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Fotostory: Eine Nacht zum Wintercamping und Fotografieren im Harz

„Ist denn so ein Campingbus auch winterfest?“ Dieser Frage wollte ich mal in einem Selbstversuch nachgehen und habe mir dazu eine vergleichsweise kalte und klare Nacht im Harz ausgesucht, um hier sowohl ein paar Nachtaufnahmen zu machen, als auch im VW Multivan zu übernachten. Knapp -11 Grad zeigte das Thermometer am Morgen an – und ich habe die Nacht gut überstanden, soviel kann ich schonmal verraten!

Am schneebedeckten Ufer des Oderteichs im Harz konnte ich einen wunderbaren Sternenhimmel genießen!

Warum schläft man im Winter im Auto?

Nun muss ich ja leider noch ganze 2 Monate auf meinen eigenen Camper warten (siehe dazu auch diesen Blogbeitrag), aber trotzdem war ich extrem neugierig, wie sich ein solcher Campingbus im Winter bei Minusgraden schlägt. Daher habe ich mir erneut den VW Multivan ausgeliehen und bin damit spontan am Donnerstag, den 8.2.2018 in Richtung Harz gefahren. Warum? Nun, in dieser Nacht bestand eine geringe Möglichkeit, endlich mal sternenklaren Himmel zu haben – so ganz einig waren sich die Wettervorhersagen hier allerdings nicht. Und außerdem sollte es vergleichsweise kalt sein (bis zu -12 Grad) und es hatte vor einige Tagen geschneit, so dass ich auf eine malerische Winterlandschaft hoffte.

Dies war mal wieder meine „Unterkunft“ für die Nacht – auch bei fast -11 Grad noch gut geeignet.

Insbesondere die niedrigen Temperaturen waren für meinen kleinen Selbstversuch interessant – wollte ich doch mal am eigenen Leib spüren, ob eine normale Standheizung bei zweistelligen Minusgraden einen nicht speziell wintertauglichen VW Bus ausreichend aufheizen kann. Bisher habe ich sie eigentlich nie gebraucht – bis 2 oder 3 Grad über dem Gefrierpunkt habe ich nun schon mehrfach im Bus OHNE Standheizung geschlafen. Ohne zu frieren! Dabei habe ich immer eine recht warme Bettdecke und darüber noch eine kuschelige Wolldecke verwendet – das hat selbst eine Frostbeule wie mich warm gehalten!

Viele können ein solches Vorhaben sicherlich nicht wirklich nachvollziehen – ist es doch im warmen Bett zu Hause viel gemütlicher! Aber was soll’s, wenn ich schonmal etwas Zeit habe und dazu noch das Wetter passt – warum nicht! Viel Zeit blieb allerdings nicht, da ich am Donnerstagabend erst gegen 18:30 Uhr losfahren konnte und am nächsten Morgen 8:00 Uhr bereits die nächsten Termine anstanden. Und zwischendurch musste ich auch noch ein wenig arbeiten…

Das Wetter spielt mit!

War es bei meiner Abfahrt zu Hause noch komplett bewölkt, so konnte ich mit zunehmender Nähe zum Harz immer mehr Sterne sehen. Yeah! Und so hielt ich auch gleich bei meinem ersten Ziel: dem Radau-Wasserfall kurz nach Bad Harzburg. Ich hatte ihn schonmal bei Tag im gefrorenen Zustand besucht und fotografiert – heute sollte es dann mal eine Variante mit Sternenhimmel geben. Dabei gab es leider gleich mehrere Herausforderungen: zunächst mal habe ich mich nach dem Aussteigen fast auf die Klappe gelegt, da der kleine Weg zum Wasserfall fast vollständig aus Eis bestand und hier keiner so freundlich war und gestreut hatte. Als diese Hürde dann aber genommen war und ich mit meinem Stativ und dem Panoramakopf vor dem Wasserfall stand, um die ersten Testaufnahmen zu machen, wurde mir erst so richtig bewußt, wie hell es hier doch ist! Nicht nur die danebenliegende Gaststätte strahlte mächtig auf den Wasserfall, auch die Straße mit den vorbeifahrenden Autos tat ihr übriges. Trotzdem sind mir ein paar Aufnahmen gelungen – und wenn man genau hinschaut, erkennt man auch, dass ein wunderschöner Sternenhimmel darüber zu sehen war!

Der Radau-Wasserfall präsentierte sich wunderbar gefroren unter dem Sternenhimmel.

Dann ging es weiter in Richtung Torfhaus. Zum Glück waren die Straßen wunderbar trocken, so dass die Steigungen keinerlei Probleme machten. Der Schnee drumherum wurde hingegen immer mehr, was mein Fotografenherz natürlich höher schlagen ließ!

Arbeiten und Fotografieren am Oderteich

Mein Ziel war schließlich der Oderteich zwischen Torfhaus und St. Andreasberg – direkt neben der Straße gelegen, da ich wenig Zeit für große Wanderungen hatte. Als ich dort ankam, war das Wetter zunächst etwas schlechter geworden und ein paar Wolken haben sich gezeigt. Dies war aber auch gar nicht so schlimm, hatte ich doch mittlerweile ziemlichen Hunger und musste ja auch noch etwas arbeiten. Und so aktivierte ich zunächst die Standheizung auf der höchsten Stufe und bereitete mir mein mitgebrachtes Abendessen auf dem kleinen Tisch im VW-Bus vor. Es wurde auch schnell kuschelig warm, und so hatte ich bald drinnen im Bus mehr als 25 Grad mehr als draußen – hier herrschten mittlerweile -8 Grad. So ließ es sich definitiv aushalten und auch sehr produktiv arbeiten!

Danach sollte es noch einmal auf eine kleine Fototour gehen – was wirklich etwas Überwindung kostet, wenn man eigentlich müde ist und gar nicht mehr in die Kälte raus möchte. Aber für schöne Fotos muss man halt auch manchmal Opfer bringen… Und so baute ich vor dem Start noch schnell mein Bett für die Nacht auf, um nach der Tour gleich unter die warme Decke schlüpfen zu können. Die Standheizung ließ ich – wenn auch mit weniger Power – weiter laufen, um das Auto nicht komplett auskühlen zu lassen.

Direkt neben der Straße gibt es diesen Blick auf den zugefrorenen und schneebedeckten Oderteich.

Und was soll ich sagen, meine kleine einstündige „Nachtwanderung“ war wirklich der Hammer! Der Himmel war fast komplett sternenklar, die Kälte konnte man quasi riechen und hören und überall lag schöner frischer Schnee! Hier hätte ich noch stundenlang wandern können – wenn nicht um 5:45 Uhr schon wieder der Wecker klingeln würde. Also machte ich ein paar Panoramaaufnahmen und genoß noch ein wenig die eisige Stille am zugefrorenen Oderteich – herrlich!

Zurück im Auto hieß es dann schnell schlafen, was mir auch ohne Probleme gelang. Wach wurde ich nur einmal, als ein Typ meinte, auf dem Parkplatz, auf dem ich mein Nachtlager aufgeschlagen hatte, gegen 1 Uhr nachts ein wenig mit seinem Auto driften zu müssen. Macht sicher Spaß, hat mich in dem Moment aber weniger begeistert. Schlussendlich hatte ich aber fast 5,5 Stunden Schlaf auf der Uhr, als mein Wecker morgens bei -10,5 Grad Außentemperatur klingelte und ich mich langsam wieder auf den Weg zurück machte. Um 7 Uhr war ich dann wieder zu Hause und der Tag konnte beginnen – mit vielen tollen Erinnerungen an meinen „Mini-Urlaub“ in der letzten Nacht.

Meine zusätzlichen Wärmespender

Neben der überaus wirkungsvollen Standheizung und der warmen Bettdecke hatte ich noch zwei Kleinigkeiten dabei, die mich hinsichtlich ihrer Wärmewirkung wirklich überrascht haben:

  1. Mein „Wärmeschaf*“ – eine Wärmflasche in Form eines Plüsch-Schafs. Viele, denen ich dieses Schaf zeige, belächeln mich zunächst dafür. Wenn sie dann aber erfahren, dass es sogar nach 6-9 Stunden noch immer Wärme spendet (je nach Außentemperatur), können es die meisten nicht glauben. Ich kann diesen süßen Gefährten jeder Frostbeule wie ich es bin empfehlen! Einfach die innenliegende Wärmflasche mit kochendem Wasser auffüllen (kann man sich im Camper mit Küche ja auch schnell machen) und ab in den „Schafbauch“…
  2. Meine Thermoskanne von „Chilly’s“* – hierin blieb mein Tee wirklich auch nach 6 Stunden noch kochend heiß! Und selbst am nächsten Tag war der Tee nach über 14 Stunden immer noch lauwarm. Im Sommer nutze ich die Flasche meist für kalte Getränke, was ebenso perfekt funktioniert – sogar mit kohlensäurehaltigen Getränken!

Mein Fazit

Zurückblickend kann ich wirklich sagen, ich bin begeistert, wie toll man im VW Bus ohne spezielle Winterausrüstung auch bei zweistelligen Minusgraden „Campen“ kann! Ich hatte bewußt in der Nacht die Vorhänge am Fenster weggelassen, um den Einfluss der Kälte durch die ungeschützten Scheiben zu sehen. Und klar, Fenster sind definitiv Kältebrücken, aber es war erträglich – und so hatte ich neben meinem Kopfkissen direkt vor dem Heckfenster noch immer 11 Grad, was bei einer warmen Decke völlig ausreichend ist um sich wohlzufühlen. Und dies bei fast -11 Grad Außentemperatur und einer Standheizung auf Stufe 3 von 10 – da kann man wirklich nicht meckern! Genauso gut sollte dies denke ich auch mit anderen PKW’s funktionieren, die über eine Standheizung verfügen.

Ich würde solch einen Wintercamping Ausflug daher jederzeit wieder machen. Es ist durchaus angenehm, nach dem Fotografieren in der Nacht nicht sofort noch die einstündige Heimfahrt anzutreten, sondern erstmal in Ruhe (aus)schlafen zu können. Und mit einer kleinen Campingtoilette* wie ich sie dabei hatte, spart man sich sogar das nächtlich Aussteigen, was gerade ich mit meiner Mädchenblase sehr zu schätzen weiß!

 

Hast Du auch schon Erfahrungen mit dem Wintercamping gemacht? Dann schreib mir gern in die Kommentare!

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8 Kommentare
  1. Michael Kohl says:

    Hallo Katja,

    wir haben seit 1997 einen VW T4 Profi von Dehler. Der ist etwas geräumiger und etwas höher im Innenraum. Dieses Freizeitmobil ist uns bis heute ein treuer Begleiter und für 2 Personen ein ideales Reisefahrzeug. Wir reisen damit zu jeder Jahreszeit herum. Das Kälteste war bisher -15 Grad im hohen Westerwald und obwohl wir eine Standheizung drin haben, bleibt diese nachts aus. Entsprechende Schlafsäcke und bequeme Wäsche (kuscheliger Jogginganzug) machen es möglich.

    Ich bin übrigens über Dein Buch, welches ich mir jetzt zu Weihnachten habe schenken lassen, auf Deine Seite hier aufmerksam geworden.
    Auf Deine Empfehlung hin habe ich mir für meine D6 MK II ein 24er Wallimex und ein 15er IRIX geholt und bin jetzt eifrig am Üben. Bisher hat das Wetter hier im Südwesten allerdings noch nicht so viele Möglichkeiten dazu geboten.

    Grüßle, Michael

    Antworten
    • Katja Seidel says:

      Hallo Michael,
      wow, bei -15 Grad ohne Standheizung finde ich sportlich! Aber klar, es gibt ja Schlafsäcke für solche extremen Temperaturen… mir wäre es nur an den Stellen, die aus dem Schlafsack rausschauen, zu kalt 😉
      Schön, dass Du über mein Buch hier gelandet bist! Ich hoffe, Du hast viel Spaß mit den Objektiven und der Nachtfotografie! Nächste Woche soll es ja wettertechnisch nochmal gut aussehen!
      LG, Katja

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  2. Ingo says:

    Hi Katja,
    hach… wieder so ein Selbstversuch der schon beim Lesen toll ist… da möchte man gleich selbst losziehen. Ich habe eine Frage an Dich als Frau vom Fach, Ich hatte letzte Woche eine ähnliche Ausgangssituation. Es waren -14 Grad und es sollte eine Timelapse Tour werden. Hat soweit auch auch geklappt. Es wurden 140 Aufnahmen mit dem Intervallometer vereinbart und das hat es auch durchgezogen. Nach 70 Fotos ist jedoch das Objektiv kondensiert und/oder eingefroren. In der zusammengeführten Aufnahme sieht es aus wie ein fading effekt der immer mehr wird. – hast Du einen Tipp oder eine Idee wie ich das verhindern kann? Kennst Du dieses Problem? Kann man überhaupt etwas dagegen machen?

    Lieben Gruß aus der Eifel

    Antworten
    • Katja Seidel says:

      Hallo Ingo,
      ja, zugefrorene oder beschlagene Linsen kommen leider häufig vor in der Nacht, nicht nur im Winter (im Sommer ist es dann natürlich eher Taubeschlag als Frost). Dagegen gibt es sogenannte Heizmanschetten, z.B. mit USB-Anschluss zum direkten Anschluss an eine Powerbank. Ich nutze z.B. diese hier (ggf. kürzer wählen, je nach Objektiv), was sehr gut funktioniert. Wenn es sehr kalt ist muss man allerdings aufpassen, dass sich die Powerbank nicht auf Grund der Kälte ausschaltet – am besten nochmal gut isolieren.
      Es geht aber auch ohne Heizmanschette, indem du einfach einen Taschenwärmer wie diesen hier um das Objektiv klebst. Hab ich allerdings bei solchen extremen Minustemperaturen noch nicht ausprobiert.
      Der Fading-Effekt sieht aber sicher auch nicht schlecht aus 😉
      LG, Katja

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  3. Jørgen says:

    Hi Katja,

    wie immer ein klasse Blog-Beitrag. Dein Vorteil – im Gegensatz zu mir – scheint definitiv die Tatsache zu sein, dass du anscheinend, im Rahmen von kleinen Beobachtungs-Touren, problemlos einschlafen kannst. Ich erinnere mich an die ersten Juli-Tage in 2017, als ich abends zwecks NLC. & Milchstraßen-Beobachtung rausgefahren bin und die Nacht in und vor meinem alten Benz verbracht habe. Schlafen? Keine Chance. Total geschlaucht morgens ins Büro – aber was solls, von den Erinnerungen zehre ich heute noch. Im positiven Sinne. Wie du schon sagst: man muss Opfer bringen. 😉

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    • Katja Seidel says:

      Hi Jørgen,
      ja, meistens klappt das ganz gut bei mir mit dem Schlafen. Nur wenn ich mit Schlafsack und Isomatte irgendwo auf dem Berg übernachte, komme ich auch häufig nicht großartig zum Schlafen. Aber je nachdem wieviel man so „zu tun“ hat in der Nacht bleibt ja meistens sowieso nicht viel Zeit… aber was tut man nicht alles.
      LG, Katja

      Antworten
  4. Lutz says:

    Hallo Katja,
    über Dein Buch (die Folge für mich war eine 6D + IRIX-15-mm) bin ich auch auf diese schöne und informative Seite gestoßen.
    Freue mich über jeden neuen Bericht, der immer wieder etliche Anregungen liefert 🙂
    Noch eine Frage – passt der Cokin P830 (den P820 gibt es offensichtlich nicht mehr) auf das IRIX mit seinen 95 mm Filterdurchmesser?

    LG Lutz

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