Wer wie ich häufiger seine Wandertouren zu den Fotospots digital plant und auf einem entsprechenden GPS-Gerät oder Smartphone mitnimmt, wird vielleicht auch schon von der traurigen Nachricht gehört haben, dass es die Seite GPSies.com bald nicht mehr in der bisherigen Form geben wird. Welche – sogar noch bessere – Alternative ich für mich gefunden habe, das stelle ich Dir in diesem Blogbeitrag vor.

GPSies geht in AllTrails über – eine Alternative?

Diese Meldung gab es Ende Juli 2019 auf www.gpsies.com – leider wie ich finde!

Gerade waren die letzten Korrekturen an der zweiten Auflage meines Buches gemacht, da sahen wir diese Meldung auf GPSies.com: „Wir haben uns der AllTrails-Familie angeschlossen!“ Zunächst konnte ich gar nicht so viel mit der Meldung anfangen, bis ich dann diesen etwas ausführlicheren Artikel auf heise.de gelesen habe. Schnell wurde klar, dass es die tolle Funktion, die ich bisher bei GPSies so lieb gewonnen hatte, wohl bald nicht mehr in dieser Form geben wird: das schnelle Erstellen von Touren zur Speicherung und Mitnahme auf dem GPS-Gerät oder Smartphone. Genau beschrieben habe ich meine Vorgehensweise dabei in meinem Buch im Projekt „Nachtwanderung im Mondschein“ (in der ersten Auflage ab S. 167 und in der 2. Auflage ab S. 169). Dieser Blogartikel soll daher Alternativen aufzeigen, wenn GPSies mal nicht mehr wie beschrieben zur Verfügung steht. Stand heute (20.08.2019) funktioniert es noch wie im Buch beschrieben.

Routenplanung geht auch in AllTrails, aber leider mit einigen Einschränkungen wie ich finde.

Ein erster Blick auf die amerikanische AllTrails Plattform zeigte mir schnell, dass hier einiges anders ist als bisher bei GPSies. Dort brauchte ich für das einfache „Zusammenklicken“ einer Route, z.B. für eine Wanderung oder Radtour, keinen Account. Auch bestehende Strecken, die von anderen Benutzern hochgeladen wurden, konnte ich ohne Anmeldung suchen und herunterladen, um sie selbst auf meinem GPS-Gerät zu nutzen – sehr angenehm, nachdem es heutzutage schon fast überall notwendig ist, seine Daten herzugeben bevor man etwas nutzen kann! So auch bei Alltrails: hier muss ich bereits für das Erstellen einer Route einen Account anlegen. Den GPX-Track dieser Route kann ich dann auch herunterladen, jedoch nur meine eigenen. Möchte ich die eingestellten Routenvorschläge anderer Nutzer herunterladen, benötige ich einen Pro-Account, der mich ganze 29,99 Dollar pro Jahr kostet! Dieser bringt zwar natürlich noch weitere Vorteile, aber 2,50 Dollar im Monat ist mir dies definitiv nicht wert.

Erste Tests der (kostenlosen) Funktion der Streckenerstellung in AllTrails ergaben aus meiner Sicht weitere Nachteile:

  • Die Streckenerstellung war nicht über die mobile Version der Seite am Smartphone möglich. Auch die App bot diese Funktion (zumindest auf dem iPhone) nicht an. „Mal eben schnell“ eine kleine Spazierrunde in einer fremden Gegend auf dem Smartphone zusammenklicken ist also nicht möglich. Auf dem iPad hat es mit Hilfe der Webseite geklappt.
  • Die Streckenerstellung kann scheinbar nur über vordefinierte Abschnitte entlang der Wanderwege erfolgen. Diese Abschnitte sind mitunter sehr lang, ganz gleich wohin man den nächsten Punkt setzt. Eine exakte Planung bis zu einem bestimmten Punkt ist daher nicht möglich, so dass die Strecke schnell mal ein paar hundert Meter länger werden kann als gewollt – was in den Bergen schon einige Höhenmeter bedeuten kann!
  • Die Webseite ist (größtenteils) in englischer Sprache. Ich habe damit kein großes Problem, aber einige mag das stören. Der Großteil der Beschreibungen bestehender Touren ist somit natürlich auch in Englisch gehalten.
  • Wie gesagt, zum Erstellen der Strecke ist eine Anmeldung im Portal notwendig. Zudem müssen die erstellten Strecken vor dem Download gespeichert werden. Hinter die Sichtbarkeit für andere Nutzer der Plattform bin ich noch nicht ganz gestiegen – da die Plattform jedoch sehr stark auf Community ausgerichtet ist, vermute ich, dass die erstellten Strecken standardmäßig auch für andere sichtbar sind.

Ein „würdiger“ Nachfolger war Alltrails damit für mich nicht wirklich, so dass ich mich etwas verzweifelt auf die Suche nach weiteren Alternativen gemacht habe. Alle Ergebnisse dieser Suche hier zu beschreiben, würde sicher zu weit führen, daher sei an dieser Stelle nur gesagt, dass ich schlussendlich bei meiner Suche nur eine wirkliche Alternative gefunden habe, die sogar noch eine weitere Funktion bietet, nach der ich schon lange gesucht habe… aber dazu später mehr.

BRouter als (sogar bessere) Alternative

Nachdem mich bekannte Plattformen wie Komoot nicht wirklich glücklich gemacht haben, bin ich durch Zufall auf die sehr schlicht gehaltene Seite BRouter-Web gestoßen. Hier gibt es weder viel Schnick-Schnack noch störende Werbung, so dass die Seite sogar auf dem kleinen Smartphone-Bildschirm noch wunderbar zu bedienen ist. Die zur Verfügung stehenden Werkzeuge (Icons) sind weitestgehend selbsterklärend und eine Route zusammenzustellen geht hier sogar mit (gefühlt) noch weniger Klicks als auf GPSies!

BRouter-Web ist äußerst übersichtlich und einfach zu bedienen. Ich bin begeistert!

Um die Routenplanung mit BRouter analog der Beschreibung im Buch zu erstellen, brauchst Du lediglich folgende Schritte auszuführen. Die Beschreibung geht wie im Buch von einer Planung am Tablet oder Smartphone aus – am PC funktioniert das aber natürlich auch:

  1. Suche Dir auf der Karte den Ort, an dem Du die Route planen möchtest. Dazu kannst Du entweder die Suchfunktion nutzen (Lupen-Symbol links) oder einfach mit den Fingern den Kartenausschnitt verschieben. Das Ein- und Auszoomen der Karte kannst Du entweder per Zoomgeste oder über die +/- Tasten oben links erreichen. In meinem Fall habe ich mal nach dem „Passo di Pordoi“ in den Dolomiten gesucht, was die Suche auch zuverlässig gefunden hat. Durch ein erneutes Klicken auf die Lupe klappt sich die Suchergebnisliste wieder ein.
  2. Vor der Erstellung der Strecke kannst Du oben links in der Auswahlbox noch die Art der Route auswählen. Standardmäßig ist hier „Trekkingrad, Original“ ausgewählt, was bei Wanderwegen ebenfalls zu funktionieren scheint, nur die errechnete Zeit auf Grund der höheren Durchschnittsgeschwindigkeit unrealistisch werden lässt. Daher ist „Wandern (beta)“ hier sicher die bessere Wahl. Ansonsten gibt es aber noch eine ganze Menge mehr Fortbewegungsmittel, die hier ausgewählt werden können. Dazu gleich noch mehr…
  3. Um nun eine Route bzw. einen Track zu erstellen, musst Du den Stift in der Werkzeugleiste links aktivieren. Dann kannst Du beginnen, mit dem Finger Punkte auf der Karte zu setzen. Ich habe den ersten Punkt auf dem Parkplatz am Pass gesetzt und einen weiteren beim Refugio Baita Predarola. Die knapp 1,5 km dazwischen hat der Planer selbstständig entlang des Wanderweges gesetzt. Einen weiteren Punkt habe ich dann an der Bindelweghütte gesetzt, so dass ich mit 3 Klicks eine Route von 3,3 km und 175 Höhenmetern zusammen hatte. Für den Rückweg habe ich dann einfach noch einen Punkt auf den Parkplatz am Ausgangspunkt gesetzt, wodurch sich die Wegstrecke verdoppelt hat. Die Angabe der Höhenmeter in der unteren Zeile erschließt sich mir hier allerdings nicht so ganz. Waren die 174 m (einfach aufsteigend) beim Hinweg noch realistisch, so wurden daraus 2 m bei der Gesamtroute… Hm, die Höhenmeter muss ich ja trotzdem laufen, auch wenn ich sie später wieder absteige… Aber das ist sicher nicht das größte Problem.
  4. Um die Route nun zu exportieren, klickst Du oben im Menü auf „Export“ und wählst das gewünschte Format aus. Ich nutze hier ja immer das GPX-Format, also einen GPS Track, dem ich auf einem entsprechenden Gerät folgen kann. Angenehm ist, dass hier gleich schon ein (halbwegs) sinnvoller Name und die Streckenlänge als Routenname vorgeschlagen wird – das hilft den Track später leichter wiederzufinden! Beim Exportieren der Route auf dem iPad oder iPhone hast Du dann die Möglichkeit, die Route in eine entsprechende App zu laden, z.B. Pocket Earth wie im Buch beschrieben.

Mehr ist auch gar nicht zu tun.

Die weiteren Funktionen in der linken Icon-Leiste sind ebenfalls sehr hilfreich, daher möchte ich sie hier kurz erläutern:

  • Der doppelte gekreuzte Pfeil kehrt die aktuelle Route einfach um, vertauscht also Start- und Endpunkt.
  • Der durchgestrichene Kreis ermöglicht das Aufziehen eines Kreises für eine Verbotszone (no-go area). In diesem Bereich wird dann keine Route geplant. Hab ich bisher noch nicht gebraucht, aber wer weiß wozu es mal nützlich ist.
  • Das Symbol mit dem Wegpunkt und dem Pfeil daneben löscht den zuletzt gesetzten Wegpunkt und kann auch für mehrere Punkte angewendet werden – also quasi eine Rückgängig-Taste wenn man sich mal verklickt hat. Einzelne Wegpunkte lassen sich ansonsten auch löschen, indem man sie einfach anklickt.
  • Der Mülleimer löscht die komplette Route und wenn gewünscht auch die eingestellte Verbotszone.
  • Der Schieberegler regelt die Deckkraft des farbigen Tracks.

Als Karte wird standardmäßig die Open Street Map ausgewählt, was für Wanderungen auch sinnvoll ist. Zum Wechseln der Karte gibt es rechts oben jedoch ein entsprechendes Symbol. Hier kann man sich zusätzlich über die Option „Wandern (markierte Routen)“ größere Wanderwege mit ihren jeweiligen Nummern einblenden lassen, was ebenfalls sehr hilfreich ist.

Die untere Zeile ist sicherlich besonders hinsichtlich der Entfernung, Reisezeit und Höhenmeter interessant. Wie sich die Energie und die Kosten genau berechnen weiß ich nicht. Aber sinnvoll ist auch das Höhenprofil, welches sich über den Button ganz rechts unten einblenden lässt. Somit ist aus meiner Sicht alles da, was man braucht.

Offline-Routing mit BRouter unter Android

Ich nutze ja wie im Buch beschrieben für die Navigation (bzw. das Abwandern von erstellten Tracks) die App Pocket Earth, die es jedoch derzeit leider nur für iOS gibt. Im Zusammenhang mit BRouter habe ich allerdings eine scheinbar sehr gute Alternative für Android gefunden, die ich Dir natürlich auch nicht vorenthalten möchte. Da ich dies gerade nicht testen kann, verlinke ich hier einfach erstmal auf die ausführliche Beschreibung im com-Magazin, welche das Offline-Routing mit den Android-Apps BRouter und Locus Map Pro beschreibt. Falls Du dies mal ausprobieren möchtest oder sogar schon Erfahrung damit hast, schreib doch gern mal in die Kommentare!

Routenerstellung für Wasserwanderungen mit BRouter

Vorhin habe ich eine Funktion angesprochen, die ich zufällig im BRouter entdeckt habe und vorher noch in keiner App so richtig finden konnte: die Erstellung von Routen auf Wasserwegen (Flüssen). Da ich recht viel mit dem Kajak und mittlerweile dem Stand Up Paddle Board (SUP) unterwegs bin, war ich extrem begeistert von dieser Möglichkeit auf der BRouter-Seite. Hierzu stellst Du oben links einfach auf „Fluss“ um und kannst dann Punkte in einem Fluss setzen, die durch eine Route verbunden werden. Dies funktioniert bei Seen nicht so richtig, aber bedingt bei Strecken, die neben Flüssen auch kleinere See-Überquerungen beinhalten – z.B. auf der Mecklenburgischen Seenplatte.

Auf Seen wie hier dem Eibsee funktioniert die Wasserweg-Planung zwar nicht, aber für Flussfahrten mit dem Kajak oder SUP ist die Funktion extrem hilfreich!

Ich bin gespannt. Ich werde in der nächsten Woche mal eine mit BRouter erstellte Route auf der Lahn mit dem SUP abfahren. Ein „Verfahren“ ist hier zwar eher unwahrscheinlich – auch ohne Navigation – aber so weiß ich schon im Voraus, wie lang die Strecke ist und während des Fahrens, wieviel Strecke noch zu Paddeln ist. Ich nutze dazu übrigens eine Garmin Fenix 5 Plus* Smartwatch, die auch Karten darstellen kann. Die Route auf der Lahn habe ich dazu auf dem iPhone im BRouter zusammengestellt und anschließend als GPX-Track in die App „Garmin Connect“ exportiert. Von dort aus konnte ich sie sehr einfach drahtlos auf die Uhr übertragen und hab sie so jederzeit „am Handgelenk“ dabei. So muss das sein… bisher war das mit meinem älteren Garmin-Gerät immer nur sehr umständlich über den PC und ein Anschließen des GPS-Geräts per Kabel zu realisieren.

Auch am kleinen Smartphone-Bildschirm funktioniert die Routenplanung ohne Probleme. Die Route kann dann mit wenigen Klicks auf die Smartwatch übertragen werden. Mit entsprechender Kartendarstellung ist diese zwar kein „Leichtgewicht“, aber sehr nützlich!

Das war jetzt sicher etwas Off-Topic hinsichtlich der Astrofotografie, aber vielleicht interessiert es Dich ja trotzdem, weil Du (wie ich) auch mal was anderes als die Fotografie machen möchtest.

 

Kennst Du weitere sinnvolle Alternativen? Dann schreib mir gern in die Kommentare!

5 Kommentare
  1. Stefan sagte:

    Hey Katja,

    danke für deinen tollen Artikel! Was mich interessiert ist, was dich an Komoot gestört hat bzw. warum es dich nicht überzeugt hat?
    Ich hab es bisher zum Routenplanen und Mountainbiken schon oft genutzt und war sehr zufrieden, vor allem mit den Routenvorschlägen.

    Viele Grüsse
    Stefan

    Antworten
    • Katja Seidel sagte:

      Hallo Stefan,

      vielen Dank! Wenn ich es richtig verstanden habe, muss ich mich a) bei Komoot registrieren um etwas machen zu können und b) eine Region (gegen Gebühr) freischalten, um einen von mir erstellten Track herunterzuladen. Oder habe ich da etwas falsch verstanden? Die Erstellung der Tracks fand ich auch leicht umständlicher als beim BRouter… Aber das ist sicher Geschmackssache. Ich habe Komoot ja gleich als erstes getestet, da ich von vielen weiß, dass sie es nutzen. Du hast wahrscheinlich auch Geld bezahlt bei Komoot, um deine Planung damit zu machen, oder?

      LG, Katja

      Antworten
      • Stefan sagte:

        Ja ich hab mir damals das Komplett-Paket geholt wo man einmalig 30 EUR oder so zahlt (ich hatte es am Anfang glaub sogar für nur 20 EUR bekommen. Somit einmal gekauft und dann keine weiteren Kosten, was ich sehr gut finde. Was ich oft mach ist auf irgendwelchen Webseiten tolle Routen zu googlen und dann mir das entsprechende GPX-File herunterlade und in Komoot als Tour importiere. Oder genausooft nehm ich Routenvorschläge aus Komoot, welche mittlerweile sehr umfangreich vorhanden sind aufgrund der gewachsenen Community.

        Viele Grüsse
        Stefan

        Antworten
  2. Werner sagte:

    Hallo Katja, toller Artikel, wie immer super erklärt und beschrieben !! Werde Router bei der nächsten Wanderung auf alle Fälle einsetzen / testen.

    Viele Grüsse
    Werner

    Antworten

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