Red Enhancer Filter – Die Lösung gegen Lichtverschmutzung?

Lichtverschmutzung ist hierzulande der wohl größte Feind eines Astrofotografen. Die hellen Lichtglocken großer Städte oder Ballungsgebiete sind oft mehr als 100 km weit sichtbar und beeinträchtigen somit sowohl Deep Sky Aufnahmen als auch nächtliche Landschaftsfotos. Ein sogenannter „Red Enhancer“ Filter scheint dieses Problem zumindest ein wenig lindern zu können. Wie gut die Wirkung dieses eigentlich für die Tagfotografie gedachten Schraubfilters wirklich ist, erfährst Du in diesem Blogbeitrag.

Der Filter mit „versteckter Funktion“

Im November 2015 startete ein Thread im Meteoros-Polarlichtforum, der mich neugierig gemacht hat. Der Titel lautete „Didymfilter: Objektivfilter gegen Lichtverschmutzung“ (Link zur Diskussion im Meteoros-Polarlichtforum). Jemand hatte hier eine interessante „Zusatzfunktion“ eines Schraubfilters entdeckt, der eigentlich für die Tageslichtfotografie gedacht ist

Hoya Red Enhancer

Der Hoya Red Enhancer / Intensifier als Wunderwaffe gegen Lichtverschmutzung?

Der sogenannte „Red Enhancer“ (auch „Red Intensifier“ oder „Didymfilter“) war vom Hersteller ursprünglich dafür gedacht, Rottöne wie Herbstlaub intensiver erscheinen zu lassen. Zufällig filtert er dabei genau das Licht der Wellenlänge von Natriumdampflampen heraus, die für einen großen Teil der Lichtverschmutzung in Nachtaufnahmen verantwortlich sind. Im Forum werden dabei verschiedene Beipspiele gezeigt, die den Unterschied zwischen Aufnahmen mit und ohne Filter eindrucksvoll zeigen. Hierbei handelt es sich soweit ich sehen konnte um weitestgehend unbearbeitete Aufnahmen. Und auch auf der englischsprachigen Seite www.lonelyspeck.com tauchte dieser Filter im April 2016 in einem Review auf: Link zu einem Test bei „Lonely Speck“ (engl.). Dieser zeigt einige beeindruckende Vergleichsaufnahmen mit und ohne Filter – sogar mit der Möglichkeit, sich die Original-RAW-Dateien herunterzuladen.

Die Transmissionskurve des Filters zeigt, dass das Licht im Bereich der Natriumlinie (590 nm) weitestgehend herausgefiltert wird. (Quelle: Hoya)

Beide Berichte waren für mich als Nacht- und Astrofotografen natürlich extrem interessant, zumal die einhellige Meinung scheinbar war, dass dieser Filter eine wahre Wunderwaffe gehen Lichtverschmutzung ist, der zudem noch vergleichsweise günstig zu haben ist (je nach Filterdurchmesser ab ca. 40 Euro). Der Wunsch nach einem solchen Red Enhancer war also auch in mir geweckt…

Die Verfügbarkeit des Filters

Leider war/ist es gar nicht so einfach, diesen Filter zu bekommen. Nachdem der „Zusatznutzen“ bekannt wurde, waren die Bestände bei den Händlern im Nu ausverkauft. Offensichtlich handelte es sich hierbei auch um Restbestände, da der Filter scheinbar in Europa nicht mehr hergestellt und verkauft werden durfte. Grund hierfür soll sein, dass Anteile von Arsen in diesem Filter entdeckt wurden – eine verlässliche Quelle habe ich hierfür jedoch noch nicht finden können! Auch ist er auf der Webseite von Hoya auch noch offiziell als Filter mit der Bezeichnung „RA54“ geführt. Bei Amazon steht er aktuell auf dem Status „nicht auf Lager“.

Ich hatte das Glück, dass ich im November 2016 einen Red Enhancer bei Amazon.com in den USA finden konnte, der dort kurzfristig verfügbar war. Über die (hohen) Versand- und Zollkosten sprechen wir mal lieber nicht – aber immerhin hatte ich den Filter im Durchmesser 77 mm Anfang Dezember endlich in den Händen.

Nightscape Aufnahmen

Als erstes sollte sich der Filter in nächtlichen Landschaftsaufnahmen („Nightscapes“) beweisen. Dabei stand erst einmal nicht so sehr das Motiv im Vordergrund, da ich ja primär die Wirkung des Filters testen wollte. Da es zu dieser Zeit leider keine Polarlichter in Deutschland gab, musste ich mich mit einem halbwegs wolkenfreien Himmel „begnügen“. Immerhin störte der Mond die Aufnahmen nicht, so dass ich die Wirkung des Filters am lichtverschmutzten Vorstadthimmel hoffentlich gut sehen konnte. Den ersten Eindruck bekam ich dann schon am Kameradisplay kurz nach der Aufnahme. Ich hatte beide Vergleichsfotos mit den gleichen Aufnahmeparametern (f/2, ISO 1600 und 10 s, manueller Weißabgleich bei 3900 K) fotografiert und konnte beim Einsatz des Filters einen – wie es schien – wesentlich kontrastreicheren Himmel erkennen. Wow, die Import aus Übersee hatte sich also scheinbar gelohnt!

Hier siehst Du die weitestgehend unbearbeiteten Testbilder dieser Nacht. Sie wurden mit den o.g. Aufnahmeparametern an einer Canon 6D und dem 24 mm Walimex aufgenommen. Ich habe an den Aufnahmen lediglich die Objektivkorrekturen angewendet und die Farbsäume an den Sternen entfernt – was bei der Aufnahme mit Filter ohne weitere Bearbeitung nicht so gut funktionierte wie bei der ohne Filter. Verschiebe die Markierung in der Mitte des Bildes, um den direkten Unterschied zwischen beiden Bildern sehen zu können. Neben einer veränderten Farbgebung wirst Du auch eine reduzierte Helligkeit durch den Einsatz des Filters feststellen, der insbesondere im Bereich der Wiese am unteren Bildrand zu sehen ist.

landschaft_ore_unbearbeitetlandschaft_re_unbearbeitet

Mit Spannung lud ich die Bilder anschließend in Lightroom um zu überprüfen, ob sich die Unterschiede auch in der Bearbeitung bemerkbar machten. Ich habe dabei versucht, beide Aufnahmen so gut es ging hinsichtlich Weißabgleich, Helligkeit usw. zu bearbeiten. Dabei nutzte ich ausschließlich Lightroom um die Bearbeitung möglichst einfach zu halten. Die Lichtverschmutzung habe ich in beiden Bildern versucht zu reduzieren, ohne dabei jedoch ungewollte Verfärbungen zu verursachen.

landschaft_ore_bearbeitet landschaft_re_bearbeitet

Im ersten Moment war ich etwas „enttäuscht“, da ich durch den Einsatz weniger Regler in Lightroom nahezu identische Bilder erhalten habe. Insbesondere die Änderung der Farbtemperatur und die Reduzierung der Lichter konnte hier im Foto ohne Filter schon viel bewirken.

Tipp: Die Wirkung des Filters kannst Du übrigens auch mal anhand der Quellbilder bei „Lonely Speck“ selbst beurteilen. Du kannst einige der Beispielbilder des Artikels hier als DNG-Dateien herunterladen, die jedoch schon einige Bearbeitungen enthalten. Lade sie einfach mal in Lightroom und spiele ein wenig mit den Reglner – auch bei diesen Testaufnahmen stellt sich aus meiner Sicht etwas Ernüchterung über die Wirkung des Filters ein, sobald man sie ein wenig bearbeitet.

Bei meinen Testaufnahmen stellte ich jedoch fest, dass ich die Lichtverschmutzung im Bereich des Horizonts etwas besser im Bild mit Filter reduzieren konnte, ohne starke Verfärbungen im Bereich des Himmels hervorzurufen. Dieser Vorteil steht jedoch dem Nachteil gegenüber, dass der Filter durchaus einiges an Licht „schluckt“. Insbesondere bei Aufnahmen in der Neumondzeit zählt hier jedoch jeder Lichtwert, so dass der Filter aus meiner Sicht nur verwendet werden sollte, wenn er wirklich sinnvoll unterstützen kann – sprich wenn wirklich eine vergleichsweise starke Lichtverschmutzung herrscht.

Deep Sky Aufnahmen

Auch in der Deep Sky Fotografie beeinflusst die Lichtverschmutzung, insbesondere in Stadtnähe, die Aufnahme lichtschwacher Objekte. Ich habe mir daher meine astromodifizierte Kamera (Canon 700Da) geschnappt und am Beispiel des Nordamerikanebels die Wirkung des Filters ausprobiert. Ich nutzte dafür das 200mm f/2.8 von Canon, auf welches ich den Hoya Red Enhancer mittels eines Filteradapters (72mm auf 77mm) geschraubt habe. Die Sonnenblende ließ sich dabei trotz der Filtergröße noch gut montieren. Ich konnte den Filter sogar bei aufgesetzter Sonnenblende auf- und abschrauben, was äußerst praktisch ist.

Die Kameraeinstellungen ließ ich bei beiden Versuchen gleich, um auch den Helligkeitsunterschied anhand der unbearbeiteten Aufnahmen realistisch beurteilen zu können. Die Bilder nahm ich bei einer Belichtungszeit von 75s bei ISO 1600 und f/3.5 auf – wobei ich natürlich eine Nachführung einsetzte um die Sterne nicht strichförmig werden zu lassen. Für diese Simulation der Erdrotation nutzte ich den iOptron SkyTracker. Die Ergebnisbilder bearbeitete ich zunächst ausschließlich hinsichtlich ihres Weißabgleichs, um einen direkten Vergleich zu ermöglichen und einen relativ neutralen Himmelshintergrund zu erhalten. Die Ergebnisse hinsichtlich der Helligkeit und scheinbar auch der Kontraste im Nordamerikanebel haben mich zunächst mal sehr beeindruckt – es sieht fast aus, als hätte jemand den Lichtverschmutzungsschleier im Bild „weggezaubert“:

In einem zweiten Schritt wollte ich dann jedoch wissen, ob diese scheinbar höhere Detailtiefe auch tatsächlich durch den Filter erreicht werden kann, oder ob sich die zwei Fotos nach der Bearbeitung gar nicht mehr unterschieden. Dazu versuchte ich, beide Bilder möglichst so zu bearbeiten, so dass eine etwa gleiche Himmelshelligkeit und -farbe gegeben war und die Details des Nebels in beiden Fotos möglichst optimal herausgearbeitet wurden. Auf den ersten Blick konnte ich keine großen Unterschiede zwischen beiden Bildern mehr erkennen – im direkten Vergleich sah ich jedoch, dass das mit dem Filter aufgenomme Foto tatsächlich mehr Details im Deep Sky Objekt enthielt. Schiebe dazu den Schieberegler im folgenden Bild einige Male von links nach rechts und achte auf die Strukturen im Bereich des Nordamerikanebels. Wenn du den Filter dabei nach links schiebst (du siehst dann die Aufnahme mit Filter), wirst du eine deutlich höhere Detailtiefe feststellen.

Nun sind dies sicherlich keine spektakulären Aufnahmen des Nordamerikanebels, da es sich lediglich um Einzelaufnahmen handelt. Wenn jedoch eine Einzelaufnahme durch den Einsatz des Filters mehr Struktur und Details im Bereich des lichtschwachen Nebels hervorbringen kann, so dürfte sich auch die Qualität des (aus vielen Einzelaufnahmen) gestackten Bildes verbessern. Hierzu habe ich zwar keinen direkten Vergleich, aber logisch wäre dies.

In einem zweiten Versuche habe ich mir den Orionnebel vorgenommen – dieses Mal mit einer nicht-modifizierten Crop-Kamera. Als Objektiv kam wieder das 200mm f/2.8 zum Einsatz. Auch diese Aufnahmen entstanden mit einer Belichtungszeit von 75s bei Blende f/3,5, allerdings bei einer ISO-Zahl von lediglich 800, da der Orionnebel zu den helleren Deep Sky Objekten zählt. Dass bei dieser Belichtung das helle Zentrum des Nebels ausbrennt, soll für diesen Vergleich hier mal nicht berücksichtigt werden.

Eine Gegenüberstellung der unbearbeiteten Bilder spare ich mir an dieser Stelle – hier tritt ein ähnlicher Effekt wie bei den bereits gezeigten Beispielen auf. Die folgende Gegenüberstellung beinhaltet daher die bearbeiteten Einzelbilder des Orionnebels, wobei ich der Einfachheit halber alle Anpassungen auf das Gesamtbild angewendet habe. Es handelt sich also nicht um eine „professionelle“ Bearbeitung, bei der man ggf. den Nebel vom Himmelshintergrund trennen und separat bearbeiten würde. Ich habe stattdessen beide Bilder so bearbeitet, dass die Himmelshelligkeit und -farbe möglichst neutral und vergleichbar ist. Um die Details des Nebels besser zu zeigen, habe ich die Ausgangsbilder für die folgende Abbildung etwas beschnitten.

Im direkten Vergleich ist bei nahezu identischem Himmelshintergrund wie Du siehst eine etwas andere Farbgebung des Orionnebels zu erkennen. So sind bei der Aufnahme mit Filter (Schieber ganz nach links) die Rottöne deutlich ausgeprägter, was sich jedoch in Lightroom auch durch das Verschieben des Farbtons für die Farbe „Lila“ fast identisch erreichen lässt. Was die Detailtiefe des Nebels angeht, konnte ich jedoch keine Unterschiede erkennen. Die Vorteile des Filters bei diesem Objekt würde ich daher (auf Grundlage meines einfachen Tests) eher als minimal einschätzen.

Red Enhancer – Mein Fazit

Nun stellt meine kleine Testreihe mit verschiedenen Objekten und Motiven sicherlich keinen wissenschaftlich begründete Auswertung dar, allerdings spiegelt es meine (ersten) Eindrücke in der Aufnahme und Bildbearbeitung wieder. Wie fällt nun aber meine Einschätzung hinsichtlich dieses Filters aus – lohnt sich die Anschaffung? Hier würde ich mit einem klaren „Jein“ antworten. Auf den ersten Blick und unter Betrachtung der unbearbeiteten Ausgangsbilder wirkt der Effekt des Filters sehr beeindruckend – filtert er doch scheinbar wirklich einen Großteil der (orangefarbenen) Lichtverschmutzung aus dem Bild heraus. Ein wenig Ernüchterung folgte bei mir jedoch in der Nachbearbeitung der Bilder. So konnte ich den zunächst deutlichen Effekt schon durch eine geringe Bildbearbeitung stark reduzieren – sprich: auch die Bilder ohne Filter sahen nach der Bearbeitung annähernd so aus wie die mit Filter. Gewisse Unterschiede waren jedoch trotzdem zu erkennen, z.B. im Bereich der Lichtverschmutzung am Horizont oder bei lichtschwachen Objekten wie dem Nordamerikanebel. Hier schien der Filter leichte Vorteile hinsichtlich der Farbgebung sowie der Detailtiefe und Struktur zu bringen.

Nun konnte ich im Rahmen meines ersten kurzen Tests noch keine allumfänglichen Erkenntnisse gewinnen. So bin ich beispielsweise noch auf die Wirkung des Filters bei Polarlichtaufnahmen in Deutschland gespannt. Hierzu wurde ja im Meteoros-Polarlichtforum bereits fleißig diskutiert (Link zur Diskussion im Meteoros-Polarlichtforum). Aber die nächsten Polarlicher kommen bestimmt. Sobald ich weitere/neue Erkenntnisse habe, werde ich diese hier im Artikel ergänzen.

Hast Du auch schon Erfahrungen mit dem Hoya Red Enhancer (oder einem vergleichbaren Filter) gemacht? Dann melde dich gern in den Kommentaren dazu und teile deine Erkenntnisse!

Möchtest Du ebenfalls einen solchen Filter kaufen, kannst Du dies beispielsweise hier tun (aktuell nur einige Filtergrößen verfügbar, andere vorbestellbar):

Weitere Filtergrößen sind ebenfalls bei Amazon verfügbar.

Heißer Tipp: Ab Februar wird ein Bekannter von mir einen eigenen Filter gegen Lichtverschmutzung mit dem Namen °nachtlicht anbieten. Diesen wird es zunächst in 72 mm und als 150×150 mm Version geben, später auch in anderen gängigen Filtergrößen. Schau mal bei ihm auf der Seite vorbei: http://star-trails.de/nachtlicht/. (Der Name °nachtlicht hat übrigens keinerlei Verbindung zu meiner Seite)
2 Kommentare
  1. Felix says:

    Wie immer, toll geschrieben Katja. Normal lese ich ja nicht so gerne, aber deine Artikel komischerweise immer, warum auch immer 😃
    Ich hab übrigens ähnliche Erfahrungen gemacht und inzwichen ist mein redenhancer nur noch in der Tasche.
    It dem Deep Sky Test find ich allerdings interessant. Das werd ich bei ner widefield Aufnahme nochmal testen

    Antworten
    • Katja Seidel says:

      Hallo Felix,
      schön, das freut mich natürlich besonders! Ich würde den Red Enhancer (oder andere Modelle) nicht generell „verteufeln“ – für bestimmte Einsatzzwecke machen sie denke ich durchaus Sinn! Leider habe ich sie immer noch nicht bei Polarlicht in Deutschland testen können.
      LG, Katja

      Antworten

Trackbacks & Pingbacks

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.