyklen
  • 1.000 W Nennleistung (2 x 230 V Steckdosen)
  • 2 x 100 W USB-C PD Anschlüsse
  • 2 x 5 V / 3 A USB-A Anschlüsse
  • Geregelter 12V Zigarettenanzünder mit max. 10 A
  • Alle Anschlüsse auf der Vorderseite
  • 15 W kabelloses Laden (z.B. für Smartphone) auf der Oberseite
  • Laden mit 200 W (per 230 V oder Solar) mit 3-4 Stunden Ladedauer
  • Preis: je nach Angebot aktuell ca. 630 €

Klingt schon wirklich optimal für meine Bedürfnisse und ein guter Kompromiss aus Preis, Kapazität und Ladedauer ohne Landstrom! Ein scheinbar recht lauter Lüfter beim 230 V Aufladen (über meine Spezial-Lösung) stört mich weniger, da dieser sowieso meistens während der Fahrt im Wohnbereich des Nuggets laufen würde.

Am nächsten kommt diesem Modell noch die mit 720 Wh und 750 € etwa vergleichbare EcoFlow RIVER PRO*, die neben praktischen Features wie einer App-Steuerung und der Schnellladung per Landstrom für meinen Anwendungsfall jedoch einige Nachteile hat:

  • Nur 600 W Nennleistung (2 x 230 V Steckdosen). 1.000 W gibt es erst bei den Delta-Modellen, die preislich ab 1.100 € beginnen.
  • Per 230 V lädt sie mit max. 660 Watt, was sich meines Wissens nach auch nicht begrenzen lässt. Somit lässt sie sich mit meiner Lösung während der Fahrt nicht laden (außer mit einer aufwändigeren Lösung, wie Tino sie bei Kai verbaut hat). Alternativer Ladeeingang wäre der 12 V Zigarettenanzünder, was jedoch eine Ladedauer von angegebenen 8 Stunden mit sich bringt.
  • Die Anschlüsse sind auf der Vorderseite sowie auf den Seitenflächen verteilt, so dass ich sie zur Nutzung oder Aufladung immer verrücken müsste.
  • Es sind lediglich Lithium-Ionen-Batterien verbaut, die mit 800 Ladezyklen angegeben ist.

Tja, ein passendes Modell hätte ich also  mit der PowerOak EB70* schon gefunden, aber ist es mir knapp 350 € Aufpreis* wert? (*Anmerkung: Die Suaoki G500 wird aktuell gebraucht für 400 € angeboten, ich rechne daher mal mit ca. 280-300 €, wenn ich sie verkaufen würde.)

Das ist aktuell meine Überlegung… und vielleicht fallen mir ja noch mehr Anwendungsfälle ein, die eine Anschaffung rechtfertigen. Falls Du aus Deiner Erfahrung noch Beispiele hast, wie Du 1.000 W beim autarken Campen sinnvoll nutzt – immer her damit! Typische Anwendungsfälle wie eine Kaffeemaschine, ein Wasserkocher oder ein Induktionskochfeld sind allerdings für mich nicht relevant. Dafür bräuchte es ja größtenteils auch sehr viel mehr Leistung.

Einschränkung der Solarladung an der PowerOak EB70

Einen Punkt habe ich jedoch hier im Artikel bisher noch nicht betrachtet: das Laden über ein Solarpanel bzw. eine Solartasche. Die PowerOak EB70 ist mit 200 W maximalem Solareingang angegeben. An dieser Stelle eine Vorwarnung: Jetzt wird’s etwas speziell, aber nicht unwichtig, da man diese 200 W vermutlich mit nahezu keinem Panel erreichen dürfte. Was man hierbei nämlich wissen sollte ist, dass die Ladung der EB70 auf 25,2 V und 8 A begrenzt ist, was nicht unwichtig in Bezug auf die Auswahl des Solarpanels ist. Leider findet man diesen Punkt in nahezu keinem Produktreview – ja nicht mal in der Produktspezifikation des Herstellers! Schaut man sich dann zunächst die von PowerOak als „ideal passend“ angebotenen Panels (S220 und S200) an, so laden diese mit maximal 18 V und 12 A (S220) bzw. 20,5 V und 9,7 A (S200). Betrachtet man hierbei die 8 A Begrenzung des Ladeeingangs, so kommen unter optimalen Bedingungen maximal 144 (von 220 W) bzw. 164 (von 200 W) in der Powerstation an – in der Realität höchstwahrscheinlich sogar weniger auf Grund von Transformationsverlusten.

Und auch bei Panels anderer namhafter Hersteller sieht es nicht viel besser aus: Die WS200SF SunFolder+ 200Wp Solartasche von WATTSTUNDE liefert vergleichbare max. 19,8 V und 10,1 A – was in Summe bei 8 A Ladestrombegrenzung nicht mal 160 W wären. Mit der kleineren 180Wp „big tiger 180“ Solartasche von tigerexped (20 V und 9 A) komme ich auf Grund der gleichen Spannung schlussendlich sogar auf die gleiche Wattzahl, die bei der Powerstation maximal ankommt.

Diese Begrenzung auf 8 A am Ladeeingang macht die Sache bzw. die Bluetti EB70 schon wieder etwas „unattraktiver“ – zumal solch ein 200 W Solarpanel, welches ich mir sowieso für meine eingebaute LiFePO4-Batterie als Ergänzung zum festen Panel auf dem Dach holen wollte, ja auch nochmal mit knapp 500 € zu Buche schlägt. Preislich am attraktivsten – und mit 20 V und 10 A dem Wattstunde-Panel entsprechend – ist da aktuell noch die 200 W Hardcover Solartasche von Offgridtec*, wobei diese einen etwas geringeren Wirkungsgrad hat.

Vielleicht kennst Du ja noch eine Solartasche um die 200-220 W, die den „Wünschen“ der Bluetti möglichst entgegenkommt? Dann freue ich mich über einen Tipp!

Mein Ziel für die Sommerreise

Mein grundsätzliches Ziel für den Sommer ist es jedoch, auf meiner wahrscheinlich ca. 10- bis 11-wöchigen Reise durch die Alpen nicht darüber nachdenken zu müssen, wie lange ich an einem Ort stehenbleiben kann, ohne trotz Laptoparbeit in Stromnot zu geraten. Mit meinem 120 W Panel auf dem Dach werde ich da vermutlich nicht weit kommen.

Mein fest verbautes 120 Wp Solarpanel liefert im Sommer zuverlässig und vor allem „stressfreien“ Strom. Das reicht jedoch nicht aus, um dauerhaft meinen Strombedarf zu decken. Hier soll ein neues Faltpanel als Ergänzung Abhilfe schaffen.

Im Schnitt liefert das vielleicht ca. 50-80 Watt während ca. 6 Stunden am Tag – also erfahrungsgemäß 25-40 Ah pro Tag. Eine zusätzliche 200 W Solartasche, die exakt zur Sonne ausgerichtet werden kann, liefert dagegen vermutlich ca. 120 W während ca. 6 Stunden am Tag, was mit zusätzlichen 60 Ah dann ausreichen sollte, um meinen Tagesbedarf zu decken. Für meine Autarkie im Sommer (zumindest an Sonnentagen) wären diese knapp 500 € also vermutlich besser investiert als in ein Upgrade der Powerstation.

Übrigens, wenn Du solch eine Solartasche nicht „in den Dreck“ stellen, sondern lieber am Fahrzeug befestigen möchtest, dann schau dir mal die Magneten von styyl.de an. Mit Hilfe der vorhandenen Schlaufen des Panels kann man dieses an allen Blechteilen des Fahrzeugs magnetisieren – sehr praktisch!

Mit kleinen gummierten Magneten von styyl.de, die man an den Schlaufen der Solartasche befestigt, lässt diese sich überall am Fahrzeugblech befestigen – sei es wie hier auf der Motorhaube oder an der Seite vor dem Fenster.

Eine gewisse Autarkie- bzw. Standzeitverlängerung habe ich aber ja durchaus auch mit meinem jetzigen Setup aus Suaoki G500 und meiner 100 W Solartasche (beides heute nicht mehr erhältlich, daher auch hier nicht verlinkt). Aus letzterer habe ich im letzten Sommer allerdings nie mehr als 60 W herauskitzeln können. Für ein Durchlauferhitzer-Setup zum Betrieb des Laptops könnte das Ganze an sonnigen Tagen aber durchaus noch ausreichen…

Momentan sehe ich nach dieser Rechnung also keinen unbedingten Bedarf nach einer neuen Powerstation. Vielleicht schaue ich mir die Entwicklung am Markt einfach noch bis zum nächsten Herbst an und bewerte das Thema dann vor dem Winter noch einmal neu für mich.

Was ist das Richtige für Dich?

Nun kennst Du also meine Gedanken zu diesem durchaus umfangreichen Thema und konntest vielleicht auch für Dich ein paar Ansatzpunkte finden. Ob schlussendlich für Dich eher ein fest verbautes Elektroupgrade, eine große oder kleinere Powerstation oder sogar gar nichts davon sinnvoll ist, weil Du schlichtweg schon gut aufgestellt bist mit deinem Setup, kannst letztlich nur Du entscheiden.

Im Wesentlichen hängt die Entscheidung sicher von Deinem Reiseverhalten, Deinem Strombedarf und den Geräten, die Du betreiben möchtest/musst ab. Und da ist nun mal jeder anders. Daher gibt es auch nicht DIE Lösung oder DIE perfekte Powerstation, wie Du an meinen individuellen Kriterien sehen konntest.

Deine Gedanken zu dem Thema interessieren mich aber durchaus! Also schreib mir gern mal in die Kommentare, ob Du schonmal über eine Powerstation nachgedacht hast, vielleicht schon eine besitzt oder ähnlich wie ich über ein Upgrade nachdenkst. Ich würde mich freuen!

 

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